was genau ist mit dem mittelalterlichen "orbis christianum" gemeint

4 Antworten

Der richtige Ausdruck ist "orbis christianus", da "orbis" Maskulinum ist ("christianum" ist die Adjektivform im Neutrum). Übersetzt heißt es wörtlich "christlicher Erdkreis". Andere mögliche Wiedergaben sind "christliche Welt" oder "Christenheit".

Wahrscheinlich sind in ausführlichen Nachschlagewerken nähere Erläuterungen zu finden, z. B. im "Lexikon des Mittelalters". Dazu wäre ein Besuch in einer wissenschaftlichen Bibliothek nötig.

Im "orbis christianus" ist das Christentum unbestrittene Grundlage der gesellschaftlichen und staatlichen Ordnung. Auch der Staat ist sakral und gehört zu einer alle Lebensbereiche umspannenden heiligen Ordnung. Es gibt keine völlige Trennung von geistlich (Kirche) und weltlich (Staat). Eine religiös-politische Einheit hat den Auftrag, auf der Erde das Reich Gottes (regnum dei) zu verwirklichen und Schlechtes abzuwehren. Dabei ist der Staat keine völlig selbständige Einrichtung, sondern auch eine Erscheinungsform der "ecclesia". Der Papst ist das geistliche Oberhaupt. Der Kaiser ist Schirmherr und ebenfalls gesalbt und geheiligt (sein Amt ist sakral).

In der Sache begann diese Ordnung in der Spätantike, als der römische Kaiser Theodosius I. 391 n. Chr. das Christentum zur Staatsreligion erklärte. Der Ausdruck "orbis christianus" kommt im Frühmittelalter vor. Papst Bonifatius IV. bezeichnete 615 n. Chr. Europa als "orbis christianus", als Heimat der Christenheit mit Rom als Haupt aller Kirchen in Europa. Europa erscheint dabei als christliches Abendland. Im Grunde wird Europa als gemeinsamer Staat der Christen verstanden, eine "res publica christiana".

Eine gewisses Auseinanderbrechen beginnt mit dem Konflikt zwischen Kaiser und Papst, vor allem im Investiturstreit, als Papst Gregor VII. 1076 n. Chr. König Heinrich IV. für abgesetzt erklärt.

Ein stärkeres Zerfallen ist eine länger andauernde Entwicklung vom Spätmittelalter bis in die frühe Neuzeit hinein (stärkere Rolle der Nationalstaaten und ihrer Sprachen; religiöse Spaltung mit der Reformation). Eine gewisser Rest zeigt sich z. B. im schlichtenden Schiedsspruch des Papstes 1494 n. Chr. bei einer Aufteilung der Welt in eine spanische und eine portugiesische Sphäre.

Vieleicht ist der Kontext wichtig: "Latein besaß im mittelalterlichen „orbis christianus“ universelle Bedeutung"...es hört sich eher nach einem bestimmten Zeitabschnitt an, denn kurz darauf folg der Satz "als die Übernationalen Kräfte des Mittelalters allmählich zurück traten, verlor Latein die Vormachtstellung"

--> das spricht wohl für eine bestimmte Zeit, wo eben starker Einfluss seitens der Kirche herrschte...?! dachte es gäbe noch eine konkretere Zeitbestimmung...

Man würde dazu heute vielleicht Christliche Einflusssphäre sagen - also alle Territorien die Christlich beherrscht sind. Gemeint ist also hauptsächlich Europa. Der Papst spricht auch 1x im jahr seinen Segen Urbis et Orbis aus - also Stadt und Erdenkreis - hier ist die gesamte Welt gemeint, nicht nur der Christlich beherrschte Teil.

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