Ist das deutsche Steuersystem gerecht?

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5 Antworten

Die Steuerklassen haben nur etwas mit dem Steuerabzug vom Lohn zu tun, nichts mit der tatsächlichen Höhe der Steuern.

Bis 8.672,- Euro zu versteuerndem Einkommen fällt gar keine Steuer an. Dann beginnt es für jeden zusätzlichen Euro mit 14 % und dieser %-Satz steigt bis auf 42 % von jedem zusätzlichen Euro ab 53. 666,- Euro. Ab 254.446,- sind es dann 45 % von jedem zusätzlichem Euro.

Hier:

 http://de.statista.com/statistik/daten/studie/164278/umfrage/einkommenssteuerbelastung-1990-und-2010/

Kannst Du sehen, dass jemand mit 20.000,- zu versteuerndem Einkommen 2.634,- zahlt und einer, der das 7,5 fache verdient (150.000,-) über 54.000,-, also mehr als das 20-fache. die oberen 10 % der Bevölkerung, zahlen 50 % der gesamten Einkommensteuer. die nächsten 50 5 die andere Hälfte udn 40 % zahlen keine Einkommen-(und Lohn-)steuer.

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Nur 10 Minuten? Und dann soll auch noch ein Deutschlehrer den referierten Inhalt bewerten? Das kann ja nicht gut gehen. Lehrer und Steuern ist eine schlimme Kombination. Welcher Partei gehört er denn an?

Ich würde berichten, dass es sehr viele unterschiedliche Steuerarten in Deutschland gibt. Haupteinnahmequelle sind die Umsatzsteuer (eine indirekte Steuer, die den Konsum besteuert) und die Lohnsteuer (eine Erhebungsform der Einkommensteuer, die den Einkommenszuwachs besteuert). Daneben gibt es ca. 30 Steuerarten, die neben der Finanzierung des Staates auch Lenkungsfunktion haben, z. B. die Tabaksteuer. Lies dazu mal den Wikipediaeintrag zu "Steueraufkommen Deutschland". Da steht eigentlich alles drin, was Du für die ersten 5 Minuten brauchst. 

Als nächstes würde ich den Begriff der "Gerechtigkeit" klären (s. dazu bitte Wikipedia). Unter einem gerechten Steuersystem könnte man nämlich auch verstehen, dass jeder dasselbe zahlt (Kopfsteuer) oder dass jeder nach Steuern über dasselbe Nettoeinkommen verfügt. Beide Systeme würden aber zu gesellschaftlichen Problemen führen.

In Deutschland besteht das Leistungsfähigkeitsprinzip (s. Wikipedia). Derjenige, der mehr leistet, zahlt auch mehr Steuern, aber nicht soviel, dass am Ende nichts mehr übrig bleibt. Das Prinzip lässt sich am einfachsten anhand der Einkommen- oder Lohnsteuer erklären: Denn unser Steuertarif ist progressiv. Steigt das Einkommen, steigt nicht nur die Steuerlast, sondern auch der Steuersatz auf bis zu 45%.

Interessant ist aber, dass mehr als die Hälfte der Steuern in Deutschland von Arbeitnehmern getragen wird. Körperschaft- und Gewerbesteuer sowie auch die Einkommensteuer machen nur einen Bruchteil der Lohnsteuer aus. Umsatz- und andere indirekte Steuern werden Größtenteils von der arbeitenden Bevölkerung getragen. Stellt sich die Frage, ob das noch fair ist. Wenn Dein Lehrer SPD-Wähler ist, wird er sich bestimmt freuen, wenn Du die Frage mit "Nein" beantwortest. ;)

Hat Dein Lehrer wirklich die Lohnsteuerklasse gemeint? Dann muss ich ihn enttäuschen, denn die Lohnsteuerklassen haben in diesem Kontext nichts zu suchen. Du könntest höchstens die Belastung unterschiedlicher Berufsgruppen untersuchen, z. B. Krankenschwester und Banker. Aber das Thema ist sperrig und für 10 Minuten schwer geeignet.

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Schönen Gruß von einem Fachmann an Deinen Lehrer:

Diese Frage zu beantworten ist noch nicht einmal für Fachleute möglich, geschweige denn für Schüler, die naturgemäß überhaupt keine Ahnung von der Steuersystematik haben (und Lehrer meist auch nicht)...

Ein Aspekt zur Beurteilung der Gerechtigkeit wäre, daß das deutsche Steuersystem durch die Systematik:

"Grundsatz --> Ausnahmen vom Grundsatz --> Ausnahmen von den Ausnahmen"

VERSUCHT eine gewisse Gerechtigkeit zu erreichen, indem man eine inzwischen unüberschaubare Anzahl von Sondervorschriften angehäuft hat, die jede noch so kleine Ungleichheit bzw. Benachteiligung ausgleichen sollen - das führt aber dazu, daß nur noch Experten durch den Steuerschungel finden.

