Rettungssanitäter Lehrgang?

Das Ergebnis basiert auf 11 Abstimmungen

Nein sollte Länger sein 64%
Ja ausreichend 36%

7 Antworten

Vom Beitragsersteller als hilfreich ausgezeichnet
Nein sollte Länger sein

Meiner Meinung nach sollte die Qualifizierung länger dauern. Die Dauer von insgesamt mindestens 520 Stunden, ist ja bereits in den allerersten Ausbildungsgrundsätzen für die Ausbildung von Rettungssanitäter*innen im Jahre 1977 festgelegt worden. Damals, lag der Fokus allerdings nicht auf einer möglichst zeitlich umfangreichen Ausbildung sondern vielmehr auf einer grundsätzlich einheitlichen Ausbildung bei allen Hilfsorganisationen bzw. bei allen Leistungserbringern im Rettungsdienst. Vor 1977, gab es überhaupt gar keine einheitlich geregelte Qualifikation sondern jede der Hilfsorganisationen, hatte ein eigenes, ausschließlich internes Ausbildungskonzept für ihr eigenes Personal und kochte somit eine eigene "Suppe". Das war nicht länger tragbar, da es somit für die Notfallpatienten ein Lotteriespiel gewesen ist, auf besser oder schlechter ausgebildetes Personal zu treffen, jenachdem, welcher Leistungserbringer gerade kam. Auch ein Arbeitgeberwechsel, war durch die unterschiedliche Ausbildung nicht so ohne Weiteres einfach möglich gewesen. Der Rettungssanitäter, sollte diesem "Wirrwarr" ein Ende bereiten und für eine grundsätzliche Einheitlichkeit der Ausbildung bei allen Hilfsorganisationen sorgen. Später, im Jahre 1989, ist dann das Rettungsassistentengesetz (RettAssG) in Kraft getreten, anstelle die Ausbildung zum Rettungssanitäter zu reformieren. Letztendlich, existiert seit dem 01. Januar 2014 das Berufsbild "Notfallsanitäter*in" mit einer nun dreijährigen Berufsausbildung nach dem Notfallsanitätergesetz (NotSanG) und nach der "Ausbildungs- und Prüfungsverordnung für Notfallsanitäterinnen und Notfallsanitäter" (NotSanAPrV). Die Qualifikation zum Rettungssanitäter, ist hier nicht mit gewachsen. Da der Notfallsanitäter deutlich mehr notfallmedizinische Kompetenzen hat als der frühere Rettungsassistent hatte, MUSS der Rettungssanitäter logischerweise nun zu einer korrekten Vorbereitung und Assistenz der Maßnahmen des Notfallsanitäters in der Lage sein und sollte sich auch im Team fachlich einbringen können. Vorher genügte es, wenn der Rettungsassistent die Vorbereitung und Assistenz beherrschte, da die dementsprechenden notfallmedizinischen Maßnahmen nur vom Notarzt durchgeführt worden sind. Auch die theoretischen Anforderungen an einen Rettungssanitäter, sind vom Jahre 1977 bis heute natürlich enorm gewachsen bzw. haben enorm zugenommen. Wenn man sich ansieht, dass die Lehrbücher mit jeder neuen Auflage immer dicker werden und ein gängiges Lehrbuch in der Ausbildung zum Rettungssanitäter mittlerweile satte 780 Seiten Umfang hat, dann stellt man sich schon die berechtigte Frage, wie dieser Stoffumfang in 160 Stunden bzw. in manchen Bundesländern jetzt auch 240 Stunden Rettungssanitäter- Grundlehrgang vermittelt-/ gelernt werden soll. Klar ist damit die Ausbildung noch nicht beendet, jedoch liegt während der nachfolgenden Praktika der Fokus natürlich ganz klar auf dem Erwerb und der Vertiefung von praktischen Fähigkeiten und nicht mehr auf den fachtheoretischen Inhalten. Häufig, bleibt während der Praktika für die Theorie kaum Zeit übrig und im Abschluss-/ Prüfungslehrgang, kann aus Zeitgründen auch nicht die gesamte Theorie noch einmal durchgekaut werden sondern nur einzelne Sachen nochmal kurz besprochen werden. Insgesamt, halte ich den zeitlichen Umfang für nicht mehr angemessen und ausreichend, wenn man sich die heutigen Anforderungen an den Rettungsdienst und somit auch an den Rettungssanitäter ansieht. Natürlich, gibt es Rettungssanitäter mit viel Fachwissen und mit viel Können, das erfordert jedoch eine hohe Eigeninitiative und ein regelmäßiges Selbststudium sowie eine längere Berufserfahrung und-/ oder eine Teilnahme an erweiterten Fortbildungsangeboten, an denen häufig auch noch auf eigene Kosten und während der Freizeit teilgenommen werden muss.

