Verkehrsunfall - wenn der Gegner abstreitet?

10 Antworten

Vom Fragesteller als hilfreich ausgezeichnet

Also ohne umfassende Einsicht in die Verkehrsunfallakte, Durchsicht der Vernehmungsprotokolle der Zeugen und der Kfz-Gutachten wird man hier kaum zu einer belastbaren Einschätzung kommen.

Auf die Bewertung und Meinung der Polizisten allein solltest Du Dich jedenfalls nicht verlassen. Gleichwohl spricht es erst mal für Dich, wenn ihre Darstellung und Bewertung zu Deinen Gunsten ausfällt.

Doof ist tatsächlich, dass du keine Rechtsschutzversicherung hast. Je nach Höhe des Schadens kann das schon ins Geld gehen. 

Meine Einschätzung: Die Betriebsgefahr von ca. 20 % wird an Dir hängen bleiben, so dass Du bestenfalls in Höhe von 80 % gewinnen kannst, es ist aber durchaus denkbar, dass das Gericht bei einer Güteverhandlung versucht, den Streit mit 50 - 50 beizulegen. In diesem Fall trägst Du  aber dann Deine gesamten Anwaltskosten selbst und eben die Hälfte der gerichtlichen Kosten. Von Deiner eingeklagten Forderung würdest Du dann eben auch nur die Hälfte bekommen, was beispielsweise dazu führt, dass Du z.B. die Hälfte der Kosten Deines Sachverständigen trägst (wenn nicht irgendein anderer dafür aufkommt).

Mit ziemlicher Sicherheit wird man unter keinen Umständen behaupten können, dass Du zu 99,9 % gewinnen wirst. Leider.

Viel Erfolg

P.S: Ich persönlich halte wirklicht nicht viel von Versicherungen, aber eine Rechtsschutzversicherung für Verkehr-, Miet- und Arbeitsrecht ist für einen Otto-Normalverbraucher meines Erachtens unabdingbar, da man solche Prozesse kaum noch selber durchfinanzieren kann.

Servus,

vielen Dank für das Feedback. Soltte aber nicht schon die Tatsache ausreichen, dass er auf meine Spur gezogen ist (und das noch über die durchgezogenen Linie) ausreichen? Das können Zeugen bezeugen. Wie könnte da ein Gericht auf Mitschuld plädieren?

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@Rubbi88

Schau mal, ich schätze die Sachlage vorsichtig ein, weil Du "Selbstzahler" bist. 

Natürlich kann ich hergehen und behaupten, dass Du alles bekommst, weil der andere ist schuld usw., aber was bringt Dir das? Ich bin kein Richter, keiner hier und selbst Dein Anwalt muss - wenn er seriös ist - zugeben, dass eine 99,9 % Quote in deinem Fall nicht geben kann.

Ich möchte Dir meine Zweifel an folgenden Beispielen verdeutlichen:

Kammergericht Berlin (Urteil vom 02.10.2003 - 12 U 53/02) 
Ereignet sich die Kollision zweier Fahrzeuge in einem unmittelbaren zeitlichen und örtlichen Zusammenhang mit einem Fahrstreifenwechsel des vorausfahrenden Verkehrsteilnehmers, spricht der Beweis des ersten Anscheins dafür, dass dieser den Unfall unter Verstoß gegen die vorgenannten Pflichten verursacht und verschuldet hat 

Einfach gesagt soll das heißen, dass der Fahrspurwechsler wegen des sog. Anscheinsbeweises, der zu Deinen Gunsten streitet, alleine haften sollte.

Problem: Diesen Anscheinsbeweis kann der Fahrspurwechsler theoretisch erschüttern. Ob er das schafft oder nicht, kann dir hier keiner beantworten. Er muss also konkrete Umstände darlegen und beweisen, aus denen sich die ernsthafte Möglichkeit eines hiervon abweichenden, atypischen Unfallgeschehens ergibt. Kann er das? ich weiß es nicht, keiner hier wird es wissen.

Es bleibt also ein Risikofaktor, der für einen Selbstzahler in der Regel von Interesse sein dürfte.

Kammergericht Berlin (Urteil vom 30.05.2005 -12 U 82/04) 
"Bei Fahrstreifenwechsel nach § 7 Abs. 5 StVO spricht bei einem Verkehrsunfall der Anscheinsbeweis für ein Verschulden des vorausfahrenden Fahrstreifenwechslers, der grundsätzlich keinen Schadensersatz erhält (vgl. Hentschel, Straßenverkehrsrecht, 37. Aufl., StVG § 17 RN 16)."

Noch ein Beispiel, weswegen ein Restrisiko einfach miteinkalkuliert werden muss. Wenn Juristen das Wort "grundsätzlich" (oder auch  "in der Regel") einbauen, dann kennen sie die Ausnahmen, die zu einem anderen Ergebnis führen. Für einen Selbstzahler sind insbesondere diese "Ausnahmen" von Interesse und nicht das, was eigentlich passieren müsste.

Welche es in Deinem Fall geben kann und wie diese am Ende bewertet werden, kann Dir einfach keiner sagen. Schlussendlich wird Dir keiner die Entscheidung abnehmen können.

Ich hab keine Ahnung um wie viel es geht, kann das Kostenrisiko nicht abschätzen. Ich persönlich würde es mit Sicherheit darauf ankommen lassen, aber ich habe auch eine entsprechende Streitkasse, wenn irgendetwas  schief läuft. 

Wenn Du ohne eine entsprechende Rücklage in so einen Prozess gehst, kann das einfach doof ausgehen, selbst wenn Du eben zu einem großen Teil gewinnst. Da bleibst Du eben auf einem Teil der Kosten sitzen.

Im Übrigen - nicht vergessen -: Dein Anwalt kann im Laufe des Rechtsstreits, und das wird er sicherlich machen, von Dir erst einmal alle bei ihm entstehenden Gebühren verlangen. Solltest Du die Kosten später ersetzt bekommen, bekommst Du die Gelder selbstverständlich wieder. Erwarte aber nicht, dass er bis zum Ende überhaupt nichts abrechnet. Wenn er was macht, darf er abrechnen, auch wenn das Verfahren noch nicht zu Ende ist.

Viel Glück

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Du hättest dich schon viel früher bei der gegnerischen Versicherung melden sollen.

Egal. Spätestens jetzt solltest du ja einen Unfallfragebogen erhalten. Da schreibst du eben neben dem Unfallhergang auch das Aktenzeichen rein, das du von der Polizei bekommen hast.

Ein Anwalt wird dir nehr dagen können, wenn er die Einsicht in die Unterlagen hat.

Besorge dir eine Kopie des Polizeiberichtes und alle sonstigen Unterlagen, die den Unfall betreffen. Optional die eine von dir erwähnte schriftliche Zeugenaussage.

Gehe damit zum Anwalt. Der kann dir gleich sagen wie die Chancen stehen.

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