Ist Deutschland wirklich noch eine Demokratie?

8 Antworten

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Hi

Unzufriedenheit mit der Demokratie ist weit verbreitet. Und, ganz ehrlich gesagt: ich selbst teile diese Stimmung oft. Ich sehe, dass man Politiker wählen kann, die angeblich meine Vertreter sind, aber die wahre Entscheidungsbildung läuft durch die Bestechungsgelder von finanziell einflussreichen Lobbygruppen.

Aber man kann und muss auch seinen Verstand benutzen und den auch zur Selbstkritik einsetzen: immerhin haben wir die Möglichkeit, Wahlen zu benutzen. Sowohl "aktiv" - indem wir wählen - als auch "passiv" - indem wir uns wählen lassen.

Wenn man davon keinen Gebrauch macht, kann man sich nicht beschweren, dass da falsche Ergebnisse heraus kommen.

Auch kann man sich nicht beschweren, dass "die" Politiker nicht das machen, was man will, wenn man sich gar nicht informiert, für was die stehen. Wenn eine Partei und die ihr angehörenden Politiker z.B. Sozialabbau versprechen ("mehr Wettbewerbsfähigkeit" usw.) versprechen, kann man sich nicht über ein "Hartz IV" beklagen, was viele Mittelschichtmenschen in die Unterschicht befördert.

Ich habe dieses Beispiel gewählt, weil keine politische Massnahme in den vergangenen 10 Jahren mehr Unzufriedenheit verursacht hat.

Das ist dann so ernst zu nehmen wie ein Restaurantgast, der Fleisch bestellt und dann krakeeelt, dass er aber Vegetarier sei und das Restaurant eine Schweinerei!

Der Kabarettist Volker Pispers brachte das auf den Punkt: "Sozialsystem, Auslandseinsätze (und noch was): die überwältigende Mehrheit der Deutschen teilt die Positionen der Linkspartei, aber wählen will sie keiner!".

Vor allem die, die von der jetzigen Politik wirklich am meisten geschädigt sind - die Unterschicht - geht partout nicht wählen.

Da bekommen diese Leute letztlich auch das, was sie bestellen.

Demokratie ist kein ANgebot im Supermarkt, das man auswählt oder stehen lässt, wo man über die Firma meckern kann, das ist etwas, was man selbst machen muss!

Denk immer auch mal kritisch an das Restaurant, ok?

Wenn man davon keinen Gebrauch macht, kann man sich nicht beschweren, dass da falsche Ergebnisse heraus kommen.

Das stimmt nicht. Erstens wird einem dann vorgeworfen wieso man sich über Demokratie beschwert wenn man selbst mitmacht. Zweitens bedeutet wählen gehen ein Akzeptieren der Spielregeln und eine Unterstützung des Systems.

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Deutschland war nie eine Demokratie. Das demokratische System ist in allen Ländern ähnlich und nicht wirklich demokratisch so wie es das Wort sagt.
Erstmal wählt nicht das Volk, sondern nur alle über 18 und mit Deutscher Staatsbürgerschaft, das heißt die Politik bestimmt wer wählt und damit wird auch das Ergebnis manipuliert (z.B. wenn ein König früher bestimmt hättte jeder aus seiner Familie darf wählen und wählt ihn, wäre das dann Demokratie?). Natürlich sagt da jeder dass man unter 18 noch nicht das Wissen hat, aber das bedeutet eigentlich nur dass die Jüngeren noch nicht genügend Manipuliert wurden. Rund 15 Millionen werden dadurch von allen Anderen kontrolliert. Plus die, die die schwächere Partei ist (im idealfall 49%) werden 48 Millionen Menschen von 33 Millionen kontrolliert.

Die Politik bestimmt zudem erstens das Schulsystem, sprich was die Schüler lernen, welche Ansichten gut sind etc. Lehrer dürfen nicht ihre Meinung über Politik miteinbringen, sie dürfen nur sagen was die Politik ihnen vorgibt (und müssen das auch), sie müssen zum Beispiel Demokratie schönreden, Nazis schlechtreden etc. Zweitens entscheidet die Politik über die Erziehung von den Eltern. Damit werden die zukünftigen Erwachsenen vom Staat manipuliert und diese manipulieren dann die nächste Generation. Natürlich wirkt das nicht bei jedem, aber nach der Demokratie entscheidet die Mehrheit.

Außerdem, wie bekannt ist, ist der normale Mensch ein Idiot. Die Demokratie basiert also darauf dass die Minderheit an klugen Menschen von der Mehrheit an Dummen regiert wird.

Zudem werden durch einige Gesetze andere Meinungen, die Radikale genannt werden, blockiert sodass kein großer wechsel zustande kommen kann. Ein Gesetz lautet zum Beispiel dass Verfassungswidrige Parteien verboten sind. Daraus kann der Staat jede Partei verbieten die auch nur ein Gesetz verändern will und damit die Kontrolle behalten.

