Warum finden die meisten Menschen,daß Latein eine tote Sprache ist?

25 Antworten

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Eine tote Sprache ist per Definition eine Sprache, die derzeit nicht mehr gesprochen wird.

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Aber ich weigere mich dennoch, diesen Ausdruck zu verwenden, denn wer auch nur ein bisschen Allgemeinbildung hat, weiß, dass unglaublich viele deutsche Wörter aus Fremdsprachen, speziell aus dem Lateinischen und Altgriechischen stammen. Die Nachwirkung von solchen toten Sprachen ist also immens, daher sind sie für mich nicht tot. ;-)

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Grob geschätzt ist in einem wissenschaftlichen Aufsatz jedes dritte Wort nicht deutschen Ursprungs. ^^

Danke, für deine hilfreiche Antwort!!!!!LG

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@Nathanael

Ich danke auch!

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Falls dich ein paar Beispiele interessieren:

Deutsche Fremdwörter aus dem Lateinischen:

Deodorant, Dom, irritieren, Kommune, Kongruenz, Korruption, krass, Lektüre, Lokal, Metall, mischen, Mix, Nektar, Pest, Ruine, Sack, Straße, ...

Aus dem Englischen gibt es noch viel mehr:

accident, acquire, delete, impure, inapt, incidence, insight, library, persecute, prosper, provide, ...

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Deutsche Fremdwörter aus dem Altgriechischen:

Anthropologie, Astronaut, Bibliothek, Gynäkologe, Halma, Idiot, Komet, Kosmologie, Ozean, Pause, Philosophie, Senf, Telefon, Theke, Therapie, ...

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Kurzum: Es wirklich erstaunlich, wie viele Wörter man sich problemlos in modernen Sprachen wie Deutsch, aber auch in Französisch, Italienisch, Spanisch und vor allem in Englisch herleiten kann, wenn man Latein und Altgriechisch beherrscht.

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Deine Definition trifft aber auf Latein garnet zu:

Siehe z.B.: http://www.circulus.fr/

Und des is noch lang net alles! Siehe auch meine AW hier....

Herzliche Grüße aus dem lateinisch-sprachigem Internet :-),

LatīnumVīvum


Nōn mortuast Latīna lingua - īnstitūtiō "moderna" mortiferast! * Die Lateinische Sprache ist nicht tot - Der "moderne" Unterricht ist tödlich!

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Latein ist ein tote Sprache, weil sie außer in Radio Vatikan nicht mehr gesprochen wird und sich deshalb nicht mehr entwickelt. Zwar kommen durch Radio Vatikan immer wieder neue Vokabeln dazu, aber die Grammatik unterliegt keinen Veränderung mehr.

Tot nennt man sie, weil sie nicht mehr im Sprachgebrauch ist. Ich finde Latein auch klasse, weil darauf viele andere Sprachen aufbauen. Wer gut in Deutsch ist, wird mit Latein keine großen Probleme haben dürfen. Vor allen Dingen ist Latein für viele Studiengänge Voraussetzung.

Danke, für deine Antwort,LG

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weil sie nicht mehr im Sprachgebrauch ist

In meinem - und nicht nur meinem! - Sprachgebrauch ist sie jedenfalls doch - unsere Welt mag winzig sein (Schätzungszahlen unter meiner AW "Eine späte Ergänzung...") - lebendig ist sie aber doch: im oben verlinkten GrexLatineLoquentium geht es um alle möglichen aktuellen Themen, aber außerdem auch um neue Wörter und die alte Frage: "Was ist gutes Latein?" bzw. "Was ist überhaupt noch Latein?" - und zwar auf Latein!

