Warum wird das Trachtenberg-System nicht in der Schule gelehrt?

9 Antworten

Warum ausgerechnet das Trachtenberg-System, warum nicht etwa die vedische Mathematik?

Die Schule soll ein Verständnis für die Mathematik bilden. Die schriftliche Methode, die in der Schule gelehrt wird, ist verständlich und nachvollziehbar. Es geht nicht darum (schon gar nicht mehr heutzutage), möglichst schnelles Kopfrechnen zu lehren, sondern ein Verständnis dafür, warum, was, wie gerechnet wird.

Das Trachtenberg-System (und viele andere) fördert, dass noch mehr einfach auswendig gelernt wird, ohne es verstanden zu haben.

Ich habe das Abitur bestanden, ohne jemals davon gehört zu haben.

Und? Wieviel musstest du denn beim Abitur im Kopf - oder auch "von Hand" rechnen?

Jeder, der sich für Mathematik interessiert, kann sich die Methoden aneignen - sie sind ja nichts Geheimes. Das Verständnis für die Mathematik vertiefen sie in der Regel nicht.

Ich habe eben 63248 * 652 auf die althergebrachte Weise korrekt ausgerechnet und anderthalb Minuten gebraucht. Und wenn jemand fünf oder zehn Minuten dafür braucht, wo ist das Problem? Wer schneller rechnen will, kann den Computer benutzen. Ich habe mit Bleistift und Papier rechnen gelernt wie vor 500 Jahren und verstehe auch, wie es funktioniert. Das hilft, manche anderen Dinge zu begreifen, wie das Rechnen im Binärsystem. Es mithilfe besonderer Tricks schneller zu können ist vielleicht nett, so wie es auch nett sein mag, eine Modelldampflok schneller zu machen. Aber ich persönlich sehe keinen Bedarf dafür. Es sei denn, das Verfahren eignet sich als Grundlage schnellerer Multiplikationsalgorithmen für Computer. Aber von denen gibt es schon einige, und sie sind für den Schulunterricht, glaube ich, zu schwierig.

Es gibt viele unterschiedliche Möglichkeiten, schriftliche Rechenverfahren anzuwenden und auf die korrekte Lösung zu kommen. Auf eins davon hat man sich dann geeignet. Es bleibt jedem Lehrer überlassen, auch andere vorzustellen. Das ist bei schwachen Schülern aber sicher ein Problem. Da die schriftlichen Rechenverfahren schon in der Grundschule eingeführt werden, ist es sicherlich richtig, ein Verfahren anzuwenden und dieses schrittweise den Schülern näher zu bringen. Viele Schüler sind dann später für weitere Verfahren nicht unbedingt offen. Ich kann Dir aber garantieren, dass Du im Lehramtsstudium Mathematik einige andere Verfahren kennen lernen wirst, um sie dann mit dem aktuell anzuwendenden Verfahren zu vergleichen.

Ich habe Grundschullehramt mit Mathematik studiert und hab heute Abend auch das erste Mal davon gehört....

Habe es mir jetzt nur sehr kurz und oberflächlich angeschaut, kann aber ehrlich gesagt keinen wirklichen Nutzen darin erkennen (vllt magst du ihn mir erklären?), da ich ja doch die Rechenoperationen auswendig lernen muss- die ja an und für sich auch nicht unkompliziert sind. Im unteren Abschnitt deines Links wird sogar gesagt, das das ganze Verfahren erst sinnvoll ist wenn das alles automatisiert ist. Und das dauert lang, sehr lang. Und wofür? Damit ich ohne Taschenrechner auskomme.... In der Zeit von Smartphones.

Das kleine Einmaleins muss ich auch trotzdem können.

Und die von dir genannte Aufgabe kann ich mit dem schriftlichen Rechenverfahren schneller als in 2 min lösen, wenn ich nen Zettel und nen Stift hab.

Mein momentanes Fazit: Als Kunststück zum Angeben ganz cool, wenn man das drauf hat, aber für den Alltag oder im normalen Berufsleben sehe ich darin keinen nennenswerten Vorteil.

Und die von dir genannte Aufgabe kann ich mit dem schriftlichen Rechenverfahren schneller als in 2 min lösen, wenn ich nen Zettel und nen Stift hab.

Nicht nach dem Standard-Verfahren. Das wäre laut Wikipedia 6 * 63.248, 5 * 63.248 und 2 * 63.248 sowie die Summe aus den Ergebnissen.

Ich habe testweise einfach mal das alles aufgeschrieben und versucht, alles einfach nur schnellstmöglich abzuschreiben (also ohne Rechnen). Selbst das dauert bei mir fast zwei Minuten - und ich kann sehr schnell schreiben. Mit Rechnen komme ich auf 2 1/2 bis 3 Minuten.

Das andere System ist schlichtweg schneller. Allein die Schreibarbeit ist wesentlich geringer. Beim Standard-System komme ich im gegebenen Beispiel auf knapp 130 Ziffern, beim Trachtenberg-System auf nur 42 Ziffern. Das sagt eigentlich schon alles.

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@Schoolmate314

Ich verstehe nicht, wie Du nach dem “Standardverfahren“ auf 130 aufzuschreibende Ziffern kommst?? Bei mir steht in der ersten Zeile die Aufgabe, 8 Ziffern. Dann wird drunter ein Strich gezogen. Darunter folgt die Multiplikation von 63248 mit 6. Das Ergebnis hat 6 Ziffern. Darunter stehen bei mir die Multiplikationen mit 5 und mit 2, jeweils 6 Ziffern. Die drei erhaltenen Zahlen werden addiert, das Endergebnis hat 8 Stellen. Zählen wir zusammen: 8+6+6+6+8= 34 zu schreibende Ziffern. Ich habs gerade mit der Stoppuhr getestet, nach ziemlich genau anderthalb Minuten war ich fertig und das Ergebnis war richtig (Kontrolle mit Taschenrechner)

Vergiss Dein Trachtenbergsystem...

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@madwe
8+6+6+6+8= 34 zu schreibende Ziffern.

Dazu kommen noch 13 Übertragsziffern, wenn man sie nicht nur "im Sinn" behält, sondern ebenfalls klein dazuschreibt. Das macht dann auch nur 47 Ziffern.

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Dieses System ist mir auch schon untergekommen. Ehrlich gesagt finde ich, dass man generell nicht so viel darüber findet. EIn Großteil meiner Mathelehrer kennt es gar nicht... Ist eben anscheinend kein Platz mehr im Lehrplan...

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