Sollte man Beleidigungen bestrafen?

4 Antworten

Verbale Gewalt fängt heute schon im Kindergarten an und die Erzieher sind ob des Versagens der Eltern völlig machtlos. Zu der Zeit meiner Eltern war das im Kindergarten noch nicht so wie heute und natürlich sollen kleine Kinder nicht im juristischem Sinne bestraft werden. Aber wenn dieses Verhalten keine pädagogischen Konsequenzen hat, resultiert das wohl in den subjektiven Erfahrungen, die ich in meinem Schulalltag gerade am sammeln bin und das sind keine besonders positiven. Auch hier sind die Lehrer völlig machtlos, weil die Kinder noch nicht strafmündig sind.

Deine Frage bedarf einer philosophischen Grundlagendebatte und meine Antwort: Man sollte den jeweiligen Einzelfall betrachten. Laut Strafgesetzbuch sind Beleidigungen strafbar, aber in der Praxis wirst du wohl höchstens zur Rechenschaft gezogen, wenn du volljährig bist und einen Polizisten beleidigst.

Was ist Strafe? Es gibt Gefängnisse in dieser Welt, die aus den Straftätern wieder echte Menschen machen wollen, die sich an unserer überlegenen Hochkultur und Zivilisation beteiligen, anstatt sie zu bekämpfen. Dieses Konzept teile ich. Ja, eine Strafe ist angebracht, aber diese soll dem Delinquenten auch eine Möglichkeit geben, sich in unserer Gesellschaft einzufügen.

Angesichts dessen, was ich selber an verbalen Ergüssen jeden Tag erlebe, scheint dieses Konzept allerdings nicht in die Realität umsetzbar zu sein. Wir müssen diese neue Kultur irgendwie aushalten und auch versuchen herauszufinden, warum das so ist. Hier in Deutschland verhungert niemand, "relativ" wenige sind obdachlos und auch die Schußwaffengewalt hält sich in grenzen.

Was sind die Ursachen, für diese zumeist jugendliche Beleidigungskultur? Wie können wir diese "bekämpfen"? Ich weiß es nicht, aber ja, eine Form der Strafe ist angebracht, weil Beleidigungen den Geist der Opfer schädigen und somit eine Form von Gewalt darstellen.

Unsere Gesetze sind für die Zustände in der sich veränderten Gesellschaft nicht ausgelegt und seit dem Kodex Hamurabi und noch früher, sind die Gesetze stets aus der Gesellschaft heraus entstanden: Wir brauchen neue Gesetze! Wir brauchen eine neue pädagogische Grundordnung und Methoden, schon im Kindergarten!

Ich komme übrigens selber aus einer hochgebildeten Akademikerfamilie. Ich bin 12 Jahre alt, besuche eine Privatschule und habe meine Eltern gebeten, mich für ein halbes Jahr an einer öffentliche Schule einzuschreiben, um meine Erfahrungen zu sammeln. Ich werde noch mein Halbjahreszeugnis abwarten und danach sofort mein Abitur machen, da ich einige Klassen auf Grund meiner Fähigkeiten überspringen darf. Mein Fazit: Die Zustände an Deutschlands Schulen, um fair zu sein an dieser Schule sind katastrophal! So eine "Beleidigungskultur im Alltag" kann kein normales Wesen auf dauer verkraften. Die Gründe verstehe ich nicht. Ich werde mir auch in Zukunft viele Gedanken darüber machen.

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@lazuli87

Ich weiss, hier geht es zwar nicht um Hochbegabte, doch ich hatte leider noch nie das Vergnügen mich mit einem unterhalten zu können. Wenn du nicht magst, musst du mir also nicht antworten. Aus reinem Interesse, wie war es bei dir in der Familie? Wolltest du selbst aus eigener Überzeugung so viel lernen oder sind es auch deine Eltern, die dich dazu bewegen? Und wie gehen deine Klassenkameraden mit dir um? Kannst du dich in deiner Klasse integrieren, obwohl du viel jünger als die anderen bist und vielleicht auch völlig andere Interessen teilst?

