Was genau ist ein Idealist?

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"Ein Idealist ist ein Mensch, der aus der Tatsache, daß eine Rose besser riecht als ein Kohlkopf, schließt, daß eine Suppe aus Rosen auch besser schmeckt." - Henry Louis Mencken


ein Anhänger, ein Vertreter des Idealismus; eine Person mit Idealen (oder mit einer gewissen Realitätsferne)

Der Idealist meint, dass das Idelle (der Geist, das Bewusstsein, das Denken) das primäre ist und dann erst das Materielle (die Natur, das Sein, die Materie) kam. Mit anderen Worten, was war zuerst da, die Materie oder das Bewusstsein? Für den Idealisten, das Bewusstsein. Das darf jedoch nicht mit ethischen Idealismus verwechselt werden.

Ein Blick Nachschlagewerke ist ratsam. Ein Idealist zeichnet sich durch Idealismus aus. Das Wort hat aber verschiedene Bedeutungen und erst in einem genannten Zusammenhang wird klar, welcher Begriff zugrundegelegt wird.

1) Philosophie

Idealismus ist eine philosophische Richtung, die Ideen eine wesentliche Bedeutung zuspricht (Er kann auf mehreren Gebieten und in Varianten auftreten.

a) Metaphysik: Wahres Sein hat nur die Idee/der Geist/das Geistige als Vernunft und/oder Wille. Das Wesen der Welt liegt darin. Ideen/das Geistige sind ein letzter Grund des Geschehens. Idealisten gehen davon aus, die wahrnehmbare Wirklichkeit sei ein Abbild von Ideen bzw. von Prinzipien (die auch Materie organisieren) durchwirkt (objektiver Idealismus) oder materielle Dinge/die sichtbare Welt seien erst durch Ideen/geistige Einflüsse entstanden und deren Erscheinungsformen, wobei das Bewußtsein das Sein bestimmt (subjektiver Idealismus).

Gegensatz zum Idealismus ist ein Materialismus.

b) Erkenntnistheorie: Die Außenwelt ist dem Subjekt nicht fertig vorgegeben, sondern sie wird erst über Ideen erkannt (das Denken kann diese als etwas Bestimmtes erfassen bzw. das Subjekt konstruiert die im Bewußtsein bestehende Welt, die von seinen Setzungen abhängt, an eine andere, von unserer Sichtweise völlig unabhängige Welt kommen wir nicht heran). Ein denkendes Ich, zugleich Sitz der Vernunft, ist das erste Prinzip bzw. Ausgangspunkt der Philosophie.

Gegensatz zum Idealismus ist Empirismus.

Besonders im Mittellalter gab es eine Auseinandersetzung über die Einstufung der Allgemeinbegriffe (Universalienstreit). Idealisten sahen in den Allgemeinbegriffen (Universalien lateinisch = universalia) etwas Wirkliches, das den Dingen vorausgeht. Die Überzeugung von einer solchen Wirklichkeit (Realität) der Ideen wurde Realismus (Ideenrealismus) genannt. In diesem Zusammenhang sind also die Realisten die Idealisten. Gegensatz zum Idealismus = Realismus war der Nominalismus. Die Nominalisten hielten die Einzeldinge für die wahre Wirklichkeit, die Allgemeinbegriffe für bloße Namen (Name lateinisch = nomen) und nicht außerhalb der Einzeldinge existierend außer in Gedanken von Subjekten.

c) Ethik und Ästhetik: der ethische Idealismus glaubt an die absolute Gültigkeit ethischer Werte (Ideale). Der ästhetische Idealismus sieht das Ziel der Kunst darin, Ideen darzustellen und Ideale zum Vorschein zu bringen.

