Jemanden mit "Ihr" ansprechen - wie nennt man das?

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7 Antworten

Das nennt man Ihrzen, allerdings ist dieser Begriff schon ein wenig veraltet.

Dentrassi 08.06.2014, 16:23

Wow, das Wort gibt's ja wirklich! ^^

Deine Antwort war die schnellste unter vielen richtigen.

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Im 8. und 9. Jahrhundert wurden Fürsten und andere hohe Würdenträger von Rangniederen mit Ihr angesprochen (Ihrzen). Für hohe Würdenträger und Lehnsherren setzte sich in ganz Europa der Pluralis Majestatis durch. Im Prinzip benutzte man einfach statt der Personalpronomen des Singulars eine Pluralform, d. h. statt ich ein Wir und statt du ein Ihr.

Im 17. und 18. Jahrhundert war die Anrede mit Er, das Erzen, durch Vorgesetzte und Standeshöhere üblich: „Kerl, hat Er überhaupt Pulver auf der Pfanne?“ Aber auch Bürgerkinder erzten ihre Eltern: „Ich versteh Ihn, Vater“,[1] während adelige Kinder ihre Eltern siezten. Das Erzen war im Deutschen noch bis ins 20. Jahrhundert üblich.

Das gemeine Volk wurde von Klerus und Adel geduzt, während dieses die gesellschaftlich Höhergestellten mit einer Pluralform und gegebenenfalls weiteren Titeln wie „mein Herr“ anzureden hatte. Innerhalb der normalen Landbevölkerung wurde bis zum Ende des Mittelalters in der Regel jeder geduzt, der keine besondere Stellung innehatte, auch Fremde. Dies trifft man selten noch heute in verschiedenen ländlichen Regionen des deutschsprachigen Raums an, so zum Beispiel im Berner Oberland oder Teilen Tirols.

Im höfischen Zeitalter war die Anrede mit Ihr, das Ihrzen, allgemein verbreitet, auch im Stadtbürgertum. Dabei sprachen sich sogar Familienmitglieder untereinander im Plural an. Beispiel: „Vater, ich wollte, Ihr ließet mich hinausziehen, um mein Glück zu versuchen.“

Das Ihrzen ist heute noch da und dort im Südwesten Deutschlands gebräuchlich, u. a. in Baden, im Schwäbischen, im Pfälzischen, im Hessischen und im Rheinland; auch in einigen Gegenden der Schweiz, besonders im Berndeutschen, sowie im Elsass. Es kommt auch in Sprachinseln, etwa bei den Wolgadeutschen und Kasachstandeutschen vor. Es wird vor allem in dialektaler oder dialektnaher Sprache verwendet und meist als Zwischenstufe zwischen Duzen und Siezen empfunden, kann aber auch die einzige Höflichkeitsform darstellen (so im Berndeutschen oder in Varianten des Niederdeutschen).

Letztlich erklären sich alle sprachgeschichtlichen und kulturellen Fragen rund um das Duzen, Erzen, Ihrzen und Siezen aus der Entfernung zum Ich. So: ich du er/sie wir ihr sie Je weiter vom Ich, desto formeller und distanzierter wirkt die gewählte Anrede. Wir sind heute in Deutschland also beim Maximalabstand zum Ich angekommen. Das "wir" findet sich etwa im ärztlichen "wie geht es uns heute". Grüße, Martin

Dürfte genauso siezen genannt werden, da es sich um eine Höflichkeitsform handelt.

Das Wort ihrzen gab es aber auch mal, nehme ich an.

Majestätsplural glaube ich

Das ist die "höfliche Anrede" (:

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