Was bewirkt dieser Hebel (Kaminuhr)?

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2 Antworten

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Das ist die Schlagabsschaltung.

Der Hebel greift in den Windfang ein und blockiert diesen wenn die Schlagabschaltung deaktiviert wird. So kann das Schalgwerk (befindet sich hier von hinten gesehen rechts) nicht auslösen, was durchaus Nachts gewollt wird. Auf dem Knauf müsste, wenn, sowas stehen wie Schlag - still. Wenn du die Schlagabschaltung deaktivierst, sollte kein Schlag ertönen wenn du mit den Zeigern auf Auslösung gehst oder den Hebel links oben runter drückst.

Der Windfang ist sozusagen das letzte Rad vom Schlagwerk was das zu schnelle Ablaufen des Schlagwerkes hemmt beim Schlagen.

Du hast hier eine Hermle Kaminuhr mit Bim-Bam Schlag, zwei Zugfedern (Eine für Lauf- und eine für Schlagwerk), Hakenhemmung. Schlagwerk mit Rechen.

Woher ich das weiß:Beruf – Angestellt als gelernter Uhrmacher seit 2013.
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Danke für die ausführliche Antwort. Ach so, ich hatte den Gong immer mit der Transportsicherung deaktiviert. aber wenn das so ist, kann diesen wieder lösen. Aber eine kleine Frage noch, wie kommen Sie darauf, dass es eine Hermle Uhr ist? Das haben schon einige Leute gesagt, dabei ist diese Uhr von Mauthe. Oder gehört Mauthe zu Hermle? Das würde mich auch interessieren, da ich über diese Uhr nichts finden kann - wann sie gebaut wurde, und was sie wert sein könnte. Selbst die Leute von Mauthe konnten mir dazu nichts genaueres sagen. Ich weiß nur, dass die Uhr damals meinen Urgroßeltern gehörte. Demnach könnte sie aus den 30er Jahren sein.

Und wenn ich die Uhr neu aufziehen möchte, kann ich das machen, während das Pendel noch schwingt - also die Uhr tickt, oder muss die Uhr komplett still stehen? 

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@shinyuke

Von hinten kann man das nicht immer gleich erkennen, da Hermle und Mauthe ähnliche Werke verbaut hatten. Vor kurzem hatte ich eine sehr ähnliche Uhr auf dem Tisch mit der besagten Schlagabschaltung. Hier handelte es sich um eine Hermle Uhr. Mauthe hatte einen Adler als Logo, Hermle hat meist ein eigenes Logo (F.H.S.) hinten geprägt, jedenfalls bei den neueren Modellen, weil es Hermle bis heute gibt. Es waren zwei im Schwarzwald ansässige Uhrenhersteller.

Deine Mauthe Tisch/Kaminuhr stammt um 1920 und waren qualität hochwertiger als Hermle-Uhren. Da es diese Uhren zu der Zeit in einer großen Stückzahl gab, ist der Wert nicht besonders hoch. Allgemein ist der Markt für Großuhren egal ob Tisch- oder Standuhren im Keller. Die neuere Generation hat nichts mehr über für solche Uhren und diese passen auch vom Design selten zu modernen Einrichtung. Die Frage ist auch in welchem Zustand sich die Uhr befindet. Wenn die Uhr schon sehr lange gelaufen ist, befindet sich kein Öl mehr in den Lagern, die Lager sind zum Teil stark ausgeschlagen. Wenn man sie dann wieder regelmäßg in Betrieb nehmen möchte, sollte man sie zumindest mal vom Fachmann abölen lassen, da sonst die Reibung zu stark ist von den Zapfen in den Lagern. Eine komplette Überholung von ca. 350,- € übersteigt dann meistens den eigentlichen Wert der Uhr, wobei man einen Ideelen wert natürlich nicht in Zahlen bemessen kann. Ich würde den Wert der Uhr ungesehen bei ca. 120,- € bemssen, was natürlich weniger ist als die Uhr verdient hätte.

Die Uhr muss nicht beim Aufziehen angehalten werden.

Was den Umgang der Uhr angeht, habe ich das mal in einer ähnlichen Frage umfangreich beantwortet, hier ist der Link dazu. Die Frage wurde mit einem Stern ausgezeichnet:

https://www.gutefrage.net/frage/wie-ziehe-ich-die-wanduhr-mit-pendel-richtig-auf-?foundIn=list-answers-by-user#answer-262642962

Kannst dich gerne bei weiteren Fragen melden...

