Platons Höhlengleichnis? 3 Optimismen?

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Günstig ist es, Aufzeichnungen durchzugehen (das Thema ist offenbar im Unterreicht behandelt worden und dann sollten irgendwelche Ergebnisse festgehalten worden sein, woran die Fragestellung zum Optimismus anknüpfen will). Vielleicht können Mitschüler(inne) bzw. Schüler(innen) aus dem Kurs des letzten Jahres zumindest teilweise helfen.

Ein erster Schritt kann sein, um Umrissen anzugeben, was der Begriff Optimismus bedeutet.

Optimismus kann bezeichnen:

a) eine das Leben bejahende und alles vor allem von der besten Seiten her auffassende Einstellung/Grundhaltung

b) Erwartungshaltung, die hinsichtlich der Zukunft zuversichtlich ist, von der Annahme/Vermutung getragen, es werde etwas Gutes und Angenehmes (mit großer Wahrscheinlichkeit) geschehen/eintreten

c) in der Philosophie die Auffassung, die bestehende Welt sei die beste aller möglichen Welten (beispielsweise bei Gottfried Wilhelm Leibniz), also insofern ein Optimum, bzw. in der Wirklichkeit sei alles oder zumindest das Grundlegende gut und vernünftig bzw. die Welt/die Wirklichkeit entwickele sich immer mehr zum Besseren

Das berühmte Höhlengleichnis, das Platon in seinem Werk „Politeia“ (514 a– 521 b und 539 d – 541 b) geschrieben hat, ist nach im Text selbst gegebenen Hinweisen (517 a – 521 b und 532 a– 535 a) im Zusammenhang mit dem Sonnengleichnis (508 a – 509 d) und dem Liniengleichnis (509 d – 511 e) zu deuten. Dies ist eine methodische Hilfestellung.

Der Zusammenhang ist eine nähere Erläuterung der Erziehung/Bildung (παιδεία [paideía]) der Philosophinnen/Philosophen. Das Höhlengleichnis verdeutlicht die Aufgabe, nach dem Aufstieg (der eigenen Befreiung) und einer Umwendung der Seele [ψυχῆς ττεριαγωγή 521 c] zur erhellenden Erkenntnis) zu den noch in Unkenntnis befindlichen Menschen zurückzukehren.

Das Sonnenlicht in der Welt außerhalb der Höhle steht für die Idee des Guten (ἡ τοῦ ἀγαθοῦ ἰδέα Politeia 517 c). Platon versucht im Sonnengleichnis eine Analogie (Entsprechung) von Idee des Guten und Sonne darzulegen. Die Verhältnisse im sichtbaren Bereich, der Sinnenwelt/empirischen Welt, gleichen dabei denen im denkbaren Bereich, einer durch Vernunft einsehbaren (geistig erfassbaren) Welt (dies ist der Bereich der Ideen).

Ob Platon insgesamt und durchgehend als Optimist einzuschätzen ist, kann bezweifelt werden (das gewöhnliche Dasein der Menschen ist z. B. nach dem Höhlengleichnis durch starke Mängel gekennzeichnet), sogar, ob der Begriff des Optimismus zu seinem Denken besonders aufschlußreich ist.

Die Idee des Guten ist das grundlegende Prinzip und damit ist die Wirklichkeit nach Platons Deutung von etwas Gutem und Vernünftigen bestimmt. Das Wahre, Gute und Schöne sind nach allgemeiner platonischer Auffassung eng miteinander verbundene Ideen.

Nach der Lehre Platons (Ideenlehre) sind die Ideen wirklich Seiendes, in sich selbst gleiche (mit sich selbst identische) Wesenheiten. Eine Welt der Ideen bildet einen Bereich für das Denken einsehbarer Dinge. An der Spitze dieses geistig erfaßbaren Bereiches steht die Idee des Guten.

Von diesem Bereich unterscheidet Platon eine Welt der Erscheinungen, die durch die Sinne wahrgenommen werden, ein Bereich des Werdens und Vergehens (vergänglich). Die Einzeldinge haben zu den Ideen eine Verbindung, die in bildlich-übertragener Ausdrucksweise ein Urbild-Abbild-Verhältnis genannt werden kann (ein Muster/Vorbild [παράδειγμα] und ein Abbild [εἰκών; εἴδωλον]). Platon schreibt von einer Teilhabe (μέθεξις) der Einzeldinge an den Ideen. Im Einzelding gibt es eine Anwesenheit/Gegenwärtigkeit (παρουσία) der Idee. Zwischen Idee (ἰδέα) bzw. anders ausgedrückt Form (εἶδος) und ihr zugehörigem Einzelding gibt es eine Gemeinschaft (κοινωνία).

