Held oder Tyrann?

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5 Antworten

Geklärt werden sollte, was mit den Begriffen »Held« und »Tyrann« gemeint ist. Bei »Held« kann an hervorragende Leistungen, Einsatz und Opferbereitschaft, Bemühen um Ideale/edle Ziele gedacht werden. Mit »Tyrann« wird gewöhnlich jemand gemeint, der gewaltsam und unrechtmäßig an die Herrschaft kommt und sie ausübt, sich grausam verhält, andere unterdrückt, sich willkürlich und zügellos verhält. Nötig ist auf jeden Fall eine genaue Angabe, wie die Begriffe verstanden werden, wenn auf sie Bezug genommen wird.

Die Alternative ist nicht sehr ertragreich, weil eine Darstellung Hannibals als »Tyrann« klar unpassend ist und eine als »Held« stark vom Begriffsverständnis und von Bewertungen abhängt. Dazu gehört dann eine Überlegung, ob Hannibal beim Kampf gegen die Römer für eine gerechte Sache eingetreten ist. Eindeutiger ist das Vorliegen einer machtpolitischen Auseinandersetzung.

Hannibal hat nicht völlig eigenmächtig gehandelt, sondern nach Forderungen der Römer, sich von Sagunt fernzuhalten, nach Karthago berichtet und nachgefragt, was für ein Vorgehen der karthagische Senat empfahl bzw. billigte.

Mein Vorschlag ist, um von einer eher ungünstigen Alternative freizukommen, das Thema abzuwandeln in: Beurteilung Hannibals

Was alles erwähnt werden kann, hängt auch von den Umständen ab (Zeitdauer für Vorbereitung, Länge des Vortrags, schon vorhandene Geschichtskenntnisse).

Wenn Anspruch auf wissenschaftliche Gründlichkeit besteht, ist auf die Quellenlage einzugehen.

mögliche Bestandteile des Vortrages:

  • biographischer Überblick (Lebensdaten, Familie [Vater Hamilkar, Brüder Hasdrubal und Mago, mehrere Schwestern, eine mit Hasdrubal, Politiker und Stratege, verheiratet, eine andere mit dem Numiderfürsten Navaras], wichtige Lebenstationen [z. B. nach der Kriegsniederlage in Karthago 196 v. Chr. Sufet, später im Exil bei hellenistschen Herrschern])
  • Ursachen für den Zweiten Punischen Krieg (Verhältnis zwischen Karthago und Rom und ihre Absichten, Frage eines Vertrages der Römer mit Hasrubal über den Iber/Iberus [heute: Ebro] als Grenze für miltäische Unternehmungen, Forderungen einer römischen Gesandschaft, Streitfall Sagunt und Belagerung und Eroberung durch Hannibal, Kriegserklärung Roms, Gründe Hannibals, sich auf einen Krieg gegen Rom einzulassen)
  • Hannibal Taten im Zweiten Punischen Krieg (Alpenüberquerung mit der Strategie, die Römer in Italien anzugreifen und ihr Bundesgenossensystem auseinanderzubrechen, wichtige Schlachten und Belagerungen/Eroberungen von Städten)
  • Hannibals Leistungen als Feldherr (Strategie, Taktik, Organisation, Umgang mit Soldaten) und Politiker
  • Ursachen für Erfolge und Scheitern Hannibals
  • Beurteilung Hannibals (Fähigkeiten, Motive, Ziele, Gesamtwirken, Persönlichkeit/Charaktereigenschaften)


Bei der Frage der Motive sollte eine kritische Auseinandersetzung mit einem angeblichen Eid des neunjährigen Hannibals gegenüber seinem Vater, immer Feind der Römer zu sein, stattfinden (Behauptung eines in der Famile der Barkiden als Erbe weitergegebenen Römerhasses).

Bei viel zur Verfügung stehender Zeit kann auch auf die Rezeptionsgeschichte eingegangen werden (Material dazu bieten unter anderem: Elisabeth Frenzel, Stoffe der Weltliteratur : ein Lexikon dichtungsgeschichtlicher Längsschnitte. 10., überarbeitete und erweiterte Auflage unter Mitarbeit von Sybille Grammetbauer. Stuttgart : Kröner, 2005 (Kröners Taschenausgabe ; Band 300), S. 347 – 350 [Hannibal]; Eric M. Moormann/Wilfried Uitterhoeve, Lexikon der antiken Gestalten : von Alexander bis Zeus. Übersetzt von Marinus Pütz. 2. Auflage Stuttgart : Kröner , 2010, S. 298 – 302 [Hannibal]; Laura Muth, Hannibal. In: Historische Gestalten der Antike : Rezeption in Literatur, Kunst und Musik; Herausgegeben von Peter von Möllendorff, Annette Somonis und Linda Simonis. DNP : Der Neue Pauly. Supplement-Band 8. Stuttgart ; Weimar : Metzer, 2013, Spalte 479 – 490)