Und findest du es fair, dass du Klassen überspringen darfst, wenn andere, die vielleicht etwas älter als du sind, jedoch die gleichen Kompetenzen aufweisen, dies nicht können?

Vielen Dank,

Napoleonica

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@Napoleonica

Das ist nicht wie im Fernsehen und ich mag den Begriff "Hochbegabte" nicht. Ich bin ein ganz normaler Mensch und auch wenn ich etwas früher meinen Universitätsabschluss erreichen werde, fallen "wir" in der späteren Berufswelt und im Erwachsenenalter nicht besonders auf. Die Kapazität des menschlichen Gehirns ist eben begrenzt und das bisschen Schule passt da locker rein. Wenn du in sehr jungen Jahren das Privileg qualifizierter Privatlehrer genießen darfst und deine Eltern die nötigen pädagogischen Kompetenzen aufweisen ein Kind zu erziehen, kann das nach wohl über 15 Milliarden Jahren Evolution der Materie bis hin zu unserem Gehirn wirklich jeder schaffen. Nein, ich falle nicht auf, weil ich nicht auffallen will. Ich bin "noch" unter fast gleichaltrigen und das Abitur wird nicht so ablaufen, wie du dir das vorstellst. Ich werde Privatunterricht absolvieren und am Ende eine staatlich anerkannte Prüfungen absolvieren. Ich werde mit großer Wahrscheinlichkeit kein Albert Einstein.

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@Napoleonica

Wenn du meinen Kommentar sehr aufmerksam liest, wirst du feststellen, dass wir auch ganz menschliche Fehler machen! :) :) :)

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@Napoleonica

Zu der Frage der Fairness: Es gibt Menschen in meinem Alter und auch auf der staatlichen Einrichtung die ich gerade besuche, die könnten weiter sein als ich, wenn sie die nötige Grundbildung erhalten "hätten". Das haben sie aber nicht. Ich habe jugendliche kennengelernt, die ich für ihre Persönlichkeit und Auffassungsgabe sehr bewundere, obwohl sie diese "Hölle" durchleben. Ich weiß nicht, inwiefern dort Begriffe wie "fair" oder "unfair" angebracht sind. Hätten sie das selbe durchlebt wie ich, wären sie nicht die tollen Persönlichkeiten, zu denen sie dennoch geworden sind. Jeder kann selbst entscheiden, welchen Weg er geht, egal ob Ghetto oder akademische Elite. Ich denke das zählt mehr. Jeder ist selbst verantwortlich für die Entscheidungen im Leben, die er selber trifft. Egal unter welchen Bedingungen. Was nutzt es, sein Abitur früher zu machen? Wird die Welt dadurch besser?

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@Napoleonica

Ich glaube nicht irgend etwas besser zu verstehen. Was weiß ich schon? Ich bin noch ein Kind! Noch kann ich das als Ausrede verwenden, aber irgend wann werde ich auch Verantwortung übernehmen müssen und ich fürchte diesen Tag. Was soll ich schon machen? Die Probleme dieser Welt explodieren geradezu an allen Ecken und Kanten.

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@lazuli87

Danke für deine Antwort(en)! Ich wollte dich keines Falls irgendwie "beleidigen", für für mich schien es nur so, als würdest du dich mit 12 bereits auf dein Abitur vorbereiten - und da ich das nur so von "hochbegabten" kenne, habe ich dich kurzerhand als einen solchen bezeichnet. Und das, obwohl ich selbst der Meinung bin, dass es nicht wirklich Hochbegabte gibt. Du hast vorhin etwas sehr interessantes geschrieben, nämlich, dass andere eine "Hölle" durchleben müssten. (Nachfolgendes könnte ich auch falsch interpretiert haben, ;))

Genauso dachte und denke ich immer noch. Die Bildung, die wir mit 16 auf einer "höheren" Schule erhalten, habe ich immer als vollkommen sinnlos betrachtet. Am liebsten hätte ich mit 16 meinen Abschluss gemacht. Ich hatte immer viel vor, desto schneller ich damit anfangen konnte, desto schneller würde ich es erreichen. Ich bin noch immer nicht angekommen, aber ich wusste schon immer, dass mein Vorhaben Zeit brauchen würde. Oh Gott, das klingt jetzt etwas nach einem Politiker, der die Weltmacht erlangen möchte... haha. Jedenfalls war Schule für mich ab der 10. grösstenteils Zeitverschwendung. Egal.