ontologischer Optimismus

Allem Seienden/der Wirklichkeit liegt mit der Idee des Guten etwas Gutes und Vernünftiges zugrunde. Die Einzeldinge haben an Ideen Anteil. Das höchste Prinzip ist nicht etwas Schlechtes, Lebensfeindliches, völlig Chaotisches, Unvernünftiges/Vernunftwidriges. Die Wirklichkeit insgesamt ist geordnet, mit verschiedenen Seinsstufen.

erkenntnistheoretischer Optimismus

Es gibt Wahrheit. Die Wirklichkeit ist erkennbar. Es ist möglich, zu Wissen/Erkenntnis/Einsicht über sie zu gelangen.

anthropologischer Optimismus

Es gibt in den Menschen Anlagen zum Guten und Vernünftigen. Ein Aufstieg zum Besseren (aus der Höhle hinaus) ist für sie nicht unmöglich. Menschen haben die Fähigkeit zum Lernen. Die Vernunft kann den Menschen leiten.

Wer zu wahrer Einsicht gelangt und eine volle Erkenntnis über etwas Gutes hat, handelt auch gut.

eingehendere Erläuterung:

A) ontologischer Optimismus

Die Idee des Guten, das dem Sein/der Wirklichkeit zugrundeliegt, ist gut, vernünftig und einheitsstiftend. Platon hat nach antiken Zeugnissen eine Prinzipienlehre (griechisch ἀρχή = Prinzip) vertreten, zu der es in den schriftlichen Dialogen nur einige andeutende Hinweise gibt. Platon hat sie mündlich vorgetragen („ungeschriebene Lehre“; darunter ein öffentlicher Vortrag „Über das Gute „ [Περὶ τἀγαθοῦ]) und mit anderen erörtert. Als Prinzip der Einheit verleiht das Eine (ἕν) als Idee des Guten allem Grenze und Bestimmung und damit Existenz und Erkennbarkeit. Zu diesem ersten Prinzip tritt – ihm auf gewisse Weise untergeordnet – als ein zweites Prinzip die unbegrenzte/unbestimmte Zweiheit (ἀόριστος δυάς), von der die Vielheit abgeleitet ist. Dieses Materialprinzip für Ideen und Sinnendinge wird auch als Groß – Kleines (μέγα καὶ μικρόν) bezeichnet.

B ) erkenntnistheoretischer Optimismus

Das Licht ist eine vermittelnde Wirksamkeit, sowohl das Licht im Bereich der Sinnenwelt als auch das geistige Licht (für das im Gleichnis das Licht der Sonne steht).

Im sichtbaren Bereich benötigt beim Sehen die Sinneswahrnehmung einer Person mit ihrem Sinnesorgan ein zwischen ihr und dem Objekt vermittelndes Drittes (das Licht). Dieses leistet die Ermöglichung eines Wahrnehmens. Das Licht stammt von der Sonne und diese ist insofern die Ursache. Die Sonne (weder das Sinnesorgan noch die Fähigkeit der Sinneswahrnehmung) verursacht als begründende Kraft:

1) Sehen des Auges/Gesichtssinnes

2) Gesehenwerden des Sichtbaren

2) Einheit von Sehendem und Gesehenem im Sehvorgang

Wie im Licht ist auch in der Fähigkeit der Sinneswahrnehmung etwas von der Art der Sonne enthalten. Die Sonne, als lebensspende, -fördernde und erhaltende Kraft, ist auch die Ursache der Existenz von Dingen. Dies kann sie sein, ohne ihrem Werden und Vergehen zu unterliegen.

Im denkbaren Bereich verleiht die Idee des Guten Wahrheit und Sein/Existenz und gibt insofern als Ursache dem Subjekt (eine Person mit Erkenntnisvermögen in der Seele) die Fähigkeit zu Wissen/Erkenntnis. Ein geistiges Licht (in einer Doppelnatur als Wahrheit und Sein) ist das vermittelnde Dritte, das Bedingung der Möglichkeit von Erkennen ist.

Die Idee des Guten verursacht als begründende Kraft:

1) Erkennen der Seele

2) Erkanntwerden des Denkbaren/Einsehbaren

3) Einheit von Denkendem und Gedachtem (den Ideen), Denken und Sein, im Erkenntnisvorgang

In Wahrheit und Erkenntnis wie auch im Erkenntnisvermögen in der Seele (Geist/Vernunft) ist etwas von der Art der Idee des Guten enthalten. Dem Erkannten wird von der Idee des Guten Dasein und Wesen zuteil, die Idee des Guten übersteigt aber noch Wesen/Seinendheit/wesenhafte Bestimmtheit (οὐσία) und überragt sie an Alter und Kraft.

