Warum gilt das in Deutschland als Grabschändung und im alten Ägypten als Archäologie?

7 Antworten

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Es liegt am Widerstreit zwischen dem Streben nach wissenschaftlichen Erkenntnissen und ethischen bzw. religiösen Erwägungen.

Nehmen wir die Stammzellenforschung: Sie könnte nützlich sein, um künftig genetische Fehlbildungen und Erbkrankheiten frühzeitig zu erkennen, zu behandeln oder sogar zu verhindern.

Aber nein: da kommt irgendeine eine Bischofskonferenz oder ein ähnliches Gremium und zetert :"Das darf man nicht!!!"

Gerade die Kirche war schon immer erkenntnis- und  wissenschaftsfeindlich (bis vor relativ kurzer Zeit sehr brutal, jetzt gespielt subtiler), denn jede gesicherte Erkenntnis verkleinert das Spektrum des "Wirkens Gottes".

Schon in der Genesis heißt es: "Aber vom Baum der Erkenntis sollt ihr nicht essen." Im Klartext: "Bleibt mal schön unwissend und dumm, desto leichter seid ihr zu manipulieren."

Liebe Menschen, fangt endlich an, das Beten durch Denken zu ersetzen (oder ergänzt wenigstens Beten um  das Denken)!

Woher ich das weiß:Beruf – 43 Jahre Dolmetscher/Übersetzer; Archäologie/Paläont. Hobby

Satz für Satz, Wort für Wort HERVORRAGEND !! DH !

pk

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Die Bestimmungen in Deutschland und Ägypten sind im Prinzip die gleichen.

Auch in Ägypten bekommst Du Streß, wenn Du auf einem aktuellen Friedhof buddelst.

Und alte Gräber und Friedhöfe werden bei uns auch ausgebuddelt.

Für Deine Frage interessieren sich mittlerweile auch Archäologen. Wie soll man mit alten Gebeinen umgehen? Die Antwort darauf ist umstritten. 

Der Ötzi ist ja im Original im Südtiroler Landesmuseum in Bozen zu sehen. Keine Kopie - das Original. Der liegt da in einer Kältekammer, die mit einem Fenster versehen ist. Nicht alle Archäologen sind damit glücklich. Schließlich ist der Ötzi eine menschliche Leiche.



Für Deine Frage interessieren sich mittlerweile auch Archäologen. 

Es sind eher die Nicht-Fachleute, die meinen, sie müssen sich zu diesem Thema äußern.



Schließlich ist der Ötzi eine menschliche Leiche.

Ja und? Hast du den Hauch einer Ahnung, wie viele davon man als Archäologe in der Hand hatte?


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@Kristall08

Zum ersten: Da könnte Dich folgender Link interessieren. https://journals.ub.uni-heidelberg.de/index.php/arch-inf/article/viewFile/15325/9199 Erster Satz der Zusammenfassung; "In letzter Zeit wird auch in Deutschland verstärkt der Umgang mit menschlichen Überresten („human remains“) aus archäologischen Kontexten diskutiert."

Zum zweiten: Da verstehe ich Deine Frage wahrscheinlich nicht. War Ötzi weniger Mensch, weil es so wenig vergleichbare Funde gibt? Ist es deshalb in Ordnung, ihn öffentlich zur Schau zu stellen? Oder meinst Du den Aspekt, daß er so oft wie möglich aufgetaut wird, damit wieder Proben entnommen werden können?

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Nunja es gibt ja auch auf aktuellen Friedhöfen Regelungen wie lange die "Ruhezeit" ist (meist irgendwas um die 20-25 Jahre). Danach wird das Grab oberflächlich aufgelöst, da offenbar davon ausgegangen wird, dass dann im Normalfall keiner mehr am Grabstein mit Blumen etc. trauern möchte. Die Überreste des Toten werden zwar in der Erde belassen, können aber in ihrer Lage durch eine Neubelegung (aus Platzmangel) durchaus gestört werden, ohne, dass das als Grabschändung zählen würde. Die Knochen verbleiben zwar auch dann in der Erde aber sind ja dennoch "gestört".

Du siehst: eine besonders lange Ruhe wird selbst für aktuelle Gräber nicht gewährt. Da ist es doch kaum verwunderlich, dass es bei wesentlich älteren Gräber entsprechend noch lockerer gesehen wird, zumal wenn es um Wissenschaft geht. Mich persönlich würde es auch garnicht stören, wenn irgendwann meine Überreste der Wissenschaft dielich sind, zumal wenn sowieso keine Angehörigen sich mehr drann stören könnten.

Da gebe ich dir recht. 

Ich finde, da ist auch kein Unterschied. 

Die alten Pharaonen wurden dort für die Ewigkeit begraben. Sie hatten extra eingebaute Systeme, um Plünderer abzuhalten. Der Mensch ist einfach gierig und hat vor nichts Respekt. 

Ich gebe zu,ich sehe diese Teile auch gerne. Trotzdem ist es genau genommen Störung der Totenruhe und Ausplünderung. 

Wen du bei uns auf dem Friedhof jemanden ausbuddelst, gibt es Angehörige des "Ausgebuddelten" und denen wird es bestimmt nicht gefallen wenn du sein Grab ausbuddelst.

Bei den Jahrtausend alten Gräbern handelt es sich im historie, die mit Hilfe von Grabungen "erforscht" wird und bei solchen Gräbern gibt es auch keine Angehörige mehr.

Ich hoffe ich konnte dir mit dieser Antwort helfen.

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