Schule anders rhytmisieren?

3 Antworten

Vom Fragesteller als hilfreich ausgezeichnet
Was denkt ihr wäre es gut, eine Schule anders zu rhytmisieren? Also mit rhytmisieren meine ich die Zeiten (Doppelstunden, ganzer Tag selber Unterricht...)

Ich habe vor 2 Jahren am Gymnasium meiner Kinder sowohl gegen einen Antrag auf späteren Unterrichtsbeginn wie auch gegen einen Antrag für mehr Doppelstunden aus der Elternschaft votiert, der erste Antrag wurde im Elternrat mit 2/3tel Mehrheit, der zweite mit wenigen Ja-Stimmen abgelehnt. Im Vorfeld bat ich unseren Schulleiter um Zuarbeit zu den Pro- und Kontraargumenten, hier ist die Sicht eines Schulleiters:

"Über die Doppelstunden hatten wir schon einmal eine länger Debatte geführt. Ursache waren die schweren Schultaschen. Wir hatten uns dann darauf geeinigt, in MA und DE einmal pro Woche eine Doppelstunde zu planen. Das Fach T/C meist gekoppelt mit KU ist auch doppelstündig. Dann hatten wir Festlegungen zu Atlanten und Lehrbüchern getroffen. Es hatte zu einer leichten Verbesserung geführt. Bei den Messungen der Schultaschen haben wir extreme individuelle Unterschiede festegestellt. Die Klassenlehrer haben das mit ihren Schülern und Eltern entsprechend thematisiert.

Zur pädagogischen Diskussion gibt es mehrheitlich diese Auffassung: Für die Lehrer wird der Schultag bei Doppelstunden wesentlich entspannter, für Schüler kommt aber in den meisten Fächern weniger heraus (insbesondere bei Fremdsprachen und ein- bzw. zweistündigen Fächern). Die meisten Schulen, die zu Doppelstunden übergegangen waren, haben übrigens in der Zwischenzeit eine Mischform. Der Ausprägungsgrad ist dabei unterschiedlich. Wir haben im Prinzip auch schon so eine Mischeform, allerdinngs mit einer sehr starken Präferenz der Einzelstunde.

Der Nachteil eines späteren Unterrichtsbeginns wird vor allem für die Nutzung nachmittäglicher Angebote innerhalb und außerhalb der Schule gesehen. Vor allem bei einem Unterrichtsbeginn nach 8 Uhr werden viele städtische Angebote durch unsere Schüler nicht mehr in Anspruch genommen werden können.

Ich persönlich bin in beiden Fragen etwas offen und gern bereit der Mehrheit zu folgen. Ich würde nur gern Extreme vermeiden, z. B. später als 8 Uhr oder konsequentes Blockmodell.

Bei der Diskussion im Lehrerkollegium spielten folgende Argumente Pro und Kontra eine Rolle:

Argumente für einen späteren Unterrichtsbeginn sind z. B.:

Physiologische Leistungskurve der Schüler (Kinder sind früh noch müde und damit weniger leistungsfähig.)

Die Arbeit vieler Eltern beginnt später. Die Kinder könnten gemeinsam mit den Eltern frühstücken und durch die Eltern zur Schule gebracht werden.

Viele Grundschulen beginnen 8 Uhr.

Argumente dagegen z. B.:

Am Gymnasium haben die Kinder täglich mehr Unterricht, ein Großteil der Unterrichtstunden läge ebenso in einem physiologischen Leistungstief (nach der Mittagspause) der Schüler.

Viele außerschulische Angebote beginnen gegen 15 Uhr. Die wären für die Schüler nicht mehr erreichbar.

Ganztagsangebote kollidieren leichter mit außerschulischen Angeboten und Aktivitäten.

Die Zeit für die Erledigung der Hausaufgaben und das Lernen verschiebt sich nach hinten.

Argumente für Doppelstunden sind z. B.:

Weniger Fächer am Tage führen zu leichteren Schultaschen.

Weniger Raumwechsel verringern die Hektik des Schultages.

Doppelstunden bieten mehr Zeit für bestimmte Unterrichtsformen.

Die Mehrzahl der Gymnasien praktiziert aktuell das Blockmodell oder Mischformen davon.

Argumente dagegen z. B.:

Häufigere Auseinandersetzung mit dem Lernstoff verbessern die Lernleistung vor allem in Sprachen und Mathematik.

Fächer mit nur einer Wochenstunde hätten sehr häufig extrem lange Zeiträume zwischen den Unterrichtseinheiten. Bei Erkrankung von Lehrkräften oder schulischen Sonderereignissen (z.B. Theaterbesuchen, Exkursionen, Klassenfahrten, Ferieneintritt etc.) wird der einstündige Unterricht, der zu Doppelstunden zusammengefasst wurde, dann manchmal wochenlang nicht unterrichtet.

Trotz methodisch abwechslungsreicher Unterrichtsgestaltung besteht die Gefahr von Monotonie oder zu großer Stofffülle für eine Unterrichtseinheit.

Das Risiko eines steigenden Unterrichtsausfalls und einer verminderten Sinnhaftigkeit der Vertretungsplanung erhöht sich durch die Tatsache, dass bei einem fehlenden Lehrer immer gleich zwei Stunden zu vertreten sind. Da alle anwesenden Lehrer ja auch Doppelstunden unterrichten, stehen oft für Vertretungen dann nicht die passenden Lehrkräfte zur Verfügung, was einem wirklichen Lernfortschritt der Schüler entgegensteht.

