Pferd koppt?

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5 Antworten

Also, dass der Züchter sagt, er hätte nie gekoppt, das glaube ich gerne. Die wenigsten würden zugeben, dass sie einen Mangel verschwiegen haben. Doch zur Ehrenrettung des Züchters muss ich dennoch auch hinzufügen, dass er es auch einfach nicht gewusst haben kann, wenn das Pferchen vorher schon einmal gekoppt hat. Schließlich wird es in einer Jungpferdeherde gewesen sein und nicht unter permanenter Beobachtung. Auch Du hast Dich zwei Stunden vor die Box setzen müssen, um das Koppen zu entdecken.

Ich möchte jetzt nicht falsch verstanden werden - auch ich verstehe Koppen als schlechte Angewohnheit, die wirklich negative Folgen haben kann. Bei Aufsatzkoppern gehen unter Umständen die Frontzähne kaputt, bzw. nutzen sich zu stark ab.

Es gibt viele, die denken, dass ein Pferd beim Koppen Luft schluckt und dadurch Koliken begünstigt werden. Doch was viele nicht wissen: es wird beim Koppen gar keine Luft geschluckt. Das Pferd öffnet vielmehr durch Anspannen der vorderen, langen Halsmuskulatur den Schlundkopf, was das typische, rülpsartige Geräusch erzeugt und durch den entstehenden Unterdruck Luft in die Speiseröhre saugt. Diese Luft entweicht jedoch wieder geräuschlos, wenn die Halsmuskulatur anschließend erschlafft. Untersuchungen konnten insoweit eindeutig belegen, dass nur in Ausnahmefällen eine absolut unbedeutende Menge Luft in den Magen gelangt. Deshalb ist es auch nicht richtig, wenn behauptet wird, dass Pferde durch das Koppen aufgebläht sind und zu Magenproblemen und Koliken neigen. Magen- und Darmprobleme sind nicht Folge des Koppens, sondern zählen vielmehr zu den Ursachen!

Ganz viele Pferde koppen auch ohne jegliche Folgen. 

Ein befreundeter Tierarzt hat mal gesagt, dass nur sehr intelligente Pferde koppen, weil sie einen Weg gefunden haben, sich Glücksgefühle zu verschaffen. Viele Kopper koppen ihr Leben lang ohne Koliken oder andere Folgen.

Man muss bedenken, dass das Pferd nicht ohne Grund koppt. Das Koppen dient häufig der Stressbewältigung in dem es auf das zentrale Nervensystem, insbesondere auf das Belohnungssystem einwirkt. Das Pferd versucht also, eine sonst nicht ertragbare Situation erträglicher zu machen. Wenn ein Magenproblem hinzukommt, verschafft das Koppen zudem durch die mit ihm einhergehende Erhöhung der Speichelproduktion Linderung. Zwangsmaßnahmen, einem Pferd das Koppen abgewöhnen zu wollen, sind demnach so, als würde man jemandem der um Hilfe ruft knebeln um seine Ruhe zu haben. Vor allem, weil erwiesen ist, dass die meisten Kopper nach Absatz der unterbindenden Methoden, meist noch mehr Koppen als vorher.

Pferde gucken sich das Koppen definitiv auch nicht von anderen ab. Es ist vielmehr die Reaktion auf nicht idealen Haltungsbedingungen. Ein Boxnachbar, der koppt, leidet u.U. einfach genauso wie das eigene koppende Pferd unter der Haltung. 

Die tatsächlich belegten Hauptursachen für das Koppen sind vielmehr traumatische Erlebnisse (z.B. falsches Absetzen, Stallwechsel, Unfall), Dauerstress durch falsche Haltung, falsches Training und / oder Fütterung, sowie Magenprobleme.

In der Anfangsphase des Koppens hat man noch eine Chance es wieder zu beheben. Dazu muss der Stress minimiert werden, das Pferd muss sich wohlfühlen, unter Artgenossen sein, raus aus der Isolation kommen und auch vom Magen her gesund sein. 

Auch eines unserer Pferde kam nach einer traumatischen OP als Kopper aus der Klink zurück. Er hatte dort 2 Wochen angebunden stehen müssen und entsetzlich darunter gelitten. Tatsächlich hat er wieder damit aufgehört, als er wieder zu Hause in seiner Weidegemeinschaft und seiner persönlichen Mitte angekommen war.

