Kann man Inkasso aufschieben?

8 Antworten

sel12,

135.- € sind für viele Studenten viel Geld.

Ich soll vor 3 Monaten bei Ikea eingekauft haben im Wert von 40 Euro

Das weist nur Du selbst, ob dies richtig ist. Wenn diese Hauptforderung nicht besteht, ist natürlich auch alles andere hinfällig.

und das Geld konnte mir wohl nicht abgezogen werden, da ich nichts drauf hatte.

Zum einen führt eine Rücklastschrift als Zahlungsverweigerung zum Verzug (§ 286 Abs. 2 Nr. 3 i. V. m. § 271 Abs. 1 BGB) und zum anderen wurdest Du von Deiner Bank über die Rücklastschrift (üblicherweise per Brief) informiert (BGH WM 1989, 625). Desweiteren ist die Rücklastschrift auch im Kontoauszug abgebildet. 

ich habe am Freitag einen Brief von der Inkasso erhalten, obwohl ich davor keine Mahnungen bekommen habe.

Da Du bereits in Verzug bist, sind weitere Mahnungen nicht notwendig. Vielmehr hättest Du die den geschuldeten Betrag unverzüglich überweisen müssen (§ 270 BGB).

Nun kam der Brief und aus 40 sind 135 geworden

1.) Die Hauptforderung über 40.- € musst Du, wenn Sie denn besteht, ohnehin zahlen.

Es verbleiben also 95.- € Nebenforderungen. Hier müsste ich, um Dir weiter Rat zu geben, konkret wissen, was verlangt wird. Soviel sei jedoch gesagt: Es sind eindeutig zuviel.

2.) Da Du in Verzug bist, musst Du für die 40.- € ab dem Tag der Rücklastschrift Verzugszinsen in Höhe von 5 % über dem Basiszinsatz (seit 01.01.2015: - 0,87 %; Neubestimmung am 01.07.2016) zahlen, aktuell 4,17 % pro Jahr (§ 288 Abs. 1 BGB). Rechnerisch liegen die Zinsen damit täglich bei 0,0046 €, so dass sich für den bsp. den Zeitraum 02.03.2016 bis heute insgesamt 0,41 € Zinsen ergeben.

Darüber hinaus kann der Gläubiger von Dir Schadenersatz verlangen (§ 280 Abs. 1 u. 2 i. V. m. §§ 286; 288 Abs. 4 BGB).

3.) Den Schaden, den Du verursacht hast, sind die Kosten der Rücklastschrift: Deine Bank berechnet der Bank von Ikea Kosten für die Rücklastschrift und diese Bank reicht sie mit eventuell eigenen Kosten an Ikea weiter.

Hier darf der Gläubiger aber entweder nur die nachweislich entstanden Kosten von Dir verlangen oder eine in seiner AGB verankerte Pauschale verlangen.

Verlangt der Gläubiger die Pauschale, so darf sie nicht höher als der üblicherweise zu erwartende Schaden sein, bzw. Dir muss möglich sein das Gegenteil nachzuweisen (§ 309 Nr. 5 BGB).

Kreditinstitute schließen in der Regel untereinander Abkommen ab, in den Sie die Kostenverechnung meist auf 3.- € festlegen. Der Gläubiger darf dazu nur noch die allgemeinen Auslagen wie Papier und Porto verlangen, wenn er Dich über die Rücklastschrift auch nochmals informiert (was nach Deiner Schilderung nicht passiert ist - BGH,17.09.2009, Xa ZR 40/08 (NJW 2009, 3570), OLG S-H, 26.03.2014, 2 U 7/12 u. a.)

4.) Um seinen Anspruch durchzusetzen, muss der Gläubiger von Deiner Bank die Mitteilung des Namens und der Adresse der GiroCard-Inhaberin verlangen (ich gehe von Kartenzahlung aus), wozu sicher eine Genehmigung im Falle der Nichteinlösung der Lastschrift erfolgt ist.

Die angemessenen Kosten die Deine Bank dem Gläubiger dafür berechnet, sind von Dir zu ersetzen.

5.) Inkassokosten wäre bei einer Beauftragung nur bis zu einer Geschäftsgebühr über 15.- € (0,3) und einer Pauschale über 3.- € zulässig (2301, 7002 VV RVG). 

Bei einer Abtretung sind Inkassokosten ohnehin unzulässig (denn bei Inkassozession entsteht dem Gläubiger kein Schaden).

Hier sind die Inkassokosten jedoch auch bei Beauftragung unzulässig, da wir hier im Massengeschäft sind und ein beispielsweise Plöckl Inkasso nur auf Erfolgsbasis für Ikea tätig ist. Somit gibt es keinen Schaden, der zu ersetzen wäre.

Nun, ich bin Studentin und bekomme Bafög und arbeite neben bei ein bisschen, ich kann es mir nicht leisten am Ende des Monats ganze 135 euro zu überweisen, das schaff ich gar nicht. [...] Dürfte ich das in Raten bezahlen oder aufschieben?