Jedenfalls vielen Dank für deine ausführliche Antwort, es ist sehr schön, sich mit jemandem unterhalten zu können, der vielleicht ungefähr die gleichen Ansichten teilt wie man selbst.

Grüsse ;-)

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@Napoleonica

Du hast es richtig verstanden. Ich bin 12 und bereite mich nicht nur auf mein Abitur vor, ich werde es voraussichtlich in einem Jahr abgeschlossen haben, auch wenn ich dieses "Semester" auf die Privatschule verzichte und aus persönlichen Gründen eine staatliche Schule besuche. Der Dank liegt auch ganz auf meiner Seite. Das Internet ist toll und man kann sich mit Menschen in allen Lebenslagen und Altersgruppen ganz zwanglos unterhalten.

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@Napoleonica

Der "Zauber" des Abiturs wurde mir allerdings schon sehr früh genommen. Ja, Bildung ist sehr wichtig, aber nicht alles im Leben.

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Ja.

Beispielswiese beim Fussball können alleine schon Beleidigungen zu einer gelben Karte oder sogar zu einem Platzverweise führen.

Generell gilt: Behandele andere so, wie du selbst behandelt werden möchtest.

Ich bin mir sicher, auch Du hast bereits erlebt, dass du nach einer harten Beleidigung ziemlich niedergeschlagen warst. Speziell dann, wenn du es von deinem Gegenüber nicht erwartet hast. Verbale Gewalt kann genauso schaden wie körperliche. Mobbing ist meistens nicht physisch, sondern psychisch. Und genau das hinterlässt dann bleibende Schäden. Ich kenne Menschen, die noch heute Angst vor Menschen haben, nur weil sie damals in der Schule gehänselt wurden. Manche von diesen Menschen sind sogar so sehr geschädigt worden, dass für sie Selbstmord die einzige Option war.

Verbale Gewalt ist, wie du nun sicherlich nachvollziehen kannst, mindestens genauso schlimm wie körperliche. Während ein Schlag mit der Faust in dein Gesicht nur kurz schmerzt, hinterlässt ein verbaler Schlag bleibende Schäden.

Ich hoffe, dir weitergeholfen zu haben,

Napoleonica

Gut, natürlich wäre es blödsinnig jemand wegen eines dummen Wortes, einer einfachen Beleidigung, hinter Gitter zu sperren. Nein, aber bei beispielsweise dem obigen Beispiel mit dem Mobbing wäre es durchaus sinnvoll, dass eine solche Tat Konsequenzen mit sich ziehen. Doch meistens verspüren die Betroffenen selbst Reue.

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Nein.

Wieso? Jeder behauptet, zu wissen, was eine Beleidigung ist, aber keiner weiß es wirklich. Wieso ist das so? Weil jeder Mensch Worte unterschiedlich wahrnimmt. Was für die einen normaler Umgangston ist, ist für andere beleidigend.

Es gibt keine objektive Definition einer Beleidigung. Jeder sieht das als etwas anderes an. Man könnte nun natürlich sagen, dass Beleidigungen die Intention haben, eine Person zu verletzen, aber dann muss man zur strafrechtlichen Verfolgung die Intention hinter einer Aussage finden. Und auch hierzu hat jeder wieder seine eigene Meinung.

Was nun eine Beleidigung ist, ist höchst subjektiv. Ein Gesetz, was diese Tat verhindern soll, ist meiner Meinung nach daher nicht umsetzbar. Das einzige, zu dem so ein Gesetz führt, ist die Einschränkung der Meinungsfreiheit. Und die kann und will ich nicht gutheißen.

Und an diesem Grundsatz halte ich fest.

Dankee

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Ja, weil es eine Person psychisch verletzen kann, genauso wie z.B. ein Schlag physisch. Kann jeder bestätigen, der schonmal heftiger beleidigt wurde.

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