Den Wallach meines Sohnes haben wir bereits als Kopper bekommen. Er ist eine Seele von Pferd, allerdings Stress-anfällig und muss sehr magenschonend ernährt werden, weil er sonst zu Magengeschwüren neigt. Das alles haben wir erst im Laufe der Zeit herausgefunden und heute, wo er so stressfrei wie möglich lebt, endlich einen richtigen Pferdekumpel gefunden hat, den er abgöttisch liebt und das Essen bekommt, was ihm bekommt geht es ihm super und koppen sehen hat ihn von uns im Laufe der letzten Monate keiner. Dass er tatsächlich ganz damit aufgehört hat, glaube ich allerdings nicht. Das ist ähnlich wie bei schlechten Gewohnheiten von uns Menschen - auch die lassen sich nicht mal eben so ablegen.

Sieh zu, dass Dein Pferdchen unter Artgenossen raus der Einzelhaft kommt.

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Hallo,

der Antwort von Sallyvita ist nicht mehr viel hinzuzufügen, die ist wirklich gut und ausführlich. Ich wiederhole das alles jetzt nicht mehr, sondern erzähle dir nur von den Efahrungen mit unseren "Koppern".

Mein eigenes Pferd stammt von einer Stute ab, die stark koppt. In wie fern es da einen Zusammenhang gibt kann ich nicht beurteilen. Als er sechs Jahre alt war hat er mit dem Koppen angefangen, ausgelöst durch Stress in der Box. Den Stress bekam er durch den Blick auf das Heu, die Einsteller haben für ihre Pferde abends immer Heunetzte für den nächsten Tag gestopft. Mein Pferd stand am nächsten am Heuballen dran und hat angefangen zu betteln. Von manchen Leuten hat er etwas Heu bekommen, von manchen nicht. Immer wenn er Leute am Heu gesehen hat und nichts bekommen hat, hat er angefangen zu koppen durch den Stress etwas zu essen haben zu wollen. Er hatte natürlich den ganzen Tag über Weidegang oder war auf dem großen Paddock in der Herde.

Aus diesem Stall sind wir dann natürlich schnellst möglich ausgezogen. Er steht nun einer Paddockbox ist mittlerweile 10 Jahre und das Koppen haben wir fast komplett weg bekommen. Nur in für ihn stressigen Situationen setzt er noch ein paar mal auf, diese Situationen versuchen wir aber möglichst zu vermeiden. Situationen die bei uns Stress auslösen:

-Kraftfuttergabe: Er bekommt nur Mineralfutter, Kräuter(Kurweise) und eine Handvoll Luzerne, damit er das ganze auch isst. Hat er das aufgefressen möchte er anfangen zu koppen, durch etwas Heu kann ich den Koppreiz auflösen. Daher füttern wir ihn auch immer selbst, vom Stall bekommt er nichst.

-Fliegen: Auch durch Fliegen ist er so gestresst, dass er das Koppen anfängt, daher hat er im Sommer immer eine Ekzemerdecke auf.

-Das zweiten Pferd wird zuerst rausgeholt. Auch diese Situation scheint für ihn stressig zu sein. Ist er gearbeitet und hat sich verausgabt, ist es ihm ganz egal wer zuerst raus geht.

-Oder der Heuwagen wird auf dem Weg aufgehalten und brauchst länger als sonst^^

Magengeschwüre haben wir natürlich vom Tierarzt ausschließen lassen, bei uns scheint das Koppen wirklich rein Stress bedingt zu sein.

Auch noch zum Thema kastrieren, unsere Pferde sollten wir nach tierärztlicher Anweisung auch direkt wieder auf die Wiese schicken.

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Kopper gucken sich das nicht ab, das ist ein Märchen.

Dein Pferd sollte mal dringend auf ein Magengeschwür hin untersucht werden, bei dem was du da so alles schreibst geht ja in letzter Zeit ziemlich viel schief in der Haltung dieses jungen Mannes.

Warum sollte ein frisch kastrierter Jüngling Boxenruhe einhalten - ich hatte jetzt schon mehrer frisch kastrierte Pferde, die niemals in Boxen eingesperrt wurden.

Meine wurden alle auf der Koppel gelegt - da bleibt die Wunde eh offen und das Sekret läuft nach außen ab. Einen Jungwallach in eine Box zu sperren und nur mit ihm Spazieren zu gehen ist schon mal eine katastrophe in sich.

