Ist man zur Beatmung in einem Notfall verpflichtet?

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12 Antworten

Man sollte machen, was einem zumutbar ist: sowohl gesetzlich als auch moralisch. Was das ist, hängt vom Einzelfall ab.

Bei der Entscheidung bitte berücksichtigen:

1. Notruf 112 geht immer. Kann jeder. Es wäre schön, wenn das auch mal jemand machen würde, wenn er einen Notfall erkennt. Viele denken sich nämlich "Oh, ich kann eh nicht helfen", wenden sich ab und machen nicht mal einen Notruf. Das ist aber das mindeste, was man kann (und auch muss!).

2. Für den Normalbürger ist es sehr selten, in die Lage zu kommen, jemanden reanimieren zu müssen. Die meisten Erste-Hilfe-Leistungen sind allgemeiner Art, z.B. bei Atem- oder Kreislaufbeschwerden. Also bitte nicht davor zurückschrecken, jemandem in einer Notlage beizustehen. In den meisten Fällen genügt sowieso "Händchen halten", also einfach nur für den anderen da zu sein, bis der Rettungsdienst kommt.

3. Man wird meist Zeuge eines solchen Falles in der eigenen, privaten Umgebung! Es ist also nicht der "Wildfremde", dem man helfen muss, sondern die eigenen Eltern, Geschwister, Kinder, Freunde oder Arbeitskollegen.

4. Falls man doch mal reanimieren muss: es reicht tatsächlich zunächst, die Kompression des Brustkorbes ("Herzdruckmassage") einigermaßen rhytmisch durchzuführen. Man geht heute davon aus, dass allein dadurch schon genug Luft in den Atemwegen bewegt wird, um noch ausreichend Sauerstoff zu liefern. Wenn man aus irgendeinem Grund nicht beatmen kann, reicht also drücken erstmal völlig aus.

5. Es gibt Beatmungstücher, klein zusammengefaltet, als Schlüsselanhänger, z.B. in der Apotheke zu kaufen (ca. 3-6 EUR). Das sind Plastikfolien mit einem Venitl, dass über das Gesicht des Patienten gelegt wird. Wer mag, kann sich damit gut vor Ekel schützen. Gleich auch noch ein Paar Einmalhandschuhe für die Handtasche kaufen, kann man/frau immer brauchen.

6. Erste-Hilfe ist wahnsinnig wichtig. Ohne gute Erste Hilfe kann auch der Rettungsdienst oft nichts mehr erfolgreich ausrichten.

7. Erste-Hilfe kann jeder lernen! Termine und Kosten (ca. 30-50 EUR, wird oft auch von der Berufsgenossenschaft übernommen) findet man bei der nächsten Hilfsorganisation (siehe Internet oder Telefonbuch).

8. Das Gefühl, sich getraut und geholfen zu haben ist unbeschreiblich!

Just do it...

es ist niemals Zwang aber denke mal daran, du hast dein eigenes Kind vor dir.

Jeder muss lt. Gesetz (§323c StGB) nur das tun, was ihm zuzumuten ist. Wer also eine Atemspende aufgrund von Übelkeit unterlässt, kann dafür nicht bestraft werden. Und schon gar nicht, wenn er dafür eine Herzdruckmassage durchführt, die bei normaler Hilfsfrist meist ausreicht. Grundsätzlich genügt das Absetzen des Notrufs, um der Hilfeleistungspflicht genüge zu tun.

http://dejure.org/gesetze/StGB/323c.html

wozu man verpflichtet ist, hat bitmap ja schon schön zitiert. Wie du vielleicht daraus erlesen kannst, ist eine Beatmung nicht direkt verpflichtend, aber wie auch schon schön beschrieben - wenn wir uns jetzt wegen Ekel diese Beatmung nicht mehr antun, dann handeln wir irgendwann derart egozentrisch, dass nichts mehr funktioniert. Denk immer daran, was du dir erhoffen würdest, wenn DU derjenige bist, der Hilfe braucht. Auch DU wirst dann möglicherweise schon erbrochenes am Mund haben, artieriellen Blutschaum etc. am gesicht haben, und nicht besonders lecker aussehen. Willst du wirklich, dass dir dann nicht geholfen wird, weil sich vielleicht die anderen EKELN?

Abgesehen davon gehört für mich eine erste Hilfe-Ausbildung in die Schule, und zwar die vollständige, nicht nur die paar Stunden Sofortmaßnahmen am Unfallort.