Die Datenübertragungsrate des Wahlvorgangs in der Demokratie lässt sich berechnen. Wenn wir alle 4 Jahre (mal großzügig) zwischen 8 Parteien wählen dürfen, sind das 3 Bit pro 126144000 Sekunden, oder 23,782... Nanobits pro Sekunde. Und das für das gesamte Volk. Für die Einflußnahme eines einzelnen sind das bei etwa 62 Millionen Wahlberechtigten eine enorme Zahl von 3,83 * 10 hoch -16 Bits oder 0,383 Femtobits pro Sekunde. Femto steht dabei für ein Billiardstel (10 hoch -15).

Dann viel Spass und vor allem Geduld beim Mitregieren!

Da ich das nicht verstehe, muss es wohl zu intelligent für mich sein. . .

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@derdorfbengel

Siehste, - und trotdem darfst du zur Ortsratswahl, zur Gemeindewahl, zur Landtagswahlt UND zur Bundestagswahl,

abgesehen von den Wahlen im Verein, in Europa oder in der Aktionärsversammlung und gelegentlich bei einer Volksabstimmung. Wenn dir das noch nicht reicht, kannst du an vielen meinungsbildenden Umfragen auf GF oder bei der Blödzeitung teilnehmen ;-)

UND du kannst dich auch noch selbst WÄHLEN lassen und dann alles genauso ändern, wie du annimmst, dass es mehrheitlich gewünscht sei!

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@derdorfbengel

Die Möglichkeiten der Einflussnahme sind beschränkt durch die Genauigkeit der Daten, die ich an das zu beeinflussende System senden kann und die Häufigkeit, mit der ich das tun kann. Die Genauigkeit kann man in Bits messen, die Häufigkeit in hz = 1/sek.

Wenn ich zB ein Auto durch den Verkehr steuern will, und könnte nur jede Minute entscheiden ob mehr nach rechts oder mehr nach links und schneller oder langsamer, dann wären das 2 Bits pro 60 Sekunden oder 33 Millibits/s. Das ist sehr viel mehr als die 0, 383 Femtobits bei der Wahl, aber natürlich noch viel zuwenig um ein Auto durch den Verkehr zu bringen. Bei 1 Sekunde wäre es immer noch sehr knapp, weil die 2 Entscheidungen sehr ungenau sind. Mit 16 Bit könnte es schon besser zu machen sein, vielleicht 11 Bit für 2048 mögliche Lenkwinkel und 5 Bit für 32 Stufen des Gaspedals. Für kritische Situationen wären manchmal Zehntelsekunden nötig, also wäre es ab 160 Bits/s etwa möglich ein Auto zu steuern.

In Bezug auf die Politik bedeuten diese Zahlen einfach nur, dass die Möglichkeit, durch Wahlen Einfluss auf die Politik zu nehmen, sehr nahe an der Null liegt.

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@Machtnix53

Was durch selektive VA auch nicht besser wär, solange die eben nur in Einzelfällen stattfänden, es ist halt so, das alle Entscheidungen, ob zu Geld, Energie, Landwirtschaft ...etc. pp ineinandergreifen und gegenseitig voneinander abhängen. Das erfordert eine Abstimmung (abwägen, gegenseitig aneinander abarbeiten, Kompromisse tauschen), die sich eben nicht nur auf herausgepickte Einzelelemente beschränken kann.

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@Machtnix53

Ach so. Du willst in Zahlen ausdrücken, dass angesichts einer steigenden Zahl von Beteiligten jeder immer weniger EInfluss auf das System nehmen kann, weil er einen immer geringeren Anteil am Ganzen ausmacht?

Schon, weil die Menge der zu verarbeitenden Daten nicht mehr zu bewältigen wäre?

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@derdorfbengel

Na die 2-3 Bit pro 4 Jahre müssten doch noch zu bewältigen sein.

Natürlich hat man bei 62 Millionen Mitwählern einen geringeren Einfluß als im Dorf, aber das ist nich der Kern meiner Aussage. Ganz einfach gesagt, die Möglichkeiten, über Wahlen die Politik zu beeinflussen, ist verschwindend gering. Das heisst nicht, das man die Politik nicht beeinflussen kann, die Lobbyisten tun das täglich, aber eben nicht über die Wahlen.

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@Machtnix53

Stimmt.

Man müsste deren Methode kopieren. Wenn alle Armen nur einen Euro pro Monat in eine Lobbyorganisation investieren würden, könnten damit mehr als 100 Mio Euro Beraterhonorare für Politiker mobilisiert werden.

Mehr als alle Kapitallobbies heute bereit stellen.

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@koch234

du musst als einzelner bürgererstmal auf die prozentzahl kommen wie die parteien ;)

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