2) Umgangssprache sowie Politik und Gesellschaft, besonders im Bereich internationaler Beziehungen: Idealisten orientieren sich an Idealen und bemühen sich stark um ihre Umsetzung. Ihr Handeln geht über das tägliche Alltagsleben hinaus. Ziel ist die Verwirklichung von Werten. Diese werden auch angestrebt, wenn die Verwirklichung schwierig zu erreichen ist und Opfer verlangt. Die menschliche Natur ist nach ihrer Weltanschauung dem Guten zugänglich. Menschen können grundsätzlich durch Erziehung und Überzeugung für vernünftiges Handeln gewonnen werden. Idealisten schätzen meistens Harmonie und Frieden. Zum Teil können Idealisten die Auffassung haben, wer nicht freiwillig Einsicht in das Vernünftige zeige, dürfe mit Recht auch durch Druck auf den „richtigen Weg“ gebracht werden, der ins Glück führe.

Gegensätze zum Idealismus sind Egoismus, Opportunismus, Zynismus, Materialismus (dabei geht es nicht um die Materie, sondern eine Beschränkung der Interessen und Ziele auf materielle Dinge (Essen und Trinken, Sex, Geld, dauerhafte Konsumgüter und Ähnliches) und Realismus (Es wird von einer menschlichen Natur ausgegangen, die böse, egoistisch und machtbesessen sein kann. Nutzen und vorhandene Machtstrukturen spielen eine große Rolle und sind entsprechend zu berücksichtigen. Idealismus und Realismus sind dabei nicht völlig gegensätzlich, sondern es gibt eher eine Skala des Mehr und Weniger, wobei die beiden Ansätze in den Prioritäten auseinandergehen können.).

Beim Idealismus in der Philosophie gibt es viele Richtungen, die wenn feinere Unterscheidungen berücksichtigt werden. Die Unterteilungen sind dabei nicht immer einheitlich.

Alois Halder, Philosophisches Wörterbuch. Mitbegründet von Max Müller. Völlig überarbeitete Neuausgabe. Freiburg ; Basel : Herder, 2000 (Herder Spektrum ; Band 4752), S. 151 – 152 gibt z. B. zu Idealismus an: seins- und erkenntnismäßiger Vorrang der maßgebenden Idee vor den unmittelbar wahrzunehmden Dingen (Erscheinungen).

1) ontologischer Idealismus: Zwei Seinsbereiche werden unterschieden, der ideelle ist der grundlegende und die Ideen das wahrhaft Seiende, an dem die Einzeldinge teilhaben (z. B. Platon).

2) theologischer Idealismus: Ideeen sind beständige Gedanken des göttlichen Geistes (z. B. Augustinus, Thomas von Aquin).

3) Idealismus als Philosophie der Subjektivität: Ideen sind Vorstellungen, durch welche die Dinge der Welt im menschlichen Bewußtsein reüräsentiert werden (z. B. René Descartes, John Locke, David Hume).

4) transzendentaler Idealismus: Die Idee ist die apriorische (jeder Erfarung vorausgehende) Bedingung der Möglichkeit von Bewußtsein. Die Geltungsgrundlagen jeder möglichen endlichen Erkenntnis liegen in der Struktur endlicher Subjektivität. Die ideelle Welt ist der Bereich der Bedingungen der Möglichkeit gegenständicher Erfahrung und sich an sittliche Normen bindender Handlung. Die Idee stellt Vernunftbedingungen dar (z. B. Immanuel Kant).

5)absoluter (deutscher) Idealismus: Subjektivität entdeckt und begreift sich in ihrem Grund als das Absolute selbst. Sie kommt in ihrem Durchgang durch ihre Bewußtseinsformen nicht nur zu Vernunftideee als regulativen Bedingungen fortgehender Erkenntnis, sondern erfährt sich als die Idee, als denen einen absoluten und immanenten Einheitsgrund, aus dem alle Scheidungen (wie in das empirische Subjket und Objekt, Geist und Natur, Natur und Geschichte) erst frei hervorgehen. (z. B. Johann Gottlieb Fichte, Friedrich Wilhelm Joseph Schelling, Georg Wilhelm Friedrich Hegel).

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