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@U7rmacher

Ein paar Fragen habe ich noch, ist es normal, dass ich den Minutenzeiger alle drei bis vier Tage neu einstellen muss, damit die Uhr richtig geht, oder muss ich hierbei das Pendel neu justieren (Wenn ja, muss ich es höher oder tiefer stellen)? Soweit ich weiß, hat die Uhr ein 8 Tageslaufwerk. Müsste die Uhr dann nicht acht Tage lang richtig gehen, bis ich sie neu aufziehe und neu einstelle, oder verstehe ich das falsch? Bisher war es immer so, dass schon nach zwei Tagen die Uhr ein paar Minuten nach ging, daher habe ich die Uhr meist fünf Minuten vor gestellt, damit ich sie nicht alle paar Tage neu stellen muss.

Wenn ich sie neu gestellt habe dauerte es dann eine Weile, bis das Pendel ein gleichmäßiges Tick-Tack von sich gab. Es hört sich ungefähr so an: Tick-Tack, Tick-Tack, Tick-Tack-Tack ... Stoße ich hierbei das Pendel zu sehr an? An dem Untergrund kann es nicht liegen, der ist gerade.

Vielen Dank nochmal für die ausführlichen Antworten.

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@shinyuke

Jede mechanische Uhr ist gewissen Gangdifferenzen ausgesetzt. Dies betrifft Uhren mit Zugfedern mehr, als Uhren mit Gewichten. Zugfedern haben nach Vollaufzug eine hohe Kraftabgabe und am Ende natürlich eine weniger große Kraftübertragung. Heißt, 100 % genau werden sie nie gehen. Wenn die Gangdifferenzen aber immer größer werden, muss die Uhr einreguliert werden.

Bei deiner Uhr wird dies über das Pendel, bzw. über die Pendelschraube angepasst, die sich direkt unterm Pendel befindet:

  • die Uhr geht nach: Die Schraube muss rechts herum gedreht werden, was bewirkt, dass das Pendel nach oben geschoben wird und das Pendel dann eine kleinere Schwingungsweite hat und die Uhr vor geht.
  • die Uhr geht vor: Die Schraube nach links drehen, das Pendel geht runter, Schwingungsweite wird größer, die Uhr geht nach.

Man sollte nur max. eine halbe Umdrehung korrigieren, was bei dem kurzen Pendel ca. 1 Minute Differenz sein kann. Hier ist es auch sinnvoll, dies ab dem ersten Tag zu tun nach dem kompletten Aufziehen. Wir in der Werkstatt haben Montag unseren Aufziehtag. Es ist sinnvoll die Gangdifferenz auf 24 Stunden genau zu beobachten. Sprich, wenn die Uhr um 15 Uhr aufgezogen wurde, sollte am nächsten Tag um die gleiche Zeit eine Gangkorrektur vorgenommen werden. Am besten dies aufschreiben in einem Gangprotokoll, um auch zu notieren wie viel Gangkorrektur bereits vorgenommen wurde und wie die Uhr darauf reagiert hat.

Eine 8-Tage Uhr bedeutet, dass die Uhr mind. 7 Tage läuft, also von Montag bis Montag. Wenn die Uhr sich in einem sehr guten Zustand befindet und die Zugfedern genug Kraft speichern können, gehen diese Uhren auch durchaus 10 Tage. Das hat erstmal nichts mit der Ganggenauigkeit zu tun, doch sollten die Uhren so einreguliert werden, dass sie nach 7 Tage so wenig wie möglich, ich sag mal in Zahlen max. 10 Minuten Gangdifferenz aufweisen. Je nach Alter und Zustand kann die Gangabweichung größer ausfallen. Die Frage ist wie viel Kraft von den Zugfedern bei der Hemmung ankommt. Durch fehlendes Öl, stark ausgelaufenen Lagern etc. leidet die Ganggenauigkeit. Irgendwann muss die Uhr dann komplett überholt werden.

Die Uhr ist von Werk so ausgerichtet, dass sie auf einer geraden Fläche einwandfrei funktioniert. Hierbei kommt es auf den Abfall an. Der Abfall macht sich durch das gleichmäßige Geräusch des Tick-Tacks bemerkbar. Wenn der Abfall ungleich ist, also sich z.B. so anhört; Tack Tack, muss die Uhr neu ausgerichtet werden, indem man sie links oder rechts so viel unterlegt, bis sich das Tick Tack wieder gleich anhört. Nach dem Anschupsen des Pendels, pendelt sich dieses nach kurzer Zeit selbst ein. Wenn der Abfall derart verstellt ist, weil man z.B. an das Pendel gekommen ist, muss die Ankergabel im Eingriff verstellt werden, was man nur ein Fachmann machen sollte. Hier ist aber mal ein Video darüber:

https://www.youtube.com/watch?v=U05lLewQgZs

Übrigens, danke für den Stern;-)

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@U7rmacher

Nichts zu danken. Ich habe für die ausführlichen Infos zu danken. Ich denke, ich werde die Uhr demnächst einmal zum Uhrmacher bringen und durchchecken lassen. :)

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das wird der notaus hebel sein ... :D

nein natürlich nicht - aber ev. wird damit der gong ausgeschaltet.

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