Ohne Hängertraining mit viel Stress verladen, dann in eine Klinik - dann mit viel Stress operiert werden und wieder eine stressige Hängerfahrt zum neuen Stall, dann noch in einen neuen Stall einleben - und oben drauf bekommt man noch Kraftfutter wenn man nix tut - wenn das nicht zum Magengeschwür führt, was dann?

Dein Gauli ist 2 Jahre alt - der gehört noch in eine Aufzuchtweide - am besten mit Wallachen, die gerade das gleiche Schicksal hatten. (Kastration) - eine Kastration berechtigt nicht zur Boxenruhe. Alle anderen Frischwallache überleben das ganz ohne Boxenruhe - Boxenruhe ist sogar kontraproduktiv, da die Wunde dann langsamer abheilt.

Lass den raus auf die Weide - da passiert nichts - wieso wurde das überhaupt genäht - komisch.

Kraftfutter weg - ein zweijähriger der nichts tut braucht auch nichts extra. Heu, Gras, Stroh und etwas Mifu reicht vollkommen.

Und dann wundert man sich wenn das Pferd anfängt zu koppen?

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Kommentar von miriamroooth
27.06.2016, 09:48

Ich hab ihn in der Klinik kastrieren lassen weil mir das auf der Weide zu riskant war. Und das mit der boxenruhe und nur schritt ist von der Klinik und von einem unabhängigen Tierarzt also glaub ich nicht dass es totaler Käse ist. Aber ich lass ihn trotzdem auf Magengeschwüre untersuchen. Vielen Dank für den Tipp

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Kommentar von miriamroooth
27.06.2016, 09:55

Ja des haben die anderen jetzt auch schon gesagt. Ich fahr jetzt gleich in den Stall und stell ihn so lang es geht auf die Wiese und Versuch ihn so bald es geht in die Herde zu integrieren.! Und Kraftfutter wird weg gelassen.

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Koppen deutet sehr oft auf Magenprobleme hin und es wird nicht abgeschaut! Du solltest mit dem Tierarzt sprechen und das Kraftfutter weg lassen, ein Zweijähriger braucht kein Kraftfutter. Selbst für ein arbeitendes Pferd ist eine Handvoll Kraftfutter pro Stunde viel zu viel!

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Kommentar von miriamroooth
27.06.2016, 09:50

Okaaay. Das mit dem Kraftfutter  wurde mir zwar vom Tierarzt auch anders empfohlen da er sehr stark im Wachstum ist  aber da rede ich gleich noch mal mit einem andern Tierarzt drüber. Viiiieln dank

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Da kannst du nicht viel machen. Beten, dass das Pferd so schnell wie möglich in die Herde darf. Ich versteh es auch nicht von deinem Tierarzt. Mein Tierarzt hatte mein Pferd damals sofort auf seine Weide gelassen. Und da er Galopper züchtete, hatte er große Weiden. In die Herde. "Er darf sich nicht bewegen", sagte er, "er muss sich bewegen." Was machen denn die Pferde, die daheim auf der Weide gelegt werden? Koppen ist vererbt und hat mit Angucken nicht viel zu tun.

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Kommentar von friesennarr
27.06.2016, 09:37

Koppen ist nicht vererbt.

Koppen ist zu 90 % Magengeschwüre, die unerkannt blieben - duch das Luft schlucken können die Pferde so die Schmerzen dämpfen.

Bei 100 untersucheten ehemaligen Koppern wurde bei über 90 % Magengeschwüre festgestellt. Einerseits, weil das Magengeschwür zum Koppen führt und auf der anderen Seite führt das Koppen wiederrum zu Magengeschwüren.

Wir hatten zwei Kopper bei uns die durch eine Magendiät vollkommen geheilt wurden.

Hast du gelesen wie viel Stress dieser Junge Mann alleine in der letzten Zeit hatte und dann wird er noch mit Kraftfutter vollgestopft - da wird jedem Pferd der Magen sauer.

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Kommentar von miriamroooth
27.06.2016, 09:53

Danke :) ich berede des gleich mit dem Tierarzt weil wenn des wirklich ein Magengeschwür sein könnte dann muss er da aufjeden Fall daraufhin untersucht werden

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