"Latein ist tot!" ist eine Legende, die sich aus einem verknöcherten Unterricht speist, in dem lebendiger Sprachgebrauch gar nicht mehr gewünscht ist (jedenfalls von Lehrerseite - von der Schülerseite sieht das zumin. am Anfang oft ganz anders aus!), bzw. die auch von Nationalsprachen-Aktivisten seit Ende des 18. Jahrhunderts (Frankreich!) gezielt gestreut wurde um die jeweilige Nationalsprache über die gemeinsame europäische Sprache Latein zu erheben! Was uns der Nationalismus brachte bzw, was er als Exportgut z.B. in der Türkei heute immer noch bringt, wissen wir ja - Nationalsprachen sind wie Latein selbst immer auch Konstrukte gewesen mit denen ein "Volk", eine "Nation" erst geschaffen wurde! - Ich habe nichts gegen diese Konstrukte - ich schreibe schließlich in einem von ihnen! - aber eloquente Mehrsprachigkeit und damit der Zugang zu anderen Denkweisen und -möglichkeiten ist kein Ding der Unmöglichkeit - außer vielleicht im blöd-machenden Burn-Out-verursachenden bayrischen G8...

Kurzum: was spricht gegen die "Sprache ohne Volk" (Italiener und andere Romanesken lernen sie übrigens nicht unbedingt leichter: oft bilden sie sich das ein und gehen den Bedeutungsverschiebungen auf den Leim: "homo" heißt eben nicht automatisch auch "vir" wie "uomo, hombre, homme")? Mit der oben erwähnten Methode ließe sich nämlich ein echter Zugang zu den Texten aus über 2000 Jahren schaffen - und die Möglichkeit zur Schaffung neuer Texte, oder einfach nur zu Quatschen auf Latein :-) - ich find's toll mit einem Amerikaner, wie er sagt, gleichberechtig kommunizieren zu können, während wir einander in der jeweiligen Muttersprache immer über- bzw. unterlegen wären :-) !

Mal ganz ehrlich: was den meisten Lateinlernenden angetan wird, ist für die meisten wirklich überflüssig und macht sie schlicht unglücklich - Lateinsprechen macht einfach bock: da ist Gefühl drin, Leidenschaft, präziser oder auch mal lockerer Ausdrück: Latein ist nämlich mehr als nur Cicero und Caesor(sic - ein Schlächter war er nämlich - seine Sprache ist militarisch!): das ist genauso Petrons Satyricon, Apuleius Goldener Esel, Vergils Bucolica (kann verdammt politisch sein!) - das ganze Mittelalter ist für mich sogar noch größtenteils unerforscht. Anstatt immer nur neu "Cicerones" sein zu wollen und die anderen für ihr schlichtes oder einfach nicht "klassisches" Latein zu verachten hätten manche "Humanisten" lieber Toleranz zeigen können - vielleicht wäre unsere Welt heute dann auch generell weniger "vernormt", und Latein in einem weiteren Gebrauch als es heute ist...

Ein weiterer Grund für den Niedergang der lingua Latina war eben auch die Anmaßung "richtiges Latein" bestimmen zu wollen und mit Cicero eine Latte anzulegen die zumindest um 1500 nur mit sehr großem Übungsaufwand zu erreichen war - wer hat denn schon groß Lust auf Latein zu schreiben mit der Angst das irgendein Oberhumanist den Zeigefinger erhebt und das Ergebnis für "unklassisch" erkärt, den Schreibenden Menschen auch noch verspottet und beschimpft - sehr schöner Humanismus: wer (sprach-)gebildet ist, hat Anrecht auf die Bezeichnung "Mensch" - was ist mit dem Hilfsgärtner? "profanum vulgus" "unheiliger Pöbel" - das grenzt ja an "Sprachfaschismus"! (Sowieso Käse, die ganze "Menscherei" - als ob Tiere Pflanzen etc. keine Würde d.h. keinen Wert an und für sich hätten!)

eine Abschweifung: das lag mir auf dem Herzen, puuuh...

Mal sehen was hier noch so alles steht...

Alles Liebe,

LatīnumVīvum


Nam vīvit lingua Latīna!

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