Sollen alte Zeugnisse noch in Bewerbungen?

4 Antworten

Sie sollte schon alle Zeugnisse inkl. Lehrabschluß beifügen. Ihr Grundschulzeugnis muss nicht sein. Qualifikationsnachweise sollten aktuell sein. Was vor 10 Jahren gut war, kann heute nichts mehr wert sein bei einer Bewerbung. Wichtig ist eine lückenlose Darstellung des Lebenslaufs. Auch Zeiten der Arbeitslosigkeit gehören da rein.

Die Zeugnisse sollten im Wesentlichen die Qualifikation für den speziellen Job darstellen (Arbeitszeugnisse, Zusatz-Qualifikationen) und ansonsten nur das "Gesamt-Ergebnis" eines Lebensabschnitts zeigen. Welchen Zweck sollten Grundschul-Zeugnisse haben, wenn ich mich für eine Chef-Arzt-Stelle bewerbe? Schon das Abitur-Zeugnis wäre da zuviel.

Für diesen Job wichtige Zeugnisse sollte dabei sein, auch wenn sie schon älter sind.

Bestätigungen über die "Teilnahme" an irgendwelchen Seminaren sollte nur "neuer" dabei sein und wenn sie für den Job relevant sind.

Meine Anmerkung zur Inspiration, ohne Anspruch das Lesen eines Bewerbungs-Ratgeberbuches ersetzen zu können:

Manchmal ist das in Unternehmen so organisiert:

Eine Person macht eine grobe Vorsortierung der schriftlichen Bewerbungen, die eigentlich eine Aussortierung ist. Diese Person ist oft nicht die selbe, die die endgültige Einstellungsentscheidung trifft. Bei dieser ersten Aussortierung fallen alle offensichtlich unpassenden Bewerbungen raus. Manche kann man schon ungeöffnet zurückschicken... andere sind unleserlich, dreckig, voller Brötchenkrümel. Manche kommen ohne Absender, ohne die als "zwingend" in der Ausschreibung genannten Unterlagen, manche sind auf Anhieb gigantisch überqualifiziert, andere hoffnungslos unterqualifiziert. Des einen Unterlagen müffeln, der andere hat vergessen Briefmarken drauf zu kleben, ein dritter schickt per Einschrieben/Rückschein und der Chef musste die Bewerbung vielleicht von der Post holen... usw. usw. usw.

Nach dieser Aktion bleibt meist nur ein kleiner Stapel über. Wenn man zu dieser Auswahl gehört, kann man sich schon glücklich schätzen.

Aber dann gibt es da noch Leute die wohl versuchen ihren zukünftigen Chef mit einer Akte zu erschlagen. Da steht dann in der Bewerbung eines reiferen Herren er sei als Sohn eines Elektrikers und einer katholischen Modistin 1951 geboren, dann wohlmöglich noch Hobbys in der Kindheit, Frei- und Fahrtenschwimmer, und die Fortbildung zur Bedienung einer Hollerith-Lochkarten-Anlage 1968 mit 16seitiger Kursbeschreibung und Zeugnissen. Ich fass es nicht! Aber sowas kommt vor. Der Bewerber liefert Datenmüll.

Hat ein Personalchef wirklich soviel Zeit aus einer solchen bizarren Bewerbung die eigentlich ausschlaggebenden Fakten herauszufiltern? Selbst wenn der Bewerber ein Ass sein sollte (wohl nicht im Bewerben aber in der Arbeit), dann sind die Argumente für die Einstellung gut und sicher, also unauffindbar in der Bewerbung versteckt. Fragt man die Leute, warum sie sowas machen, dann heißt es: "Das habe ich bei einem von der Arbeitsagentur/Jobcenter/Arge finanzierten und mir auferlegten Bewerbungstraining so gelernt.“

Also bei der zweiten Auswahl könnten diese "Leitz-Ordner-Bewerbungen" schon wieder zurück an den Absender gehen. Kostet den Arbeitgeber übrigens eine Unsumme Porto.

Aber selbst wenn man diese Auswahl mit dem ganzen Datenmüll übersteht und die Auswahl der Bewerber kommt, die zum Gespräch eingeladen werden - wie will man sich im Gespräch präsentieren? Will man dann wieder mit 30 Jahre alten, für die Tätigkeit irrelevanten Kamellen glänzen? Hoffentlich nicht, kein Arbeitgeber lässt sich gerne Zeit stehlen.

Man muss also Prioritäten setzen. Und zwar angepasst an die Stelle, die man will. Man sollte überlegen: Wenn ich der Chef dort wäre, was müsste ich von dem zukünftigen Mitarbeiter erwarten können, wen wünschte ich mir als idealen Bewerber? Ja, und dann schreibt man die Bewerbung, die möglichst genau dieses Profil abdeckt. Und die zentralen Argumente beweist man mit Urkunden.

Eine Bewerbung für eine Arbeitsstelle funktioniert nicht anders als die Werbung für Konsumgüter. Aufmerksamkeit erregen (auch durch Abweichungen von einer Norm), Interesse wecken (Nutzen für den Gegenüber darstellen), Appell an die Wünsche des Arbeitgebers und schließlich ein konkreter Annäherungsversuch (nicht auf dem Sofa natürlich, sondern in Gestalt eines Vorschlages wie das jetzt weitergehen soll): Persönlich kennen lernen, ggf. interessante (ältere) Urkunden mitbringen, Probearbeit, usw. usf.

Die Bewerbungen mit beglaubigten Zeugniskopien und telefonbuchdicken Lebensbeschreibungen gehören vielleicht in den öffentlichen Dienst aber nicht in die Betriebe wo effizient gearbeitet werden muss.

Wunderbarer Kommentar.

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