Warum lesen wir in der Schule Nathan der Weise?
Hi!
Seitdem wir vor 2 Wochen damit angefangen haben frage ich mich: "Wozu liest man diesen Mist?"
Ein kurzes Zitat:
Die Christen nicht, sind schuld: sind nicht, als Christen, Als Tempelherren schuld. Durch die allein
Wird aus der Sache nichts. Sie wollen Acca,
Das Richards Schwester unserm Bruder Melek
Zum Brautschatz bringen mu ̈sste, schlechterdings Nicht fahren lassen. Dass des Ritters Vorteil Gefahr nicht laufe, spielen sie den Mönch,
Den albern Mönch. Und ob vielleicht im Fluge Ein guter Streich gelänge: haben sie
Des Waffenstillestandes Ablauf kaum
Erwarten können.
Man kann dieses Buch zwar verstehen, jedoch ist es echt anstrengend das fast 200 Seiten lang durchzuhalten.
Auf welche Art und Weise soll uns das im späteren Leben weiterbringen ein 300 Jahre altes Buch gelesen zu haben?
Ich würde lieber lernen wie man eine Steuererklärung schreibt oder einen Vertrag analysiert! Aber sowas brauchen wir ja anscheinend nicht.
Mich würde eure Meinung dazu mal interessieren!
5 Antworten
In der Schule werden IMMER Klassiker durchgenommen. In der Schule passieren oft Dinge, die man als Schüler nicht versteht. Nimm es deshalb einfach mal so hin. JETZT erscheint es Dir sinnlos. Es ist aber schön, ein Allgemeinwissen zu haben. Ich habe dieses Stück schon zweimal im Theater gesehen und würde es mir auch noch ein drittes Mal anschauen. Einfach nur schön.
Ich habe ihn auch in der Schule gelesen und finde ihn höchst aktuell. Die etwas altertümliche Sprache kann man verstehen. Man lernt, daß Vorurteile, Judenablehnung, Religionsstreite in unserer Gesellschaft eine lange Tradition haben und die Menschen bis heute damit immer noch Probleme haben. Kultur ist keine Augenblicksgeschichte sondern ein sehr langer Prozess und in dieser kulturellen Geschichte ist Nathan der Weise ein wichtiger Meilenstein.
Also ich frage mich auch warum das den Schülern zum Lesen gegeben wird , immerhin müssten die Schüler dann solche Informationen bekommen dass zum Beispiel "Melek" übersetzt König bedeutet sonst versteht man dass ja gar nicht.
Ich verstehe jetzt immer noch nicht ob die Christen schuld sind oder nicht , oder ob sie schuld sind aber nicht als Christen schuld sind oder wie auch immer....
Gerade Nathan der Weise zeigt, dass religiöser Diskurs wichtig und gut ist und man sich auf keinen Fall aufgrund von Differenzen hassen soll. Es geht um Toleranz und um das Zusammenleben.
Ich würde lieber lernen wie man eine Steuererklärung schreibt oder einen Vertrag analysiert! Aber sowas brauchen wir ja anscheinend nicht.
Ich verstehe schon, was du meinst, allerdings hat das mit dem eigentlichen Thema überhaupt nichts zu tun.
Eine Steuererklärung konnte ich ganz locker ohne Unterricht abgeben, ist völlig easy, dafür braucht man keine Schulzeit verschwenden.
Grundsätzlich: Religion in jedweder Form hat in der Schule absolut nichts verloren.
Den angesprochenen religiösen Diskurs kann man aber auch direkt thematisieren, ohne die Schüler wochenlang mit einem alten Buch zu langweilen.
Nathan der Weise ist ein gutes Buch, das zeigt, dass Toleranz und Akzeptanz anders denkender/gläubiger enorm wichtig sind.
In den heutigen Zeiten, in denen die Rechten wieder erstarken ist das aktueller denn je.
Du kannst natürlich im späteren Leben auch brav Steuererklärungen schreiben (keine Ahnung, was man da lernen soll. Ausfüllen und fertig, dazu braucht es nicht viel verstand) und nach dem Feierabend nachblöken, wie ein Schaf, was andere dir erzählen. Oder du lernst jetzt selbstständig denken.
Dazu geht es in der Schule nicht darum, dass man strikt lernt, was man im Beruf braucht (was ja, da jeder was anderes macht, ja eh nicht möglich ist). Sondern darum grundlegende Techniken zu lernen (z.B eben ein literarischen Text analysieren zu können und zwischen den Zeilen lesen zu können) und ein Allgemeinwissen aufzubauen. Es sei denn du willst ein Fachidiot werden. Der z.B vielleicht ein klasse Buchhalter ist, sich aber bei jedem Gespräch, in dem es nicht darum geht, lächerlich macht, weil er in jedem anderen Bereich so dumm ist.
Also ganz ehrlich, meiner Meinung nach hat Religion in der Schule NICHTS verloren. Ich bin zum Beispiel Atheist und muss Religionsunterricht nehmen, weil es Philosophie an unserer Schule nicht gibt.