Zudem wird ein gewisser Teil des zu versteuernden Einkommens (z. Zt. 8.652 € für Ledige und 17.304 € für Verheiratete) als Existenzminimum nicht besteuert.

Ein progressive (sprunghaft ansteigende) Besteuerung soll dazu beitragen, das alle Steuerpflichtigen nach ihrer Leistungsstärke besteuert werden (siehe Beitrag "wfwbinder").

Das deutsche Steuerecht wird allerdings, im Gegensatz zu vielen anderen Ländern, konsequent durchgesetzt - es bietet kaum Platz für individuelle Absprachen mit dem Finanzamt.

Es ist insofern gerecht, als das es für alle Bürger gilt und nicht vom Stand abhängig ist (ein Arbeiter/Angestellter muß Steuern zahlen, wie auch ein Selbständiger, wie auch ein Adliger, wie auch ein Politiker, wie auch der Bundeskanzler und der Bundespräsident...).

Grundsätzlich kann kein gesamtes System absolut gerecht sein, sondern man kann sich nur einer Utopie oder einer Definition einer Gerechtigkeit annähern ohne daß diese jemals erreicht werden wird.

Daher kann man nur Einzelaspekte des Steuerrechts auf eine Gerechtigkeit hin untersuchen - und das führt wieder zu den oben erwähnten "Ausnahmen von den Ausnahmen von den Ausnahmen".

Im Großen und Ganzen kann das Steuerrecht als angemessen betrachtet werden.

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Das deutsche Steuerrecht ist ungerecht, weil der Gesetzgebeer betrebt ist eine Einzelfallgerechtigkeit herzustellen und das Recht dadurch  sehr sehr kompliziert geworden ist.

Beispiel "Mövenpicksteuer":

Der nachvollziehbare Ansatz kleine Hotelbesitzer in den Genuss eines verminderten Umsatzsteuersatzes (7 statt 19 %) zu bringen hat die Sache sehr kompliziert, weil der Satz von 7 % nur auf die Übernachtungsleistung erhoben wird. Übrige Leistungen (z. B. Frühstück) werden weiter mit 19 % besteuert. Eine ursprünglich einheitliche Leistung wie Übernachtung mit Frühstück muss nun nur wegen der Umsatzsteuer in der Rechnung auf zwei Leistungen aufgeteilt werden. Dies führt unweigerlich zu Bewertungsproblemen und Streitpotential zwischen Unternehmen und Finanzverwaltung.

Außerdem haben wir - was das Steuerrecht angeht - wenigstens eine Zweiklassengesellschaft. Nämlich die an der Spitze mit hohen Einkommen, die sich ordentliche Steuerberater leisten können und den Rest, der sich von der Finanzverwaltung barbieren lassen muss.

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Hallo Sandiyo12,

die Frage kannst du nicht beantworten, da es auf diese Frage keine richtige Antwort gibt. Alles hat Vor- und Nachteile. Du müsstest dich zur Beantwortung mit der deutschen Gesellschaft beschäftigen und am Ende wirst du zwangsläufig bei der Frage auskommen wofür die Steuern überhaupt verbraucht werden.

Der Grundaufbau unseres Einkommenssteuersystemskann kann erst einmal als gerecht bezeichnet werden. Immerhin gibt es einen Grundfreibetrag, gefolgt von der progressiven Steuertabelle. Das heißt, dass schwächere Einkommen nicht so stark belastet werden wie starke bzw. hohe Einkommen. In diesem Fall spricht man von einer sozialen Ausgangslage, da hohe Einkommen die Last von den niedrigen Einkommen nehmen. Das funktioniert allerdings in der Praxis nicht. Du kannst allerdings mit der Theorie einleiten.

Es gibt allerdings wesentlich mehr Steuerarten, die das Ganze am Ende vielleicht doch nicht so fair gestalten wie gewünscht. Steuerbelastungen auf bestimmte Konsumgüter zur Lenkung der Gesellschaft sind beispielsweise umstritten. Hier wird ein Bevölkerungsteil mehr belastet als der andere. Ein Beispiel hierfür wäre die Tabaksteuer.

Darüber hinaus gibt es unverschämt hohe Steuerabgaben wie die Steuern auf Kraftstoff. Diese belasten wieder einen Teil der Bevölkerung, was fair ist, aber in einem sehr hohen Maße. Die Frage, ob das gerecht ist kann nicht eindeutig mit ja beantwortet werden.

Du tust gut daran dich auf die theoretischen Merkmale zu konzentrieren. Das heißt, du machst dir erst einmal Gedanken warum diese Steuern erhoben werden und ob das in der Theorie eine gute Idee war. An dieser Ausgangslage kannst argumentieren. Eine praktische Betrachtungsweise empfehle ich dir nicht, da das den Aufwand sprengen würde und du das meiner Meinung nach nicht umsetzen kannst. Dein Lehrer wird das von dir in einem 10 minütigen Referat auch nicht verlangen.

Am Ende kannst du auch eine neutrale Haltung vertreten. Du musst kein eindeutiges Ja oder Nein abgeben.

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