Mfg

Woher ich das weiß:Studium / Ausbildung – Rettungsdienst🚑, sehr großes Interesse an Notfallmedizin.

Moonshine21  26.01.2024, 15:48

Wow das war eine Umfangreiche Antwort 😸

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Nein sollte Länger sein

Hey, aus meiner Sicht ist der Lehrgang für den KTW in Ordnung, allerdings für die Notfallrettung nicht. Auf dem RTW sind 3 Monate einfach zu wenig, auch wenn dem NotSan „nur“ zugearbeitet werden soll. Hier sollte ein deutlich umfangreicheres Wissen vermittelt werden (z.B. insgesamt 6 Monate). Natürlich gibt es aber auch viele RS mit langjähriger Berufserfahrung, die sich privat weiter gebildet haben, um auf dem neuesten Stand zu bleiben. Dies ist aber nicht die Regel. Da es in der Notfallrettung unter Umständen auf den wichtigen Faktor Zeit darauf ankommt, sollte hier ein deutlich umfangreicheres Wissen auch seitens der Rettungssanitäter vorliegen, um eine bestmögliche Versorgung für den Patienten zu ermöglichen.

Woher ich das weiß:Studium / Ausbildung – Ausbildung zum Notfallsanitäter

Erenenenen  29.06.2023, 19:09

Hallo Phil,

kannst du mir evtl erklären was deiner Meinung nach in Der RS-Qualifikation nicht behandelt wird, dass ein RS in der Notfallrettung wissen muss ? Aufgabe ist hier die Apparative Diagnostik und das durchführen lebensrettender Maßnahmen, Entscheidungsträger ist ja der hochqualifizierte NFS.

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MedicPhilly  29.06.2023, 19:23
@Erenenenen

Hey, kein Problem. als Notfallsanitäter hat man eine unfassbar hohe Verantwortung über das Patienten Leben unabhängig wie schwer erkrankt der Patient ist. Hierfür ist es immer ein unfassbar hoher Vorteil wenn man einen Team Kollegen an der Seite hat, der auch etwas von seinem Handwerk versteht. Dies ist in den drei Monaten einfach schlichtweg nicht möglich. Der Fokus sollte hierbei nicht auf einzelne Krankheitsbilder gelegt werden, sondern in die vertiefende Notfallmedizin und Pharmakologie. Hierfür wären meines Erachtens mindestens weitere drei Monate notwendig. Wenn ich überlege das ich jetzt Anfang des zweiten Leerjahres noch nicht einmal die Hälfte der Krankheitsbilder durch genommen habe und schon sehr tief eingestiegen bin, ist dies ein unfassbar großer Umfang, den man als RS einfach nicht mitbringt.

ich finde es tatsächlich schade, dass es häufig heißt, dass der Notfallsanitäter alles können muss. Wie sicherlich einige hier wissen ist es besonders in den praktischen Prüfungen sei es jetzt eine Prüfung für den Rettungshelfer den Rettungssanitäter oder den Notfallsanitäter eigentlich unfassbar von nutzen, wenn man einen Team Kollegen dabei hat, der auch etwas kann und nicht nur auf Anweisung handelt.

