Hat der Mensch einen freien Willen?

Support

Liebe/r Alpaslan Polat,

noch einmal weise ich Dich daraufhin, dass gutefrage.net ein Ratgeberforum ist. Bitte beachte dies bei Deinen Fragen.

Lieben Gruß.

Peter vom gutefrage.net-Support

9 Antworten

Freier Wille ? als gedankliche Vorstellung :mal ja ,mal nein. jedoch ohne sichere konkrete Realitätsaussage.Wir befinden uns also alle im Zustand der Unwissenheit zu dieser Angelegenheit.Wenn wir uns damit zufrieden geben oder diesen Unwissenheitszustand akzeptieren,sind wir auf dem besten Weg, Zufriedenheit zu schaffen.Wem nutzt es ,ob wir einen freien Willen haben oder daran zweifeln ,oder so tun als hätten wir ihn.Für die Religionen und der Staat ist es natürlich sehr wünschenswert den freien Willen zu haben,alle persönliche Handlungen und ihre Konsequenzen wären damit rechtfertgt.Vielleicht ist es für den sterbenden Menschen ,die wir ja alle sind,den Augenblick bewusst zu genießen anstatt sich über ünlösbare immer wiederkehrende Gedankenprobleme ,das kurze Leben zu erschweren.

Du hattest den freien Willen, mit Deiner Frage ins Internet zu gehen und auch die anderen haben die Freiheit, zu antworten. An dieser Tatsache ändert nichts, dass unsere Gedanken durch chemische und(oder) elektronische Reaktionen ablaufen. Ich denke, es ist gedanklich gemogelt, wenn man aus der physischen Grundlage eine Bestimmung des Inhalts der Gedanken "ableitet".

Der zweite Punkt ist, dass dieser Wille Umstände vorfindet, sowohl in den Naturgesetzen als auch in der Gesellschaft. Damit befasst er sich und entscheidet nach seinen Überlegungen, die er anstellt.

Mit dem freien Willen verhält es sich wie mit dem Gewissen: Wenn ich nach meinem Gewissen entscheide, entscheide ich frei von mir aus. Aber eben "ich" entscheide mit "meinem" Gewissen. Und "ich" bin ein absolut bedingtes Wesen (Herkunft, Sozialisation, Werte, Zeit et.), dazu kommt die unermessliche Welt des Unbewussten ("Das Ich ist nicht Herr im Haus"!)... Folglich ist das ein relatives Freisein - eben in Bezug nur auf meine eigene und momentane(!) Existenz.

Lieber Alpaslant Polant, ich glaube auch, daß wir ziemlich durchprogrammiert sind, und sehr oft, sogar wenn wir auf den ersten Blick glauben, daß wir selber etwas entscheiden, eigentlich gar nicht frei sind. (Das solltest Du aber nicht jedem mitteilen, weil viele nicht in der Lage sind das zu unterscheiden;-), und es nur Aggressionen hervorruft.) Es gibt aber einige wichtige Aspekte wo Du auf jeden Fall noch selber wählen kannst: Was Du über eine Sache denkst die dich begegnet. Ob du ein Urteil darüber machst oder nicht. Wir neigen dazu alles als gut oder böse zu bewerten. Und die Sachen erhalten dadurch ihren Wert. Hier kannst Du ENTSCHEIDEN. (zB: Ist das Glas halb voll oder hal leer.) Diese Art zu denken benötigt eine ständige Aufmerksamkeit, aber es lohnt sich auf jeden Fall. Liebe Grüße

Es gibt zu dieser Frage natürlich mehrere Erklärungsansätze und Theorien. Nach Baruch de Spinoza und Franz Kafka, ist jedoch der Glaube an den freien Willen und dem freien Handeln des Menschen eine Illusion. Eine unendlich lange Kette von Geschehnissen und Handlungen in der fernen, aber auch nahen Vergangenheit bestimmt unseren Willen und unser Handeln. Bis zur klaren Entstehung unseres Willens, gibt es in der menschlichen Psyche eine Reihe anderer Stufen, die von unserem Gehirn durchschritten werden müssen, damit sich in uns ein konkreter und bewußter Wille herausbilden kann. Diese Vorstufen oder Entwicklungsstufen des Willens, sind z.B. die unbewußten Neigungen und Wünsche des Menschen, die individuellen Lebensumstände und die daraus erwachsenden Probleme, die entstandene Idee, die Überlegungen und die Bewertung dieser Idee, der Zwang für die Umsetzung der Idee zur Lebensbewältigung, die ethisch-moralischen Aspekte, u.s.w. Das bedeutet, daß sich unser Wille aufgrund von inneren und äußeren Umständen formt und nicht von unserem Lebensumfeld ausgeklammert entstehen kann. Wir sind als Menschen manipulierbar und wir manipulieren gewollt oder ungewollt andere Mitmenschen.

Spinoza erwähnt in seinen philosophischen Abhandlungen, daß auf dem Weg zur Willensbildung des Menschen, als erstes die Eindrücke des Menschen über sein Umfeld entstehen, dann die Gedanken, als nächstes kommen die Überlegungen, dann die Ideen und schließlich kommen seine Neigungen, seine unbewußten und bewußten Wünsche zum Tragen, bis schließlich all das und andere Parameter mehr, Zug um Zug zur Bildung eines konkreten Willens beim Menschen beitragen.

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