Trotz Autopanne kündigung?

16 Antworten

Das kommt ein wenig auf deine Situation, die Firma und die dortigen Gegebenheiten und deinen Hang zum Zuspätkommen an.

Während der Wartezeit, das sind die ersten 6 Monate, greift der Kündigungsschutz nicht. Auch ohne Probezeit (verkürzt oder "keine Probezeit" vereinbar). Der Unterschied ist nur, dass während einer vereinbarten Probezeit eine kürzere Kündigungsfrist von 2 Wochen (während einer Wartezeit ohne Probezeit die vertraglich vereinbarte Frist) gilt und ggf. Dinge wie Urlaubssperre. Bist du also auch sonst nur "so la la" unterwegs oder entsteht ein großer Schaden für die Firma, kann man dies zur Kündigung nutzen. Ansonsten wird man eher ein Auge zudrücken.

Im Grunde gibt es aber auch einen Punkt, wo man daraus eine fristlose Kündigung konstruieren könnte: Habt ihr feste Arbeitszeiten, die es dir nicht erlauben, das nachzuarbeiten, muss das gemeldet und vom Lohn abgezogen werden. Hast du 8-17 Uhr als automatischen Eintrag drin und bist aber erst um 10 da, ist das Arbeitszeitbetrug, ein Grund für eine außerordentliche Kündigung. Ansonsten werden dir halt 2 Stunden vom Lohn abgezogen oder du musst es hinten dran hängen und nacharbeiten, sofern es möglich ist.

Ansonsten wird Zuspätkommen abgemahnt und selbst zur Abmahnung gehört mehr als nur einmal. Viele Abmahnungen sind nicht mal rechtskräftig, z.B. wenn man sie schon bei einmaliger Verspätung ausspricht oder die wiederholten Verstöße nur "wiederholtes Zuspätkommen" nennt, statt die Vorkommnisse mit Tagen und Zeiten und dem daraus entstandenen Schaden zu beziffern. Zwar ist man bei Gericht und auf hoher See komplett in Gottes Hand und weiß nicht, was kommt, die gängige Rechtssprechung bei Kündigungsschutzprozessen besagt aber, dass "softe" Verfehlungen wie Zuspätkommen erst nach der Regel "alle guten Dinge sind drei" abgemahnt werden müssen und die Anzahl und Schwere der Verfehlungen und welcher Schaden entstanden ist (z.B. ein Mitarbeiter, der länger bleiben muss, damit bei Schichtübergabe die Maschine nicht stillsteht, nicht kommissionierte Ware fürs Tagesgeschäft in der Logistik...) recht ausführlich dargelegt sein müssen.

Pannen sind übrigens Wegerisiko so wie täglich fluktuierende Verkehrslagen. Bei einer Autobahnvollsperrung könnte man mit Glück und Geschick eher zu höherer Gewalt tendieren. Das Wegerisiko liegt beim Arbeitnehmer, also bei dir. Es ist also deine Verfehlung, du solltest das auch nicht übermäßig weg diskutieren, damit klar ist "kommt nicht mehr vor", die entsprechenden Maßnahmen ergreifen, aber dann sollte auch nichts weiter passieren, wenn du danach wieder sauber unterwegs bist.

Kündigungen sind immer spannende Themen bei Betriebsratsschulungen, da werden von solchen Kleinigkeiten wie deiner bis zu schweren Verfehlungen X Beispiele durchgespielt, die der Betriebsrat (habt ihr einen? Der hat auch noch ein Wort mitzureden wenn es zur Kündigung kommt, bei Abmahnungen als "mildes Mittel" nicht) bei seiner Zustimmung oder seinem Widerspruch bedenken muss.

Im Grunde gibt es aber auch einen Punkt, wo man daraus eine fristlose Kündigung konstruieren könnte:

Alleine eine Verspätung ist kein zu einer fristlosen Kündigung berechtigender Grund.

Hast du 8-17 Uhr als automatischen Eintrag drin und bist aber erst um 10 da, ist das Arbeitszeitbetrug, ein Grund für eine außerordentliche Kündigung.

Wo soll es denn so etwas geben?!?

"Automatischer Eintrag" und dann aus einer Verspätung einen "Arbeitszeitbetrug" basteln, soll wohl ein Witz sein. Ein Arbeitszeitbetrug läge dann vor, wenn die Verspätung "vertuscht" würde, also hätte sie es also nicht gegeben.

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@Familiengerd

Es gibt Firmen, da hast du gefälligst um 8 da zu sein und wirst um 17 Uhr vom Hof gefegt. Vor dem Hintergrund findet keine Arbeitszeiterfassung statt.

Klar, kleine Verspätungen kann man durch Verkürzung der Mittagspause nacharbeiten (sofern die nicht schon am rechtlich unteren Limit ist) und im Zweifel findet eine manuelle Arbeitszeitkorrektur (dafür muss das aber irgendwie gemeldet werden) statt und es wird vom Lohn abgezogen.

Meldet man es aber nicht, wird es haarig und will die Firma jemanden (einen selbst oder auch einfach nur irgendwen, ohne zu betriebsbedingten Kündigungen und den entsprechenden Konsequenzen zu arbeiten) loswerden, bastelt man daraus notfalls auch mal einen Arbeitszeitbetrug. Die Chance, damit vor Gericht durchzukommen, dürften zwar überschaubar sein, aber dafür muss der betroffene Arbeitnehmer auch erst mal Kündigungsschutzklage einreichen, was viele nicht machen.

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@volker79

Selbstverständlich handelt es sich um einen Arbeitszeitbetrug, wenn man zu spät kommt und das "vertuscht".

Aber was sollen die Szenarien, die Du beschreibst, mit dem Fragefall zu tun haben? Nichts!

Wenn der Fragesteller wegen seiner Autopanne objektiv nur verspätet oder gar nicht zur Arbeit kommen kann, berechtigt diese Tatsache jedenfalls nicht zu einer Kündigung (von einer fristlosen ganz zu schweigen).

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Theoretisch ja, zumindest ne Abmahnung währ möglich.Denn das pünktlich auf Arbeit erscheinen gehört zu deinen Pflichten und der Arbeitsweg ist dein Problem

Macht aber kein normaler AG. Denn sowas passiert nun mal.

Also weiter auf Arbeit anrufen.

Wenn dich dein AG allerdings auf dem Kieker hat, Obacht.

Lasse es dir zur Vorsicht vom ADAC Mitarbeiter bescheinigen, dann hast du es schriftlich.

Jedoch kann dir der Chef in dem Fall nix, denn so etwas ist im Prinzip höhere Gewalt, wo du nix zu kannst. Insofern kann dir der Chef dafür nicht kündigen.

Gruß

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