Hoffentlich verzichtet sie bei einem Notfall auch auf eine Beatmung und zeigt Verständnis für den Ekel des wildfremden Ersthelfers. Leute gibt es.

opderberg 25.08.2008, 22:30

Jetzt frage ich mich warum man an Erste Hilfe Kurse teilnimmt. Nur den Nachweis vorzulegen zu können um den Führerschein zu bekommen aber nichts verstanden hat?

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Nun, jeder muß soviel tun wie ihm möglich ist. Kommst du zu einem offensichtlich Verletzten mußt du sofort den Notarzt rufen bzw. andere Menschen dazu animieren!! Dann ist es natürlich dran die Wiederbelebung zu geginnen, nachdem du die Vitalfunktionen Atmung, Kreislauf und Bewusstsein gecheckt hast. Deiner Freundin rate ein dünnes Tuch zwischen ihren und den anderen Mund zu legen! Sie sollte sich mal überlegen was sie da sagt.... ein Menschenleben aufs Spiel setzen wegen ein paar Bakterien? Das ist wirklich ein sehr primitives Denken! Ich hoffe du verhälst dich anders und tust was in deiner Macht steht, um jemanden evt. das Leben zu retten! Denn dafür hättest du meinen Respekt verdient! Ameise

In einem einer extremen Stresssituation reagiert man anders als man vorher redet. Wenn aber klar wird, dass eine offensichtlich notwendige Mundbatmung im Notfall unterlassen wurde, ist das unterlassene Hilfe. Das wird bestraft. Leider nur dann wenn das jemand anzeigt.

Angezeigt wirst sicher nicht, wenn nicht beatmest, da es ja möglich wäre, daß du es nicht kannst

Imbecillitas 25.08.2008, 22:00

es sei denn du bist irgendwie medizinisch ausgebildet. dann kannst belangt werden.

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bitmap 25.08.2008, 22:12
@Imbecillitas

''Wer bei Unglücksfällen oder gemeiner Gefahr oder Not nicht Hilfe leistet, obwohl dies erforderlich und ihm den Umständen nach zuzumuten, insbesondere ohne erhebliche eigene Gefahr und ohne Verletzung anderer wichtiger Pflichten möglich ist, wird mit Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder mit Geldstrafe bestraft.''


Gilt auch für medizinisch Ausgebildete. Was im Zweifelsfall dann wiederum ''zumutbar'' ist, ist ne Einzelfallsache.

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albundysohn 25.08.2008, 22:47
@bitmap

Ich denke mal nicht, daß dieses Gesetz bei Laien angewandt wird bzw. kann man jederzeit auf únzumutbar plädieren und erklären, daß man zu nervös war und Angst hatte, Fehler zu machen

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bitmap 25.08.2008, 23:09
@albundysohn

Das ist aus dem Strafegsetzbuch. Und das gilt für alle Bundesbürger.


Bei jemandem, der med. ausgebildet ist, könnte man nicht unbedingt damit argumentieren, dass ihm Reanimation nicht zumutbar ist, weil ers nicht weiß, aber auch ein nicht med. Ausgebildeter kann schwerlich sagen, dass er nichts weiß und es deswegen gar nicht erst versucht.
Welchem deutschen Erwachsenen ist denn heutzutage noch nie was über Erste-Hilfe-Maßnahmen zu Augen/Ohren gekommen?

Ich bin froh, dass ich jährlich EH-Lehrgänge mache und ich wäre froh, wenn das auch (oder wenigsten alle 2 Jahre) andere Bürger dieses Landes machen würden. Aber zwingen kann man dazu niemanden. (Find ich schade, wo es u.U. ums Überleben geht und hier in D so viele Vorschriften für viel unwichtigere Sachen existieren)

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albundysohn 25.08.2008, 23:16
@bitmap

Du hast recht, doch nicht alle können bzw. wollen helfen

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Imbecillitas 25.08.2008, 23:22
@albundysohn

medizinisch unausgebildete können immer sagen, daß sie sich nicht sicher waren und angst hatten was falsch zu machen. wird man im allgemeinen nicht für belangt, solang man trotzdem beim opfer bleibt.

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bitmap 26.08.2008, 00:24
@albundysohn

@albundysohn Stimmt. Da kam erst wieder was im TV dazu (Experiment mit nem gestellten Unfall). Und eine ellenlange Diskussion gabs hier auf gf dazu auch schon.

Muss jeder für sich entscheiden.

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Du kannst es machen , musst es aber nicht ( Selbstschutz !!)

Ich würde so gut ich kann helfen,aber ich bin froh das ich noch nie soetwas erleben musste.

nein. man ist nicht dazu verpflichtet, aber wenn man es kann, kann es sehr hilfreich sein

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