Lateinisches Perfekt oder Imperfekt

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4 Antworten

ich habe da mal auf GF einen Tipp zu geschrieben. Aber hier nochmal in kurz:

Vergangenheit in Latein = (lateinisches) Perfekt ODER Imperfekt.

Perfekt (die Form, die einen eigenen Stamm hat) ist die normale Form der Vergangenheit. Das Imperfekt (die Form, die vom Präsensstamm (+ba) gebildet wird) ist eine besondere Vergangenheitsform, die gebraucht wird, wenn eine Handlung a) dauerhaft (durativ), b) wiederholend (iterativ), c) vergeblich (conativ) stattfand.

Perfekt dagegen wird bei punktuellen Handlungen verwendet. Wenn das Verb von Natur aus eine länger dauernde oder wiederholende Handlung beschreibt, bedeutet die Perfektform, dass der Anfang davon gemeint ist ("ingressiv") (das ist eher für Latein -> Deutsch wichtig). Perfekt kann auch durative Handlungen aus entfernterer Perspektive beschreiben, zum Beispiel die Zeit einer Königsherrschaft in einer Reihe von mehreren Königen.

Zu deinen Beispielen:

Schon war die Insel in Sichtweite. Aber plötzlich setzten Wind und Riesenwellen dem Schiff hart zu.

  • "war in Sichtweite": andauernd, also Imperfekt (erat)
  • "plötzlich ... setzten ... zu": punktuell (gerade durch plötzlich deutlich), also Perfekt (vexaverunt o.ä.)

Dann musst du nun nur entscheiden, welche Handlungen in deinem Text punktuell und welche andauernd sind.

Glücklicherweise wirst du es in deinem Lateinerleben meist mit Übersetzungen aus dem Lateinischen zu tun bekommen, sodass sich das Problem selten stellt. Dass man dann im Deutschen das Präteritum benutzt, wird man dir im Unterricht gesagt haben. Nur sehr selten nutzt man dann aus seinem Sprchgefühl heraus das Perfekt, und weniger optimaler Gebrauch ist nicht unter Strafe gestellt.

Nur wenn man es in Richtung Deutsch - Lateinisch gerade lernt, hat man eventuell kurzzeitig Probleme. Diese hat das oben gebrauchte Wort Präteritum schon aufgezeigt. Die deutsche Vergangenheit wird nicht umsonst so bezeichnet. Das Wort kommt von praeterire und heißt vorbeigegangen. Die lateinische Vergangenheit heißt Imperfekt, was unvollendet bedeutet. Das führt in der Anwendung zu einer Verschiebung des Zeitpunkts in der Vergangenheit, wann eine Handlung spielt, ob man dies vom deutschen oder lateinischen Standpunkt betrachtet. Imperfekt heißt: in der Vergangenheit von Dauer.

Alle deine Sätze sind so konstruiert, - abgesehen vom letzten.

Tolle und gute Antwort - merci beaucoup!!

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schau mal hier:

http://www.belleslettres.eu/artikel/prateritum-imperfekt-perfekt.php

In ihrer Grundbedeutung beschreiben das Präteritum und das Perfekt eine Aktion, die sich in der Vergangenheit ereignet hat.

Beispiel: Präteritum: Er kam gestern spät nach Hause. Perfekt: Er ist gestern spät nach Hause gekommen.

Hinweise zum Gebrauch

In der heutigen Umgangssprache wird normalerweise nicht zwischen Perfekt und Präteritum unterschieden. Das Perfekt kommt sehr häufig in der gesprochenen Sprache vor, wenn man über alltägliche Dinge spricht. In der gesprochenen Sprache klingen viele Präteritumformen fremd bzw. überformell.

Beispiel: Alltagssituation: Ich habe meine Zimmer aufgeräumt und danach die Fenster geputzt. (typisch=Perfekt)

Das Präteritum findet man dagegen oft in Zeitungsberichten über das aktuelle Geschehen.

Beispiel: Zeitungsbericht: Der Bundeskanzler eröffnete die Messe. Er begrüßte die Besucher und Aussteller und wünschte allen viel Erfolg. (typisch=Präteritum)

Quelle: Google

Ich hoffe ich konnte dir weiterhelfen. Lg

Hallo

Im Lateinischen ist das Perfekt das sogenannte Erzähltempus - eine vergangene Handlung ist abgeschlossen.

Das Imperfekt hingegen drücckt im Lateinischen folgende drei Aspekte aus:

  • durativ: Eine bestimmte Zeitdauer. Nehmen wir als Beispiel vocabam. Würde man dies durativ auffassen, so würde man es mit "ich rief lange Zeit" ausdrücken.
  • iterativ: Die Handlung tritt wiederholt auf. Während beispielsweise das Englische oder Deutsche manchmal das Präsens benutzt (ich sitze neben ihr / I sit next to her ist dauerhaft), um iterative oder durative Handlungen wiederzugeben, benutzt das Lateinische das Imperfekt. Vocabam hieße hier "ich rief immer wieder". Selbstverständlich können durative oder iterative Handlungen im Deutschen auch in der Vergangenheit wieder gegeben werden.
  • conativ: vergeblicher Versuch. Diese Art des Imperfekts ist nicht allzu häufig, in der Originallektüre ist ssie mir glaube ich erst ein Mal begegnet. Diesen Aspekt gewählt, würde man vocabam mit "ich rief vergeblich" übersetzen.

Beide Tempora geben eine Handlung in der Vergangenheit an. Allerdings ist das Perfekt punktuell - im Altgriechischen gibt es dafür ein extra Tempus, den sogenanmten Aorist.
Im Deutschen gibt es das Imperfekt nicht, wir benutzen das Präteritum. Dies ist im Deutschen das Erzähltempus. Im Endeffekt werden Perfekt und Imperfekt gleich übersetzt - beim Imperfekt sind die drei Aspekte, die es ausdrückt, zu beachten.

Vielen herzlichen Dank für deine tolle Antwort. So langsam kriege ich den Durchblick :-).

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