Jambus, Trochäus, Daktylus und Anapäst (Metrum)

4 Antworten

Das "Skandieren" der Verse muss wie ein ganz primitives kindliches Leiern erfolgen -
Für jede Silbe schreibst du ein X . Auf dieX der betonten Silben machst du einen Strich:

Ich wán| dle ín| der Stíl |le -

x 'X| x 'X| x 'X| x -

Achtung: Der Wortsinn und die Silbenbetonung fallen beim Skandieren bzw. Leiern NICHT immer zusammen - also z. B. nicht bérgüber, sondern berg- ü-ber, nicht einsames Lied, sondern einsames Lied.

Jambus, Trochäus, Daktylus und Anapäst sind hier dargestellt,
http://www.lyrik-kalender.de/verstakt.html
Allerdings findest du da die Kürzen/Längen-Zeichen ∪ – der klassischen Dichtung.

Länge entspricht bei uns der betonten Silbe (= "Hebung") ,
die Kürze entspricht der unbetonten Silbe (= "Senkung")

  • verrückt ist jambisch (unbetont - betont)
  • Vater ist Trochäus (= betont - unbetont)
  • Daktylus ist Daktylus (Walzertakt: |1- 2-3 |1-2-3|
  • Anapäst ist Anapäst; den gibt's in unserer Dichtung praktisch nicht.

Nachdem du durch das Leiern festgestellt hast , ob die 1,3 5, oder aber die 2,4,6 Silbe , oder gar die 1,4,7 Silbe betont sind (auch evtl. Pausen sind zu bedenken!) , dann zählst du einfach, wieviele betonte Silben (="Hebungen") in einer Verszeile sind. Das ist dann das Versmaß, so simpel ist das - z.B. kann's ein "dreihebiger Jambus" oder auch "dreitaktiger Jambus" oder auch "jambischer Dreitakter" sein; oder da gibt's den 4-taktigen Trochäus (= "spanischer Trochäus") oder den 6-hebigen Jambus ("Alexandriner") oder einen 6-hebigen Daktylus (= "Hexameter").
Die Bezeichnungen sind vllt. etwas verwirrend: Auch im "dreihebigen" oder im "6-hebigen" Jambus hat jeder Jambus-Takt natürlich nur 1 "Hebung" ( betonte Silbe), er kommt aber eben pro Zeile dreimal bzw. sechsmal vor.

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"GDichte" hat mich dran erinnert, dass ich zu erwähnen vergessen habe, dass es wie in der Musik ja auch beim Gedicht die Möglichkeit des Auftaktes gibt, wodurch z.B. ein scheinbarer Jambus zum Trochäus wird, weshalb es also ratsam ist, vom Zeilenende her die Taktstriche zu setzen.
Allerdings gibt's dann ja wieder männl. und weibl. Schlüsse. Doch darüber in der Schule dann zu debattieren, ob ein Gedicht, dessen Verszeilen nicht alle den gleichen Schluss haben, nun beispielsweise jambisch oder aber trochäisch mit Auftakt ist, das muss doch gewaltigen Spaß machen!

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Hallo Koschutnig,

Kompliment, Du hast das super erklärt. :o) Vor allem Deine Beispiele zum Daktylus »Walzertakt und 1-2-3« gefallen mir bestens :o)

Aber bzgl. Anapäst möchte ich Dir widersprechen, denn zumindest in MEINEN Gedichten kommt auch der Anapäst vor ... bzw. ganze Verse in diesem Rhythmus oder aus einer Mischung zwischen daktylischen und anapästischen Versfüßen. :o) Allerdings kann sich der »Walzertakt« auch ergeben, indem man jambische oder trochäische Versfüße mit einbaut. Ich suche mal ein Beispiel und mache die betonten Silben (Hebungen) fett.

(...) Was sonst er uns zeigte, begriffen wir nie.

Uns fehlte wohl Ahnung und auch Phantasie.

Das Wort "Phantasie (Fantasie) ist z.B. ein Anapäst, genauso wie das Wort Königreich. Also zweimal unbetont und einmal betont - auf der letzten Silbe.

Baut man die Worte Phantasie oder Königreich aber in einen ansonsten jambischen oder trochäischen Vers ein, kann man durchaus auch die ersten Silben betonen:

Die Phantasie ließ mich nicht los:

Das Märchennigreich war groß.

Im daktylisch / anapästischen Vers hingegen würde es wie folgt klingen:

Ich spann mir ein Märchen aus viel Phantasie

und mein Traum-Königreich wurd' so groß wie noch nie.

Und wenn die Verse jetzt auch nicht viel Sinn haben, aber ich denke, als Beispiele reichen sie. :o)

Ich hoffe, ich hab jetzt nicht alles durcheinandergebracht, sondern statt dessen ein bisschen mehr Licht ins Dunkel der Metrik. :o)

Alles Liebe und beste Wünsche allerseits

von

Freya G.

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@FreyaG

Mit deinem Einwand hast du Recht. Ich hab mich nichr gut ausgedrückt. Natürlich kommt auch der Anapäst vor, also hätte ich nicht sagen sollen: "Den gibt's in unserer Dichtung praktisch nicht", sondern hätte besser gesagt: "Der spielt in unserer Dichtung kaum eine Rolle."

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Fang hinten an in jeder Zeile. Beim einsilbigen Reim ist die letzte Silbe eine Hebung, beim zweisilbigen Reim die vorletzte, die letzte eine Senkung. Die Silbe vor der Hebung muss jeweils eine Senkung sein, da zwei Hebungen hintereinander am Schluss praktisch nicht vorkommen. Dann nimm die mehrsilbigen Wörter, die werden zu 80-90% auf der ersten Silbe bzw. auf der vorletzten betont. Wenn du jetzt davon ausgehst, dass drei Senkungen hintereinander äußerst selten vorkommen, dann müsste sich der Rest von selbst ergeben. Tatsächlich ist hier das Wort "einsames" das einzige Problem, denn entsprechend der natürlichen Betonung muss es auf der ersten, nicht auf der vorletzten Silbe gehoben werden. Da sonst immer die erste Silbe jeder Zeile eine Senkung ist, läuft das unter Akzentverschiebung, womit der Autor besondere Aufmerksamkeit für dieses Wort erregen will.

Ich weiß auch nicht, warum die Schule seit Jahrzehnten zum Hass auf Gedichte erzieht, dabei mögen die meisten Schüler eigentlich Gedichte. Jedes Lied auf dem MP3-Player ist ein Gedicht, aber die werden meistens ja nicht behandelt.

Das ist eine Folge von unbetonten und betonten Silben, also Jambus

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