Die Seele hat nach einigen Darstellungen Platons vor ihrer Existenz in einem einzelnen Menschen Ideen geschaut. Dieses Wissen ist beim Aufenthalt der Seele im Körper nur noch verborgen, der Möglichkeit nach vorhanden, kann aber durch einen geistigen Anstoß aktiviert werden. Daher sind Lernen und Erkennen in gewissem Sinn Wiedererinnerung/Anamnesis (ἀνάμνησις).

Es gibt folgende 4 Erkenntnisstufen (die 2 für die sichtbare Welt [ὅρατος γένος/ ὁρατὸς τόπος] gehören zur Meinung [δόξα], die 2 für die denkbare Welt [νόητος γένος/ νόητος τόπος)] zum Wissen [ἐπιστήμη] der Vernunft [νοῦς]):

1) Mutmaßung (εἰκασία)

2) Fürwahrhalten (πίστις)

3) hin- und herlaufendes (diskursives) Denken (διάνοια)

4) einsehendes Denken (νόησις)

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C) anthropologischer Optimismus

Der philosophische Weg ist zunächst der Aufstieg in den Bereich des Denkbaren, in die Welt der Ideen, und das Gewinnen von Erkenntnis, dann die Rückkehr/der Abstieg in die Höhle zu den ehemaligen Mitgefangenen, die noch an den bloßen Anschein des Gesichtssinns gefesselt sind, und ihre Befreiung durch Vermittlung des Wissens. Dieser Versuch ist mit Mühen und Schwierigkeiten verbunden (bis hin zu der Gefahr, getötet zu werden; ein uneingeschränkter Optimist ist Platon sicherlich nicht). Der Aufstieg philosophisch Veranlagter ist aber für Platon die Bedingung der Möglichkeit der Befreiung von Staaten als ganzer aus Übeln/einer schlechten Lage und einer Umsetzung des von ihm dargestellten gerechten Staates (vgl. das Zusammenkommen von Macht und Philosophie Politeia 473 d – Philosophen werden Könige oder Könige oder andere Machthaber befassen sich gründlich mit Philosophie - als größte von drei Fragen, die wie hereinbrechende Wogen sind).

Platon nimmt bei gewöhnlichen Menschen/den meisten keine Befreiung aus bloßer Eigeninitiative an. Der Übergang erfordert in beide Richtungen Vorsicht und Behutsamkeit, weil die Menschen ohne richtige Erkenntnis sich an ihren Zustand gewöhnt haben und erst einmal kaum etwas verstehen (der Gewinn, den Philosophie bringen kann, ist für sie nicht offensichtlich) und die Umgewöhnung anstrengende und unangenehme Seiten haben kann, auch für die zu Einsichten Vorgedrungenen bei einer Rückkehr zu Verhältnissen ohne ausreichende Erkenntnis, die Welt des Scheins. Platon begründet diese Aufgabe und damit eine Hinwendung auch zur Praxis mit dem Glück der Gesamtheit, auf das es ankommt (die schon zur Erkenntnis Gelangten werden nach seiner Meinung eventuell eigentlich wenig Neigung haben, die mühsame, schwierige und gefährliche Aufgabe zu übernehmen und damit zumindest ein Stück weit auf eine ungestörte Zuwendung zur Ideenwelt zu verzichten).

Wer zur Einsicht kommt, wird auch eine gute innere Einstellung entwickeln und gut handeln. Beim Höhlengleichnis ist dies nur andeutungsweise in der Aussage der Umwendung der Seele mitenthalten. Andere Textstellen enthalten ausdrückliche Gedanken. Nach Platons Standpunkt ist Wissen/Erkenntnis für Tugend/Vortrefflichkeit notwendig und zugleich hinreichend (zur Gleichsetzung, dem „Tugendwissen“ vgl. Menon 87 c – 89 a, Politeia 348 c – 351 c, Gorgias 460 b, Laches 194 d, Protagoras 360 d). Fehlverhalten ist insofern ein intellektuelles Versagen.

einführende allgemeine Erörterungen sind z. B.:

Michael Erler, Platon. Beck : München, 2006 ( (Beck`sche Reihe: bsr - Denker; 573), S. 92 – 94

Michael Erler, Platon (Grundriss der Geschichte der Philosophie. Begründet von Friedrich Ueberweg. Völlig neu bearbeitete Ausgabe. Herausgegeben von Helmut Holzhey. Die Philosophie der Antike - Band 2/2). Basel ; Stuttgart : Schwabe, 2007, S. 392 – 429

Hans Krämer, Die Idee des Guten : Sonnen- und Liniengleichnis. In: Platon, Politeia. Herausgegeben von Otfried Höffe. 2., überarbeitete Auflage. Berlin : Akademie-Verlag, 2005 (Klassiker auslegen ; Band7), S. 179 – 204