Du solltest mit dem Inkassounternehmen keine Ratenzahlung- oder Stundung vereinbaren, denn dies führt zu einer zusätzlichen Einigungsgebühr über 67,50 € (1,5) und weiterer Pauschale über 13,50 € (1000, 7002 VV RVG).

Was kann ich tun?

Ikea ist weiterhin Gläubiger? Keine Abtretung?

Ich würde, wenn die Forderung zurecht besteht, sofort an Ikea 48.41 € zweckgebunden überweisen. Zeckgebunden (denn Du solltest die Verrechnung bestimmen) heißt, dass Du im Verwendungszweck die Buchungscodes aus der Rücklastschrift angibst und dazu schreibst 40 € HF + 3 € RLS + 5 € Adress + 0,41 € Zinsen.

Dann schreibst Du dem Inkassounternehmen:

-------------------- schnipp --------------------

Absender (sel12)

Empfänger (Inkassounternehmen)

Ort, Datum

Aktenzeichen

Ikea ./. sel12

Ihre Mahnung vom Datum

Widerspruch gegen Ihre Forderung 

Sehr geehrte Damen und Herren,

Ihre oben genannte Mahnung habe ich am Datum erhalten. An Ihre Auftraggeberin habe ich am Datum die Hauptforderung sowie pauschal 3,00 € für Rücklastschriftkosten, pauschal 5,00 € für die Kosten der Adressermittlung sowie 0,41 € Zinsen (4,17 % vom 02.03.2016 bis heute) überwiesen. Ich widerspreche den weiteren von Ihnen aufgestellten Verzugs-/Mahnkosten. Ich werde nicht zahlen, da die Forderung unberechtigt ist.

Ich begründe meinen Widerspruch wie folgt: **

Rein vorsorglich mache ich Sie darauf aufmerksam, dass eine widersprochene Forderung nicht an die Schufa oder eine andere Auskunftei gemeldet werden darf (§ 28a BDSG).

Bitte verzichten Sie auf weitere Mahnungen und auf die Beantragung eines gerichtlichen Mahnbescheides. Einen solchen würde ich vollumfänglich widersprechen. Den in diesem Schreiben geäußerten Forderungswiderspruch halte ich konsequent aufrecht, da die Forderung Ihrer Auftraggeberin unberechtigt ist.

Mit freundlichen Grüßen

Unterschrift

-------------------- schnapp --------------------
** Gründe eintragen wie oben genannt.

Wenn keine Vollmachtsurkunde mit original Unterschriften der dazu legitimierten Personen vorgelegt wurde, ferner ergänzen:

Ich weise ferner Ihre Mahnung mangels Vorlage einer ordnungsgemäßen Vollmachtsurkunde im Original zurück (§ 174 BGB).

und das Geld konnte mir wohl nicht abgezogen werden, da ich nichts drauf hatte.

Einzukaufen in dem Wissen nicht, nicht vollständig oder nicht pünktlich zahlen zu können, ist eine Straftat (§ 263 StGB)! Kommt soetwas öfter vor, gibt es irgendwann Post vom Staatsanwalt.

Wenn du mit Karte bezahlst, hast du sicher zu stellen, dass ausreichend Deckung vorhanden ist.

Kann eine Lastschrift mangels Deckung nicht eingelöst werden, entsteht Verzug automatisch. Einer Mahnung bedarf es dann nicht.

Nun kam der Brief und aus 40 sind 135 geworden.

Kannst du vielleicht mal aufschlüsseln, wie sich die 95,- € Gebühren zusammen setzen?

Inkassogebühren musst du nicht bezahlen, da Ikea ein geschäftserfahrener Gläubiger ist.

Wohl aber die Rücklastschriftkosten (ca. 5,- €), Adressermittlungskosten (ca. 15-20,- €) und Zinsen.

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Ich wusste nicht, dass ich nichts mehr drauf habe. Wieso sollte ich einkaufen obwohl ich weiß dass ich nichts drauf habe? Völliger Unsinn. Es passiert mir zudem zum ersten Mal, kann ja mal passieren. Ich finde es doof, dass die mir nie ne Mahnung geschickt haben oder mich informiert haben. Ich zieh mir leider sehr selten Kontoauszüge und hab das nicht gesehen bzw übersehen. 

1
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@sel12

sel12,

Du solltest allerdings von Deiner Bank eine Information bekommen haben, denn diese ist - genau aus diesem Grund - dazu gesetzlich verpflichtet.

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Ist die Hauptforderung denn gerechtfertigt? Hast du den Einkauf getätigt, und konnte die Lastschrift nicht eingelöst werden? Falls ja, dann bitte überweise sofort die 40,- plus 20,- für Mahnung, Rücklastschrift und Adressermittlung direkt an IKEA (so im Verwendungszweck angeben)

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