In Bibliotheken gibt es Bücher, z. B.:

Pedro Barceló, Hannibal : Stratege und Staatsmann. Stuttgart : Reclam, 2012 (Reclam-Taschenbuch ; Nr. 20263). ISBN 978-3-15-020263-0 (Taschenbuchausgabe eines zuerst 2004 erschienenen Werkes)

Karl Christ, Hannibal (Gestalten der Antike), Primus-Verlag : Darmstadt 2003- ISBN 3-89678-472-2

Robert Garland, Hannibal : das gescheiterte Genie. Aus dem Englischen von Elisabeth Begemann. 1. Auflage. Darmstadt ; Mainz : von Zabern, 2012. ISBN 978-3-8053-4540-8

Klaus Geus, Prosopographie der literarisch bezeugten Karthager. Leuven : Peeters, 1994 (Studia Phoenicia ; 13 = Orientalia Lovaniensia analecta ; 59), S. 75 – 94 (Hannibal (9))

Linda-Marie Günther, Hannibal [4]. In: Der neue Pauly (DNP) : Enzyklopädie der Antike ; Altertum. Herausgegeben von Hubert Cancik und Helmuth Schneider. Band 5: Gru - Iug. Stuttgart ; Weimar : Metzler, 1998, Spalte 152 – 154

Herbert Heftner, Der Aufstieg Roms : vom Pyrrhoskrieg bis zum Fall von Karthago (280 - 146 v. Chr.). 2., verbesserte Auflage. Regensburg : Pustet, 2005. ISBN 3-7917-1563-1 (S. 201 – 312 und S. 448 – 460 [Anmerkungen]: Vierter Teil. Hannibal gegen Rom: Der Zweite Punische Krieg)

Werner Huß, Die Geschichte der Karthager. München : Beck, 1985 (Handbuch der Altertumswissenschaft : Abteilung 3 ; Teil 8). ISBN 3-406-30654-3

Werner Huß, Karthago. Originalausgabe. 4., durchgesehene Auflage. München : Beck, 2008 (Beck'sche Reihe : C.-H.-Beck-Wissen ; 2025). ISBN 978-3-406-39825-4

Serge Lancel, Hannibal : die Biographie. Aus dem Französischen von Bernd Schwibs. Düsseldorf : Albatros-Verlag, 2000. ISBN 3-491-96005-3

Jakob Seibert, Hannibal. Wissenschaftliche Buchgesellschaft : Darmstadt 1993. ISBN 3-534-12029-9

Jakob Seibert, Forschungen zu Hannibal. Wissenschaftliche Buchgesellschaft : Darmstadt 1993. ISBN 3-534-12091-4

Jakob Seibert, Hannibal. Feldherr und Staatsmann. (Zaberns Bildbände zur Archäologie), Zabern : Mainz 1997. ISBN 3-8053-1800-6

Klaus Zimmermann, Rom und Karthago. 3., durchgesehene, bibliographisch aktualisierte Auflage. Darmstadt : Wissenschaftliche Buchgesellschaft, 2013 (Geschichte kompakt : Antike). ISBN 978-3-534-26025-6

Klaus Zimmermann, Aufstieg und Fall einer Großmacht. Stuttgart : Theiss, 2010. ISBN 978-3-8062-2281-4

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Hannibal ist ein interessantes und spannendes Thema. Ich rate dir zu ungefähr folgendem Vorgehen:

1. Überblick über Hannibals Biographie/Lebensdaten.

2. Warum wollte Hannibal Rom angreifen?

3. Hannibals Alpenzug, die wichtigsten Schlachten.

4. Hannibal als Militärstratege, Organisator und Politiker.

5. Warum ist Hannibal gescheitert?

Was dein Vorhaben angeht, Hannibal als "Held und Tyrann" darzustellen, kann ich nur sagen: Hannibal war weder das eine noch das andere!

Hier noch ein paar Literaturhinweise:

MfG

Arnold


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Held oder Tyrann ist das Thema, zu dem ihr jemanden vorstellen müsst, der das eine oder andere war bzw. von dem man meint, er sei so gewesen?

Wie kommst du denn auf Hannibal, wenn du ihn ja anscheind doch nicht darunter einordnen kannst?

Und - mal abgesehen davon, dass es stark darauf ankommt, wer ihn beurteilt (= Freund oder Feind) - willst du ihn nach unseren heutigen Maßstäben beurteilen, oder suchst du dir damalige Quellen?

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Marius und Sulla passen m.E. eher zu dem Thema. (s. @ArnoldBentheim)

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Da erhebt sich sofort die Frage: Wer oder was ist ein Held?

Ich finde die gegebene "Alternative" sinnfrei. Das ist aber keine Kritik an dir, sondern eine Kritik an der meiner Meinung nach blöd-sinnigen Vorgabe in der Aufgabenstellung.

Hannibal war mit Sicherheit kein  Tyrann - aber ein "Held"?

P.S.: im Voraus

Gruß, earnest

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