Bei längerem krankheitsbedingten Ausfall von Lehrkräften ist eine fachgerechte Vertretung, meist bei gleichen Lehrkräften mit großer Sicherheit unmöglich. Die Folgen wären z. B.: von 4 Stunden Mathematikunterricht in der Woche fällt eine aus. Die anderen drei Stunden werden durch drei verschiedenen Mathelehrern vertreten.

Wir haben schon einen Teil des Unterrichts in Doppelstunden geplant. Einige Beispiele sind:

TC- Unterricht in Kl. 5 und 6

Kunst in Kl.6 gekoppelt mit TC

Fortsetzung:

DE und MA mit einer Doppelstunde pro Woche fast durchgängig

Profilunterricht in Kl. 8, 9 und 10

Einige Schulen gehen inzwischen vom reinen Blockmodell zurück zu Mischformen mit einem größeren Anteil von Einzelstunden. Ich hoffe, ich konnte Ihnen mit diesen etwas umfangreicheren Ausführungen helfen. Sie können gern alle Argumente in die Diskussion einbringen. Es wäre schade, wenn eine voreilige Entscheidung getroffen wurde, ohne umfassend alle Vor- und Nachteile abgewogen zu haben.

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Vielen Dank! Das hat mir sehr sehr weiter geholfen, und danke für den vielen "Schreib- und Erklärungsaufwand" :)

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Wir haben seit diesem Schuljahr das Doppelstunden-Prinzip. Fand es erst bescheuert 90 Minuten Schule mit zweimal 20 MInuten Pause zu haben. Aber ist tatsächlich ziemlich gut. Die Stunden kommen einem garnicht so lang vor :) Finde es echt gut auch weil man nicht 6 Fächer pro Tag hat, eil man die Themen da garnicht richtig vertiefen kann. 3 Doppelstunden sind einfacher zu händeln. Außerdem ist es mit den Hausaufgaben einfacher, weil du pro Tag weniger Hausausfgaben brauchst und da du die Fächer seltener hast hast du auch weniger auf.

Ich finde es sehr gut, bin echt begeistert!

Vielen Dank! Das hat mir wirklich sehr geholfen! :) Hast du vielleicht auch noch etwas was du an diesem Prinzip nicht so toll findest?

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@oxxMRSxxo

Manchmal ist es natürlich auch echt anstrengend 90 Minuten am Stück aufzupassen und wenn einmal der Lehrer weg ist oder krank, dann sieht man ihn nur einmal die Woche und hat seltener Unterricht was kurz vor Arbeiten nicht seh gut ist :/ Freut mich dass ich helfen konnte! :)

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Ich kann Cupcake nur zustimmen. Wir haben auch seit 2 Jahren das Doppelstunden-Modell und ich möchte es nicht mehr missen.

Da du explizit nach Kritikpunkten gefragt hast:

  • Ich kann (als Lehrer) nur 2x - statt 4x - pro Woche Vokabeln aufgeben. Das ist dann mehr zu lernen und es ist bewiesen, dass es sinnvoller ist, häufiger kleine Mengen zu lernen als seltener größere.
  • Ich sehe (als Lehrer) manche Klassen nur 1x pro Woche, bzw. wenn einmal ausfällt, erst 14 Tage später. Bei manchen Klassen ist das freilich ein Segen [:D], aber dadurch lerne ich die Namen viel schlechter.
  • Wenn eine Doppelstunde ausfällt, müssen 90 Minuten vertreten werden. Das kann - als Lehrer - lang sein, wenn man die Klasse nicht kennt und improvisieren muss.

Noch ein paar Ergänzungen zu den +Punkten von Cupcake:

  • Man erholt sich in einer 20-Min-Pause besser.
  • Man kann in Chemie und Physik viel besser Schülerexperiente machen. Bei 45-Min-Stunden war das immer tierisch knapp und am Ende war bisweilen ich - der Lehrer - der Dumme, der alles wegräumen musste, weil die Schüler schon in den nächsten Unterricht hetzen mussten.
  • Man muss - als Lehrer wie als Schüler - viel weniger Bücher / Materialien mitschleppen.
  • Es gibt vertieftere Arbeitsphasen.
  • Man hat - als Lehrer - tendenziell weniger Freistunden im Stundenplan.
  • Wenn eine Randstunde ausfällt, hat man als Schüler das Glück, dass i.d.R. gleich zwei Stunden ausfallen.
  • Man muss sich nicht so oft neu in das Fach "eindenken".
  • Aus Lehrersicht bedeutet das unter dem Strich mehr Unterrichtszeit, weil die Hälfte der "Formalitäten" (Begrüßen, Sachen auspacken, Sachen einpacken, Thema vor Augen führen) wegfällt. Wenn man einmal davon ausgeht, dass von 45 Minuten 5 Minuten für diese Formalitäten bei draufgehen - das ist eher knapp kalkuliert, sind das knapp 5% pro Doppelstunde, die dadurch eingespart werden. Hochgerechnet auf 10 Schuljahre macht das ein komplettes Halbjahr mehr Unterrichtszeit!

LG

MCX

LG

MCX

Dankeschön MCX, das hat mir wirklich sehr geholfen!! :)

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