Japanisch on und kun lesungen und kanji

... komplette Frage anzeigen

1 Antwort

wasser heißt in on sui und in kun mizu

Nein, das stimmt so nicht und da liegt auch direkt der erste Denkfehler:

Ein Kanji ist kein Wort (wobei es natuerlich Woerter gibt, die mit nur einem Kanji geschrieben werden). Ein Kanji ist ein Schriftzeichen mit einer Bedeutung und mit japanischen (kun) und/oder sinojapanischen (ON), d.h. aus dem Chinesischen entlehnten Lesungen, die dann Bestandteile eines Wortes sein koennen.

Was heisst denn Wasser auf Japanisch? (Kaltes) Wasser, das man beispielsweise im Restaurant trinkt, heisst erstmal mizu auf Japanisch. Wenn du nun also um Wasser bitten moechtest, oder in einem Text ein solcher Satz steht, dann wird man das Zeichen mizu lesen muessen, da es sich um oben genanntes Wort handelt. Besser waere es aber noch das Hoeflichkeitspraefix o hinzu zu fuegen. Deine Bitte wuerde also 'o.mizu o kudasai' lauten muessen, bzw. etwas eleganter 'o.hiya o kudasai'.

Wie man ein Zeichen lesen muss, haengt von der Vokabel ab, deswegen bringt es herzlich wenig, wenn man einfach nur Kanji ohne irgendwelche Wortbeispiele lernt. Trotzdem gibt es ein paar Richtlinien, die aber nicht immer zutreffen.

Dazu muss man erstmal verstehen, was die Japaner ueberhaupt gemacht haben, als sie die chinesische Schrift aus China uebernommen haben. Einfach gesagt haben sie zwei Sachen gemacht.

  1. Zusammen mit chinesischen Texten haben die Japaner die Schrift und sehr viel neues Vokabular in ihre Sprache aufgenommen. Die Aussprache (ON-Lesung) dieser Woerter haben sie beibehalten, jedoch an ihr Lautsystem angepasst. Diese Lesung wird also fast ausschliesslich bei sinojapanischem Vokabular benutzt.

  2. Da jedes Kanji eine Bedeutung hat, haben die Japaner weiterhin geschaut, fuer welche Bedeutung sie denn schon ein eigenes Wort haben und die Aussprache dieses Wortes dem Zeichen einfach mit zugeteilt. Diese Lesung wird kun-Lesung genannt und bezeichnet eine rein-japanische Lesung.

Das ist jetzt ziemlich einfach erklaert und vielleicht sachlich ein bisschen schief, soll hier aber als Erklaerung reichen. Eselsbruecken sind also folgende:

Handelt es sich bei der Vokabel um ein rein-japanisches Wort, dann wird in der Regel die kun-Lesung gewaehlt. Rein-japanisches Vokabular wird meistens mit nur einem Kanji geschrieben. Auch die Kanji, die bei Verben und Adjektiven (auf i) benutzt werden, werden in der Regel mit der kun-Lesung gelesen. Der veraenderliche Teil dieser Woerter wird in Kana geschrieben und nennt sich okurigana.

Sinojapanisches Vokabular wird in der Regel mit zwei oder mehr Kanji geschrieben. Dabei handelt es sich zu einem grossen Teil um Nomen oder Nominaladjektive (mit na/da). Manchmal gibt es Zeichen, die mehr als eine ON-Lesung haben. Das haengt damit zusammen, zu welcher Zeit ein Zeichen, bzw. ein Wort in den Wortschatz aufgenommen wurde. Hier koennen sich teilweise auch die Bedeutungen der Zeichen unterscheiden.

Gerade sinojapanisches Vokabular kann man nach einer Weile erahnen lernen, weil Bestandteile der Kanji oft auf die ON-Lesung schliessen lassen. Will man eine Lesung ganz sicher wissen, dann muss man allerdings irgendwo nachschlagen, denn die oben genannten Eselsbruecken kann man nicht immer anwenden und koennen nur eine Orientierung sein..

Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung

Was möchtest Du wissen?