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Erenenenen  29.06.2023, 19:27
@MedicPhilly

Da kann ich dir leider aber nicht zustimmen. Pharmakologie zB hat der RS ja wohl gar nichts mit zu tun, einzig und allein das Richtige aufziehen und vorbereiten der Medis ist evtl. Aufgabe des RS, und das kann man innerhalb weniger Tage im Einsatzdienst lernen. Da man als RS weder die Entscheidung trifft, noch die Verantwortung trägt, halte ich das Spektrum nach wie vor für angemessen. Zumal ja bereits auf 560h aufgestockt wurde

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Martin Müller 
Beitragsersteller
 29.06.2023, 19:19

Moin, danke für deine Antwort. Ich seh es genauso in den 3 Monaten lernst soweit ich das noch in Erinnerung habe wirklich nur die Basics. Für den ktw sind die Kenntnisse zumeist ausreichend, gerade in unserer Region kommt man eh fast nie zu Notfällen. Für den Rtw war es zumindest für mich ein Training on Job.

Auch wenn man „nur“ der Helfer vom Notsan ist, so verlassen diese sich auch auf dich. Das man nix übersieht, wenn diese doch mal nen Blackout haben muss auch der Sani funktionieren. Und so seh ich auch meine Arbeit.

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Ja ausreichend

Ja ich finde es ausreichend, weil es ist ja „nur“ eine qualifikation und man lernt ja während den Diensten auch noch viel dazu und kann sich einige Sachen vom NR ab-/anschauen👍🏼

Woher ich das weiß:Hobby

Moonshine21  26.01.2024, 15:51

Btw ich meinte NS und nicht NR

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Ja ausreichend

Ja. Diese Zeit ist ausreichend um die Basics des Rettungsdienstes zu vermitteln. Für den ABSOLUT überwiegenden Teil der Notfalleinsätze ist diese Kompetenz auch ausreichend, für den Krankentransport ebenfalls.

Im Rettungsdienst kommt es eh mehr auf Berufserfahrung und persönliches Interesse an ständiger Fortbildung an.

Woher ich das weiß:Berufserfahrung
Von Experte Rollerfreake bestätigt

Hi,

findet ihr die Lehrgangszeit von ca 3 Monaten ausreichend?

Die Frage ist natürlich: ausreichend wofür? Ich sehe hier durchaus unterschiedliche Antworten für Notfallrettung und qualifizierten Krankentransport.

Und selbst da ist es meist ein "es kommt drauf an" - Ausbildungsqualität und Eigenintiative unterscheiden sich dermaßen stark, dass die Bandbreite von "überhaupt kein Problem" bis "da hilft keine Ausbildung, egal wie lange" reicht.

Ganz allgemein betrachtet...

...ist der Rettungssanitäter heutzutage schlichtweg eine "Kompromisslösung". Einerseits, weil Rettungssanitäter schnell und kostengünstig ausbildbar sind, andererseits weil man Ehrenamt (und damit auch dem Anschluss an den Katastrophenschutz) und Freiwilligendiensten nicht das Garaus machen will.

Gemessen an den Anforderungen der Notfallrettung wird der Rettungssanitäter schon heute der Aufgabe des kompetenten Zuarbeiters zu schnell nicht mehr gerecht. All das, was der Notfallsanitäter können muss, muss der Rettungssanitäter entsprechend vorbereiten und dabei assistieren können. Und daran scheitert es dann schon oft.

Das Potpourri an zunehmend invasiver werdenden Maßnahmen lässt sich in der gegebenen Zeit meines Erachtens nicht vernünftig abbilden. Und es geht hier nicht um Exoten wie PTV oder Entlastungspunktion, um den Kollegen die Schweißperlen auf die Stirn zu treiben...

Persönliche Einschätzung

Für den qualifizierten Krankentransport ist die Ausbildungsdauer meines Erachtens vollkommen ausreichend - die Schwerpunktsetzung der Ausbildung sollte man da allerdings nochmal überdenken.

Für die Notfallrettung...sehe ich langfristig das Ende des Rettungssanitäters. Einfach dahingehend, dass in Zukunft die Notfallrettung entsprechend mit zwei Notfallsanitätern besetzt sein wird.

LG

Woher ich das weiß:Berufserfahrung – Notfallsanitäter, Blogger, Medizinstudent