Was bedeutet das Sprichwort: "Jemanden über den Jordan schicken"

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Östlich hinter dem Jordan befand sich unfruchtbares Wüstenland. Wer dorthin geschickt wurde, wurde ins Verderben geschickt. Wer also über den Jordan geschickt wurde, "sprang über die Klinge", dass heißt, das Volk der Juden hatte den Betreffenden aus welchen Gründen auch immer aus dem Gelobten Land ausgestoßen.Später gingen jedoch freiwillig Sektierer und Propheten in die transjordanische Wüste um zu meditieren und von weltlichem Leben ungestört zu sein. Unter anderem tat das der Reb Joshua, den die Christen Jesus nennen. Das bedeutete also nicht zwangsläufig den Tod des "Jordan-Überquerers". Erst später, im christlichen Mittelalter mutierte der "Gang über den Jordan" zum Synonym für einen Wechsel vom Leben zum Tod.

In diesem Begriff hat sich ein Bedeutungswandel vollzogen, denn ursprünglich war in den älteren Texten der Bibel, den Moses texten der Begriff "Jordanüberquerung" positiv besetzt, deutet er doch die Überquerung des Jordan und darin die Ankunft im gelobten Lande an, die aber Moses selber verwehrt geblieben ist. (5. Moses, Kap 31, ff.)

Donnerwetter, Ihr geht aber stramm ran! Es heißt zunächst einmal ganz einfach : Hier im gelobten, fruchtbaren Land kannst Du nicht bleiben. Deine Schafe und auch Du, Ihr seid Böcke!. Geht auf die andere Seite des Flusses, treibt da Eure Quertreiberei - aber ihr habt auch dort Chancen, indem Ihr das Land bewässert und urbar macht. Ihr sollt erfahren, dass ein "gemachtes Bett" nicht ohne Anstrengung, ohne Plan, ohne Opfer einfach da ist.

Alle Deutungen bis hin zum "Scher dich zum Teufel!" sind freie und überschwänglicheInterjektionen. Der Jordan ist kein Fluss der Unterwelt (=Hades), sondern er ist geadelt und geweiht als Taufstätte.Er hat zu tun mit Aufbruch, Reinigung, Dynamik , Optimismus .

Geh rüber heißt : Du kriegst eine zweite Chance, musst Dich aber anstrengen. So bequem wie hier auf dieser Jordanseite hast Du es zunächst nicht.

Nein - mit "über den Jordan schicken" ist ganz klar gemeint "ins Jenseits befördern", also töten

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In den Negro Spirituals kommt es öfter vor, dass das Land jenseits des Jordans besungen wird. Hinter dem Jordan, auf der anderen Seite, befindet sich das "Gelobte Land". Für die Sklaven war das eine Metapher für das Paradies, für die Freiheit bei Gott, für das Jenseits nach dem "irdischen Jammertal".

**"*Deep river,my home is over Jordan,Deep river, Lord,I want to cross over into campground

Oh, don’t you want to goto that gospel feast,That promised land where all is peace

Deep River, LordI want to cross over into campgroundinto campground"*

Jemanden über den Jordan schicken bedeutet inzwischen, säkular gewendet, jemanden ins Jenseits befördern. Ihn also "kaputt machen".

Ich kenne auch die Wendung: "Die Schuhe sind schon über den Jordan." Das heißt, die Schuhe sind "kaputt", man hat ihnen "das Genick umgedreht".

Der Jordan ist geografisch der tiefste Fluss der Welt (-400 Meter). Er ist der einzige Fluß der Welt, welcher seine Lebewesen in den sicheren Tod führt, nämlich ins tote Meer. In ihm wurden auch die Menschen getauft, als Zeichen: Ich bin tot für mein bisheriges Leben! Deshalb ist der Jordan ein Sinnbild für den Tod, den jeder von uns eines Tages durchqueren muss.

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