Motorbremse benutzen statt normaler Bremse?

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Zum Abbremsen muss man nicht nur die Fußbremse benutzen. Es ist genauso möglich das Auto ausrollen zu lassen (so weit wie möglich) unter Nutzung der Schubabschaltung und / oder zusätzlich einen Gang herunter zu schalten, dann wird die Motorbremsung noch verstärkt.

Bei den verschiedenen PKW in Deutschland ist die Motorbremse unterschiedlich stark ausgelegt: Das heißt, wenn du einen Berg im dritten Gang herunter fährst, steigt bei Fahrzeug 1 die Geschwindigkeit an und du musst abbremsen bzw. in den zweiten Gang herunterschalten. Bei Fahrzeug 2 kann es hingegen sein, dass die Geschwindigkeit gehalten wird.

Auch vor Ortseingängen muss man nicht bis zum Ortsschuld auf dem Gaspedal verharren und dann gleich kräftig in die Eisen steigen. Es geht auch ökonomischer: Bereits 300m zuvor vom Gas gehen, Nutzung der Schubaschaltung (Abschaltung der Treibstoff-Einspritzung) und evtl. auch vom fünften Gang in den vierten herunterschalten (bzw. vom sechsten in den fünften). Kuppelt man hingegen aus, wird weiter Treibstoff eingespritzt - genau so viel wie normalerweise im Leerlauf benötigt wird. Außerdem unterdrückt man dann das Schleppmoment und die Bremswirkung des Motors. Man lernt das in der Fahrschule, dass man die Motorbremse nutzen sollte, statt auszukuppeln.

Verschleiß: So lange man durch herunterschalten nicht in den roten Bereich (Drehzahlmesser) kommt oder den Motor sogar in den Begrenzer jagt, verkraftet der Motor das ohne Probleme. Denn weshalb sollte der Motor stärker verschleißen? Beim Beschleunigen kann man doch die gleichen Drehzahlregionen nutzen.

Kraftstoffverbrauch / Belagsverschleiß: Der Kraftstoffverbrauch wird natürlich geringer sein, wenn du vorausschauend fährst (nutzung der Schubabschaltung bzw. der Motorbremse) und nicht erst voll beschleunigst um danach voll auf die Bremse zu treten. Außerdem schont die vorausschauende Fahrweise auch den Bremsbelagsverschleiß. Bei manchen Fahrzeugen kannst du so 10-20.000km mehr Laufleistung von Klötzern und Bremsscheiben herausholen. Es bringt also auch etwas für das Portemonnaie.

Die Nutzung der Motorbremse als Zusatzbremse ist meiner Meinung nach nur sinnvoll, wenn man relativ lange Zeit hat, um das Fahrzeug abzubremsen. Das bedeutet für mich, dass ich zum Beispiel außerorts möglichst früh vom Gas gehe, wenn ich an eine rote Ampel komme. Jetzt nutze ich die Schubabschaltung des Motors, die jedes Diesel- und Benzinfahrzeug hat. Danach schalte ich relativ früh in den 4. Gang (bei ca. 80km/h) und lasse die Kupplung langsam kommen (ähnlich langsam wie beim Anfahren). Anschließend nehme ich den Fuß vom Kupplungspedal und nutze jetzt die höhere Drehzahl des Motors, um das Fahrzeug abzubremsen Der rechte Fuß steht dabei immer auf der Betriebsbremse, damit die Bremsleuchten an sind. Außerdem kann ich so mit der Betriebsbremse zusätzlich abbremsen. Jetzt lege ich bei ca. 50 km/h den zweiten Gang ein und lasse den Motor wieder bremsen. Der zweite Gang bleibt bei mir bis ca. 10 km/h drin. Dass der rechte Fuß auf dem Bremspedal steht, ist aus zwei Gründen wichtig: Zum Einen wegen der Bremslichter (und damit als Signal für den hinterher Fahrenden) und zum Anderen, um nach Bedarf mehr oder weniger stark mit der Betriebsbremse zu bremsen. Die Motorbremse ist kein Ersatz für die Betriebsbremse, sondern hat eine unterstützende Wirkung für diese. Auskuppeln, nachdem man den Motor in der Schubabschaltung durch den Schwung des Fahrzeugs angetrieben hat, ist nicht sinnvoll, da die Bremswirkung des Motors somit nicht genutzt werden kann. Ausgekuppelt wird nur zum Einlegen eines niedrigeren Ganges bzw. zum Anhalten des Fahrzeugs. Hierfür muss nach wie vor die Betriebsbremse genutzt werden. Im Falle einer notwendigen Gefahrenbremsung ist das Herunterschalten und einkuppeln im kleineren Gang ausdrücklich zu unterlassen und wie gewohnt schlagartig und mit aller Kraft abzubremsen! Hier ergibt die Ausnutzung der Motorbermse keinen Sinn!

Zum Stehenbleiben die Fussbremse, zum Halten der Geschwindigkeit am Gefälle oder zum langsamen Herabsetzen der Geschwindigkeit Motorbremse. So bald der Motor von der Masse des Autos geschoben wird (also höher als Standgas dreht ohne Gas zu geben) verbraucht der keinen Sprit mehr, es sei denn es ist noch ein Benziner ohne Schubabschaltung (die sterben aber langsam aus und Diesel haben immer schon zumindest runtergeregelt). Wenn Du also so abbremst verbraucht das Auto dabei wirklich weniger und nebenbei verschleissen dann auch die Bremsbeläge nicht. Andererseits verschleisst bei jedem Schaltvorgang die Kupplung und der betreffende Synchronring im Getriebe (wie Stark hängt vom Können des Benutzers ab). Es macht daher wenig Sinn beim Runterbremsen auf eine Ampel zu nebenher noch jeden Gang zum Mitbremsen reinzuwürgen. In diesem Fall kann dadurch sogar ein Kostenintensiverer Verschleiss entstehen als Du bei den Bremsbelägen einsparst.

Es gibt eben nicht nur Schwarz oder Weiss und Ja oder Nein. Es macht Sinn den Motor bedingt mitbremsen zu lassen, wirst dies aber kaum im Spritverbrauch bemerken (der Unterschied ist einfach zu gering dass es für Dich messbar wäre). Die Bremsbeläge halten einige 1000 Km länger, auch nicht wirklich etwas. Deshalb meint Dein Arbeitskollege wohl dass dadurch nicht wirklich was gespart wird.

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