Ist kosovo ein Land? oder muss Serbien es erst anerkennen?

4 Antworten

Ja, die Republik Kosovo ist faktisch ein Staat. Und zwar deshalb, weil sie über ein abgegrenztes Territorium verfügt und die kosovarische Regierung über den größten Teil dieses Territoriums Gesetze beschließen und i.d.R. auch durchsetzen kann. Das gilt in ähnlicher Weise auch für Taiwan (eine Insel vor China), das aber von der Volksrepublik China als sein eigenes Territorium angesehen wird. Aber China kontrolliert die Insel nicht, sondern die Regierung Taiwans.

Es gibt mehrere solcher Staaten, die faktisch unabhängig sind, obwohl das (ehemalige) Mutterland die Unabhängigkeit nicht anerkannt hat und auch nicht Mitglied der UNO sind. Zum Beispiel die Türkische Republik Nordzypern, die nur von der Türkei als Staat anerkannt ist. Oder Abachasien und Südossetien, die nur von Russland und einigen wenigen anderen Staaten anerkannt sind.

Kosovo ist aber deshalb ein etwas eigener Fall, weil es zwar vom ehemaligen Mutterland (Serbien) offiziell nicht als Staat anerkannt wurde, aber die Mehrheit der Staatengemeinschaft Kosovo als Staat anerkennt. Kosovo ist noch nicht in der UNO (dafür aber in internationalen Orgaisation wie der FIFA, dem IWF oder der Weltbank).

Ob Kosovo auch international rechtlich das Recht hat ein Staat zu sein ist eine Frage, die in der internationalen Gemeinschaft umstritten ist. Die Mehrheit erkennen Kosovo als Staat an, insofern bejahen sie dadurch natürlich diese Frage. Viele, die sich unsicher sind, haben den Staat nicht anerkannt. Und Länder wie Russland oder China sagen jedoch ganz offen, dass ihrer Meinung nach der Kosovo rechtlich immer noch zu Serbien gehöre.

Zu guter Letzt: Nachdem zwischen 2006 und 2007 Verhandlungen zwischen Kosovaren und Serben geführt wurden, um eine einvernehmliche Lösung zu finden, aber diese Diskussionen ergebnislos endeten, entschied sich die Regierung Kosovos im Jahr 2008 seine Unabhängigkeit zu erklären ohne das Einverständnis Serbiens (so wie z.B. die USA sich 1776 von Großbritannien unabhängig erklärten, gegen dessen Willen).

Kurz darauf rief Serbien den Internationalen Gerichtshof in Den Haag (Niederlande) an, der daraufhin im Jahr 2010 ein rechtlich nicht bindendes Gutachten veröffentlichte, nach dem die Unabhängigkeitserklärung Kosovos nicht gegen das Völkerrecht verstoßen habe. Trotzdem wird auch dieses Urteil international unterschiedlich ausgelegt.

Ich hoffe dir weitergeholfen zu haben!

Du schreibst: Nachdem zwischen 2006 und 2007 Verhandlungen zwischen Kosovaren und Serben geführt wurden, um eine einvernehmliche Lösung zu finden, aber diese Diskussionen ergebnislos endeten

Das waren Scheinverhandlungen. Um sagen zu können, wir haben verhandelt. Das Ergebnis stand von Anfang an fest.

Im Übrigen wird es nicht einmal von allen EU Staaten anerkannt. Warum sollen dann die Serben das? Ohne EU und UNO Zuwendungen wären die auch Pleite.

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@Niconasbeznas

Hallo Niconasbeznas,

Ohne Zuwendungen des IWF wäre Serbien vor einigen Jahren auch fast bankrott gewesen, das nur einmal nebenbei bemerkt. Kosovo ist sicherlich arm, aber Serbien geht es auch nicht meilenweit besser (die Metropolregion Belgrad und z.T. auch die autonome Provinz Vojvodina ausgenommen).

Aber zur eigentlichen Frage zurück: Das Problem war damals, dass die internationale Gemeinschaft nach Ende des Krieges einfach keine wirkliche Wahl hatte: Kosovo war ja seit Beendigung des Krieges ab 1999 faktisch nicht mehr unter der Verwaltung Serbiens, sondern der Vereinten Nationen. Aber natürlich konnte auch die UNO jetzt das Gebiet nicht ewig verwalten, sondern nur vorübergehend. Und da hielt es ein Teil der internationalen Staatengemeinschaft für vernünftiger, dass man Kosovo in die Unabhängigkeit entlässt.

Wäre es wieder Teil Serbiens geworden und wäre damit die serbische Verwaltung und Polizei zurückgekehrt, hätte das unmittelbar wieder zu einem Krieg geführt. Warum? Die Mehrheit der Bewohner Kosovos sind Albaner und die hatten 1999 gerade einen Krieg hinter sich, wo die serbische Seite sehr brutal gegen sie vorging. Es gab also keine andere Möglichkeit mehr als die Unabhängigkeit, denn alles andere hätte in erneuten Bürgerkrieg gemündet.

Außerdem wird allzu häufig vergessen, dass der UNO-Sonderabgesandte für Kosovo, der finnische Diplomat Marti Ahtisaari, die Unabhängigkeit Kosovos empfahl (bei gleichzeitiger Verbesserung der Mindeheitenrechte der Kosovo-Serben).

Die Sache ist also etwas komplizierter als du sie versuchst darzustellen.

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@Niconasbeznas

Du hast aber insofern recht, dass diese Verhandlungen zwischen Serben und Kosovaren von 2006-2007 insofern durchaus "Scheindebatten" waren, als dass in der Tat das Ergebnis von Anfang an abzusehen war: Dass es zu keinem Ergebnis kommen konnte.

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Ja, Kosovo ist ein unabhängiger de-facto Staat

Serbien versucht international und politisch den Kosovo als sein Staatsgebiet zu proklamieren und durch politische Treffen mit anderen Staatschefs eine Nicht-Erkennung des Kosovo zu erzielen. Nach dem Krieg 1998 hat die UN den Kosovo als Schutzzone erklärt und die Aufgaben eines Staates übernommen. Durch jahrelanger Verhandlungen haben die Albaner sich für die Unabhängigkeit entschieden, obwohl die Mehrheit einen Anschluss an Albanien auch als Option sahen. Dies wurde aber von den Vereinten Nationen nicht akzeptiert und stand nicht zur Verhandlung.

Kosovo ist ein Land
Serbien sieht das net ein aber sch eiß auf deren meinung Kosovo ist ein ganz normales Land Wir haben sogar den Euro und irgendwNn Kommen wir auch in die Eu

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