Vorteile von verwöhnender Erziehung?

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4 Antworten

Wie schon geschrieben, ist der Begriff zunächst mal zu definieren. Und zwar unbedingt altersbezogen. 

Bevor ein Mensch sein eigenes Ich entwickelt hat, ist an verwöhnen gar nicht zu denken. Denn nur ein eigenes Ich kann auch einen eigenen freien Willen entwickeln. Vorausgesetzt, es wird angemessener Freiraum dazu gewährt. 

Die Ich-Entwicklungsphase geht in der Regel etwa bis zum vollendeten 4. Lebensjahr. Bis dahin hat ein Kind existentielle Bedürfnisse. Diese zu verweigern wird in der Fachwelt zunehmend als Folter bezeichnet. Eine lebenslang prägende Folter. 

Wie sich ein Ich entwickelt, ist tatsächlich sehr stark vom jeweiligen Umfeld abhängig. 

Kann als verwöhnen bezeichnet werden, dass dem Kind das Recht zugestanden wird, auf die durch die Umbauphasen des Verdauungstraktes beruhenden Unverträglichkeiten eingegangen wird? 

Kann dem Kind vorgeworfen werden, dass sich während dieser Umbauphasen nun mal Verträglichkeiten sehr schnell ändern können, ebenso wie Unverträglichkeiten?

Ein Kind kann nie zu viel Liebe, Geborgenheit vor allen Dingen, bekommen. 

Bei Pubertierenden ist das eine sehr andere Geschichte. 

Kann einem Kind vorgeworfen werden, dass es mit diesen digitalen Dingern ständig konfrontiert wird, dass ihm seine Eltern diese Dinger ständig vorführen? Ein Kind ist von Natur aus existentiell neugierig und will die Erwachsenen nachahmen. 

Müssen Eltern den ganzen Tag ein viereckiges Gerät laufen haben, während ein Kind im Haushalt ist? 

Ist es für die Entwicklung eines Kindes dienlich, mit totem Zeug überhäuft zu werden? Oder wäre Zeit und Zuwendung diesem toten Müll vorzuziehen?

Was ist verwöhnen? 

90% der heute 20-Jährigen können sich nicht mehr selbst mit Nahrung versorgen. In den Städten. Laut einer Umfrage. Und es gibt bisher nur diese eine. Was machen diese 90%, wenn mal alle Buden mit Fertigfutter dicht haben?

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Wir sind verwöhnt worden. Wir haben unsere Kinder verwöhnt. 

Keines meiner Geschwister ist auch nur dem Ansatz nach vergleichbar. Wir haben alle sehr unterschiedliche Lebensläufe. Bei unseren jeweiligen Kindern sieht es vergleichbar aus. 

Denn jedes Kind bekam das Recht eingeräumt,  eine eigene Persönlichkeit zu entwickeln. Wie es ihm das Grundgesetz garantiert. 

Angeblich sind wir verwöhnt und haben verwöhnt. Wenn aber die Beachtung unseres Grundgesetzes, heute gerne vollmundig Verfassung genannt, schon verwöhnen ist

was tut die Mehrheit der Deutschen ihren Kinder an? 

Noch mal: Freiwillig gezeugt. Trotz all der unterschiedlichen Verhütungsmittel, trotz der durchaus leichten Möglichkeit abzutreiben. 

Wir konnten unsere Persönlichkeiten aber nur deshalb frei entfalten, weil uns so viele Möglichkeiten als denkbar und bekannt angeboten wurden. Und uns die Freiheit zustand zu wählen. Wie unseren Kindern. 

Denn auch die freie Berufswahl ist vom Grundgesetz aus garantiert. 

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Bitte lese die UN-Kinderrechtscharta. Sie hat bei uns Verfassungsrang. 

Und dann denke bitte über den Begriff noch mal gründlich nach. 

Im Grunde hast du recht, ist doch die Wortbedeutung von "verwöhnen" letztlich "an etwas Falsches gewöhnen". Aber, wird ein Baby, dass oft gestreichelt wird und nie auf Mahlzeiten warten muss, weil es noch nicht die richtige Uhrzeit ist, tatsächlich verwöhnt (wie es noch die Großeltern behaupteten)?

Ich würde der These nachgehen, dass vieles, was "verwöhnen" genannt wird, dem Kind die Sicherheit vermittelt, geliebt zu werden. In dem Sinne ist "Verwöhnen" etwas Gutes.

Stellt sich natürlich erstmal die Frage:
Mit was verwöhnen?

Wenn ich mein Kind nur mit materiellen Dingen verwöhne, hat das nur den Vorteil, dass es ihm materiell an nix fehlt.

Wenn ich es aber mit Liebe, Zuneigung und viel Zeit verwöhne, hat das schon einpaar mehr Vorteile.

TomsAlien 26.03.2017, 16:22

Wie wäre das denn bei Kleinkindern mit ca. einem Jahr? Wenn man ihnen quasi alles erlaubt, nach ihren 'Zickereien' geht. Wäre das dann überhaupt noch verwöhnen?

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teafferman 26.03.2017, 23:31
@TomsAlien

Im Alter von einem Jahr sind wir Menschen noch im Embyonalstadium. Entwicklungstechnisch betrachtet. Wir sind also noch gar nicht fähig zu zicken. 

Aber Eltern sind durchaus fähig, öffentlich kund zu tun, wie sehr ihnen ihre freiwillig gezeugten Kinder wo vorbei gehen, wie stolz sie darauf sind, sich einen Dreck um deren Bedürfnisse zu kümmern. 

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Irgendwerxyz 27.03.2017, 08:56
@TomsAlien

Das Einzige was man einem einjährigen Kind verbieten muss, sind Dinge, die es gefährden. Besser jedoch entfernt man alles aus dem Umfeld was möglich ist, sichert z.B. Steckdosen, lässt keine Dinge rum liegen, die das Kind nicht in den Mund nehmen darf etc.

Kinder mit einem Jahr "zicken" nur wenn sie nachvollziehbare Bedürfnisse haben: Kuscheln, hunger etc. Sie sind nicht berechnend und man muss auch keine Angst haben, dass sie einem auf der Nase rum tanzen, wenn man ihren Bedürfnissen nachkommt.

Erziehung funktioniert in dem Alter noch von alleine. Als Eltern schafft man einen Tagesablauf bei dem Kinder wissen wann es Essen gibt, geschlafen wird etc. Natürlich muss man auch als Eltern gucken welcher Tagesablauf bei seinem Kind Sinn macht bzw. wie es dem Kind gut tut und nicht besser in den Ablauf der Eltern passt ;-) 

Verbote bzw. Regeln kommen später. Und auch die werden idR gut angenommen wenn sie nachvollziehbar sind.

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Dazu müsste man erst den Begriff Verwöhnen definieren.

Das sieht nicht bei allen Betrachtern gleich aus.

Verwöhnen setzt ja voraus, dass man das Kind an etwas Falsches gewöhnt.

Das kann nur schädlich sein.

Wer aber bestimmt was falsch ist?

Ein Kind sollte lernen sich zeitgemäss und dem Alter entsprechend, in seinem sozialen Umfeld gut zurecht zu finden.

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