Strafe wegen Unfall auf nasser Fahrbahn?

8 Antworten

Das kann ich dir ganz genau sagen, was da jetzt passiert.

Zunächst mal gilt bei einem Auffahrunfall der sogenannte "Beweis des ersten Anscheins". Das bedeutet, bis zum Beweis des Gegenteiles wird dem Auffahrenden 100% Schuld gegeben, da er entweder abgelenkt war, seine Geschwindigkeit nicht an die Sicht- Wetter oder Straßenverhältnisse angepasst war oder weil er den erforderlichen Abstand nicht eingehalten hat. Nach deiner Schilderung könnten hier sogar alle drei Umstände zutreffen.

Das hat zum einen strafrechtliche und zum anderen zivilrechtliche Folgen.

Strafrechtliche Folgen:
Die Polizei wird eine Anzeige wegen fahrlässiger Körperverletzung schreiben und an die Staatsanwaltschaft schicken. Dass die Staatsanwaltschaft ein entsprechendes Verfahren gegen dich einleitet, wird dir schriftlich mitgeteilt. Das ist auch völlig unabhängig davon, ob der Verletzte eine Anzeige aufgibt oder nicht, denn es liegt bei Körperverletzung im Strapenverkehr grundsätzlich ein öffentliches Interesse wegen der allgemeinen Sicherheit im Straßenverkehr vor. Bei geringer Verletzung und geringer Schuld wird das Verfahren aber trotzdem oft wegen Geringfügigkeit eingestellt und an die Bußgeldstelle weitergeleitet. Falls nicht, kommt es zu einer Gerichtsverhandlung, deren Ausgang nie vorhersagbar ist. In deinem Fall würde ich aber zu 90% mit einer Einstellung rechnen. Darüber erhälst du ebenfalls eine schriftliche Nachricht vom Staatsanwalt und das ganze geht an die Bußgeld- bzw. Führerscheinstelle. Von dort kannst du ein Bußgeld in Höhe von vermutlich 35,- erhalten ohne Punkt und A-Verstoß. Du solltest bei deiner Aussage aber vorsichtig sein und den Unfall nicht auf das Wetter schieben, denn dann kann eventuell in Frage kommen: "Sie fuhren bei schlechten Sicht- oder Wetterverhältnissen mit nicht angepasster Geschwindigkeit.", macht 145,-, einen Punkt und A-Verstoß.

Zivilrechtliche Folgen:
Sämtlichen Fremdschaden übernimmt die Haftpflichtversicherun incl. Dachschaden, Schmerzensgeld, Nutzungsausfall, fremde Rechtsanwaltkosten und was da so noch alles kommen kann. Du musst den Unfall deiner Versicherung aber unverzüglich, d.h. innerhalb einer Woche melden. Dafür wirst du dann nächstes Jahr hochgestuft, womit sich die Jahresprämie deutlich erhöht.

Für den eigenen Schaden musst du privat bezahlen, egal ob es dein oder ein fremdes Auto war. Hier tritt lediglich eine Vollkaskoversicherung ein, sofern vorhanden. Da bleibt dann eventuell nur ein Selbstbehalt und die wird dann auch im nächsten Jahr hochgestuft.

Ich habe kurz nach links geguckt 

Eine ganz dumme Idee, dass solltest Du Dir ganz schnell abgewöhnen, ansonsten war das nicht Dein letzter Unfall gewesen.

und als ich wieder nach vorne geguckt habe hab ich nur noch Bremsleuchten gesehen

Zu schnell gefahren, Fuß vom Gas, genügend Abstand halten.

eine Vollbremsung gemacht hab aber aufgrund der nassen Straße nur wenig runter bremsen können

Wahrscheinlich noch die Sommerreifen und keine Winterreifen gewesen.

 leicht am Kopf verletzt hat da er durch den Aufprall gegen die Kopflehne geknallt ist

Eindeutig warst Du zu schnell unterwegs.

Bin nicht zu schnell gefahren habe mehr als genug Abstand gehalten

Wenn das nicht gewesen wäre, dann hätte der Unfall vermieden werden können.

 ob er einen Rettungswagen braucht, hat dies aber verneint muss ich nun mit Schmerzensgeld rechnen?

Auswirkungen eines Unfalls können auch nach Tagen zum Vorschein kommen.

Hoffentlich haben Deine Eltern eine Rechtschutzversicherung, ansonsten solltest Du schleunigst eine am Montag abschließen.

Am besten noch zu einem Rechtsanwalt gehen, wenn es zur Klage kommt.

Denn die Probezeit wird jetzt nochmals verlängert und bei weiteren Unfällen wird das ganz schön teuer.

https://www.bussgeldkatalog.de/unfall-in-der-probezeit/

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Wahrscheinlich noch die Sommerreifen und keine Winterreifen gewesen.

noch hat es nicht gescheit oder gefroren. - ob in dem Falle ne Haftpflicht greift, die erst abgeschlossen wird ...

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Ich zieh auch immer die Schneeketten drauf wenn es im Sommer regnet

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Aufgrund von Regen war die Fahrbahn nass und durch die Scheinwerfer im Gegenverkehr wurde ich einen kurzen Moment lang geblendet. Ich habe kurz nach links geguckt und als ich wieder nach vorne geguckt habe hab ich nur noch Bremsleuchten gesehen.

Warum bitte nach links, direkt in die Scheinwerfer des Gegenverkehrs hinein? Hat dir dein Fahrlehrer nicht beigebracht, in einer solchen Situation den Blick auf den rechten Randstreifen zu richten um so einer Blendung zu entgehen?

Wie alt sind deine Reifen? Wieviel Profil ist noch drauf? Zustand der Bremsanlage? Auch darum sollte man sich immer kümmern. Alte Pellen verhärten, und bringen gerade bei nasser Fahrbahn null Grip. Das kann jetzt bei der Urteilsfindung durchaus eine Rolle spielen.

Der Vorwurf der fahrlässigen Körperverletzung § 229 StGB kann dir eine Geldstrafe oder eine Freiheitsstrafe bis zu 3 Jahren einbringen. Erfahrungsgemäß, durch Besuche von öffentlichen Verhandlungen, würde ich als Ersttäter mal eine Geldstrafe bis 30 Tagessätze veranschlagen.

Die Kernfrage, die das Gericht klären muss, ist, ob der Unfall vermeidbar gewesen wäre. Wenn o.a. technische Faktoren schon dagegen sprechen, sieht es schlecht aus, da ungeschoren raus zu kommen.

Mein Tipp: Anwalt aufsuchen.

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