Stimmt das: "Wenn man Pädagogik studiert hat, kann man Jugend-oder Kinderpsychotherapeut werden?"

5 Antworten

Vom Fragesteller als hilfreich ausgezeichnet

Das stimmt leider. Es handelt sich um eine Gesetzeslücke. Wer sich Psychotherapeut nennen will muss normalerweise Psychologie oder Medizin studiert haben und anschließend eine Zusatzausbildung zum Psychotherapeuten gemacht haben.

Bedauerlicherweise gibt es aber für die Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten eine Ausnahmeregelung: diese können auch ohne Psychologie- oder Medizinstudium die Therapeutenfortbildugn machen, wenn sie vorher z. B. lediglich Sozialpädagogik studiert haben. Sozialpädagogik kann man auch ohne Allgemeine Hochschulreife an Fachhochschulen studieren, ein Universitätsbesuch ist nicht unbedingt notwendig.

Vermutlich ist diese seltsame gesetzliche Ausnahme durch Lobbyarbeit zustande gekommen. Möglicherweise denkt vielleicht auch der eine oder andere Gesetzgeber: "Es sind ja nur Kinder... da muss man nicht soviel Aufwand treiben." In meinen Augen handelt es sich um einen Skandal.

in Österreich kann man nur dann Sozialpädagogik Studieren,wenn man vorher ein Psychologie Studium hat...die tochter meiner Freundin macht das...

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@doris11

sehr sinnvoll, das ganze.

hier in deutschl. geht ja momentan der trend zum schnellkurs-sozialpädagogen. d.h. ich habe vom jobcenter finanzierte kurzausbildungen gesehen, die nicht länger als 4 wochen gingen. "sind ja bloß jugendliche" oder?

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Ist schon uralt, aber da kaum hilfreiche Antworten mit Fakten dabei waren, möchte ich trotzdem kurz etwas dazu schreiben.

Es gibt zwei verschiedene Arten der Psychotherapeutenausbildung in Deutschland. Es gibt den Psychologischen/ärztlichen Psychotherapeuten und den Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten (beides geschützte Ausbildungen). Für beide muss man Diplom oder Master studiert haben, erst dann darf man diese Ausbildungen beginnen. Zudem gibt es darunter jeweils unterschiedliche Richtungen, die sich auf die konkrete Vorgangsweise beziehen, z.B. Verhaltenstherapie oder Psychoanalyse.

Man lernt in diesen beiden Ausbildungen das Handwerkszeug, um die Techniken der jeweiligen Ausrichtungen beim Patienten anwenden zu können. Akademisiert ist man bereits, eben durch das vorangegangene Studium.

So weit, so gut.

Für den psychologischen/ärztlichen Psychotherapeuten, also auf Erwachsene spezialisiert, muss man Psychologie (mit Inhalten der klinischen Psychologie) oder Medizin studiert haben.

Für den Kinder-und Jugendlichenpsychotherapeuten muss Psychologie, Medizin, Pädagogik/Erziehungswissenschaft (Uni) oder Sozialpädagogik (FH) studiert werden.

Insofern: Ja, es stimmt, dass man mit einem Pädagogikstudium eine Ausbildung zum KJP machen kann.

Mit der neuen Reform, die ab Herbst gültig ist, wird sich sicher nochmal einiges ändern.

Woher ich das weiß:Studium / Ausbildung

Übrigens finde ich es alles andere als "unfair", dass Pädagogen das dürfen. Viele wissen gar nicht, Was im Pädagogikstudium (nicht zu verwechseln mit Lehramt!) vermittelt wird, das es ein genauso wissenschaftliches Studium ist wie Psychologie (mit weniger Grundlagen in Biologie, dafür i.d.R. deutlich mehr Wissenschaftstheorie). Meine Bachelorarbeit in Pädagogik war in Hinblick auf die Forschungsmethodik sogar anspruchsvoller als das meines Mannes in Psychologie.

Ich arbeite - als Uni-Pädagogin - in einem intensivtherapeutischen Setting mit sehr schwierigem Klientel im Jugendlichenalter, und würde keinen Grund sehen wieso ich mit der selben (!) Ausbildung nicht ein mindestens genauso guter KJP werden könnte wie jemand mit einem Psychologieabschluss, würde ich sie eben machen.

Leider werden wir Pädagogen da gern noch immer unterschätzt.

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therapeut ist keine geschuetzte berufsbezeichnung. also kann sich im prinzip jeder therapeut nennen-ist leider so. aber man sollte zumidest eine staatliche anerkennung haben, die bekommt man nur durch ein diplomstudium (psychologie) oder ein paedagokikstudium mit zusatzausbildung.

Ich sehe das Ganze anders: Ich bin selbst Diplom-Pädagoge, jedoch ohne Ambition eine Weiterbildung im Bereich "Kinder- und Jugendlichen-Psychotherapie" zu starten. Dennoch sehe ich keinerlei Skandal darin, dass Pädagogen diesen Schritt gehen können. Ich glaube, dass viele ein falsches Bild vom Psychologie-Studium haben. Ich selbst hatte einen großen Teil psychologischer Vorlesungen und in keiner davon ging es um Themen, die etwas mit Therapie zu tun haben. Auch Freunde von mir, die Psychologie studiert haben und mittlerweile eine Weiterbildung zum Psychologischen Psychotherapeuten machen, bestätigen mir, dass es zwischen Studium um Therapie-Ausbildung kaum Verbindung gibt. Ein Psychologie-Studium ist eben oft ein naturwissenschaftliches Studium, in dem der Mensch an zweiter Stelle und die Theorie und die Methoden an erster Stelle stehen. Das ist bei einem Pädagogik-Studium anders. Ich bin großer Verfechter der Möglichkeit, dass Pädagogen eine entsprechende Ausbildung machen können. Warum auch nicht? Während dieser Weiterbildung wird Pädagogen und Psychologen VON ANFANG AN das gleiche Handwerkszeug vermittelt... Das heißt, dass beide mit der gleichen Ausbildung beschäftigt sind. Eine weitere Freundin ist "sogar nur" Lehramtsstudentin und hat in Berlin Ihre Ausbildung zur KJP angefangen. Ich finde es gut, da Sie eben nicht so "verkopft" ist, wie viele Psychologen.

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