Thomas Alexander Szlezák, Das Höhlengleichnis (Buch VII 514 – 521 b und 539 d – 541 b). In: Platon, Politeia. Herausgegeben von Otfried Höffe. 2., überarbeitete Auflage. Berlin : Akademie-Verlag, 2005 (Klassiker auslegen ; Band7), S. 205 – 228

ausführlich und zum metaphysischen Ansatz sehr vertiefend ist z. B.:

Jens Halfwassen, Der Aufstieg zum Einen : Untersuchungen zu Platon und Plotin. 2., um einen Forschungsbericht erweiterte Auflage. München ; Leipzig : Saur, 2006, S. 220 – 265

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S. 241: „Die einheitsstiftende Mächtigkeit des Einen zeigt sich im Seienden durch Maßhaftigkeit (μετριότης) und Maßbestimmtheit (συμμετρία), durch die das Viele, das an sich selbst unbegrenzt (ἄπειρον) und unbestimmt (ἀόριστον) ist und so ins Nichts zergehen müßte, ins Sein geeint wird und Grenze (πέρας) und Bestimmtheit (ὅρος) erhält. Die Maßbestimmtheit seiner Teile, dergemäß jeder Teil jeden andern zum Vorschein kommen läßt, erhält das Viele im Sein, indem sie Einheit in der Vielheit verbürgt, in welcher Einheit die Teile sich auf das Ganze und das Ganze sich in seinen Teilen auf sich selbst bezieht (vgl. Parm. 157 C – 158 D, spez. 157 C7 - E 3 und 158 C7 – D 2). Das ist aber das Wesen der Schönheit (κάλλος), der Vollkommenheit des κόσμος νοητός, der sein Wesen in vollständiger Ausgeprägtheit und Artikuliertheit besitzt, indem das Ganze und die Teile sich wechselseitig durchdringen und ineinander sind; und dies ist als die Durchlichtetheit, durch die alles Seiende intelligibel ist, zugleich die Wahrheit (ἀλήθεια). Die reinen, harmonischen Verhältnisse zwischen den Ideen selbst aber begründen die Ordnung unserer Welt und die je besondere Arete der einzelnen Seienden in ihr, wie schon aus dem “Gorgias“ erhellt: κόσμος τις ἄρα ἐγγενόμενος ἐν ἑκάστῳ ὁ ἑκάστου οἰκεῖος ἀγαθὸν παρέχει ἕκαστον τῶν ὄντων (Gorg. 506 E 2 – 4). Die Ideen begründen das Gutsein aller Dinge, indem sie mit der spezifischen Ordnung jedes Einzelnen zugleich seine Einfügung in die umfassende Ordnung des Weltganzen bestimmen; in ihr hat jedes Einzelne seinen sinnvollen, festbestimmten Platz.“

S. 247- 248: „Das einende Dritte, das verbindet und unterscheidet zumal, ist nun das Licht (φῶς). […]. Durch seine artikulierende Helligkeit gliedert es das Sichtbare und schließt es zugleich zu einem in sich geeinten Ganzen zusammen und macht es dadurch erst sichtbar. Zugleich aktualisiert das Licht das Sehvermögen und ist damit das “kostbare Licht“ (508 A 1), durch das der Sinn des Sehens und die Macht des Gesehenwerdens im aktualen Sehen zur in sich selbst unterschiedenen Einheit zusammengespannt sind. (ἐζύγησαν) (507 E 6 – 508 A 2)“

S. 252: „Durch seine einheitsstiftende Kraft also verbindet das „intelligible Licht“ alles Intelligible zur Einheit eines in sich gelichteten Ganzen, des Ideenkosmos, und ermöglicht zugleich die Einheit von Nous und Idee, von Denkendem und Seiendem im Akt der Erkenntnis.“

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@Albrecht

Vielen vielen Lieben danke für deine hilfe und die viele information, wobei das für meine klausur dann doch zu viel information gewesen wäre denke ich aber danke (:, sie war zwar leider zu spät aber trotzdem danke (=

Morgen bekomme ich die klausur zurück, mal sehen was draus geworden ist ;D

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Ontropologen gibt es nicht und hat es nie gegeben. Die anderen Fragen kann nur jemand beantworten, der weiß, was ihr im Unterricht gemacht habt. Das bedeutet auch, dass Du mit den Unterrichtsaufzeichnungen und handouts die Frage leicht beantworten kannst. Und wenn Du sogar Schüler kennst, die eben diese Frage in der Klausur beantwortet haben: Warum stellst Du die Frage dann hier? Die anderen Schüler können vielleicht sogar ontropologisch dechiffrieren.

Ups ich meinte ontologisch .. :)

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