Hassen die Franzosen Deutschen mehr oder die Deutschen Franzosen?

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20 Antworten

Ich hasse die Franzosen nicht. 

Ich halte sie für etwas arrogant, andererseits bewundere ich ihren Stolz, was die eigene Sprache betrifft. Die rennen nicht jedem Trend aus Amiland hinterher und reden auch nicht unbedingt englisch. Gefällt mir. 

Umgekehrt habe ich früher durchaus Abneigung gespürt von einigen. Ich denke einige ältere Franzosen haben immer noch Vorbehalte wegen dem Krieg damals. 

Wurzelstock 12.11.2017, 23:21

Vorbehalte, ja. Aber keinen Hass. Nicht einmal die Franzosen aus Oradour s. G.

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Wegen der vielen Kriege wurde das Verhältnis der Deutschen und Franzosen früher als Erbfeindschaft beschrieben.

Nach dem zweiten Weltkrieg haben Adenauer und De Gaulle sehr viel für die deutsch-französische Völkerverständigung getan und das hat sich bis heute ausgezahlt.

Ich bin sehr viel in Frankreich und habe auch angeheiratete französische Verwandtschaft. Da gibt es keinerlei Ressentiments mehr. Ganz im Gegenteil, wir treffen überall auf große Gastfreundschaft.

Vor  mehr als 30 Jahre habe ich schon noch erlebt, wie Deutsche mit „Boche“  beschimpft wurden. Das halte ich aber heute für nahezu ausgeschlossen. -

Ein paar zu vernachlässigende Ewiggestrige wird es natürlich auf beiden Seiten noch geben.

abibremer 12.11.2017, 13:46

Die Franzosen die mit Autoelektrik zu tun haben, kommen aber um "Bosch" nicht herum.......

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Wurzelstock 12.11.2017, 22:34

Hacklberg - die Bezeichnung "Boche" ist eine rein konventionelle Gewohnheit und drückte nach dem 2. Weltkrieg zwar eine Geringschätzung aus, aber keine hasserfüllte Beleidigung mehr. So, wie eben in den "bildungsfernen" Schichten aller Völker die benachbarten Nationalitäten kollektiv herabgesetzt wurden. Das war seit dem 19. Jahrhundert so. In den Romanen eines Dostojewski kann man es studieren.

In Westeuropa hat es sich stark verloren. Nur ein paar ewig Gestrige versuchen es wiederzubeleben. Auch die finden sich in ganz Europa, wie ich als Fernfahrer weiß. Nur in Frankreich gibt es so gut wie keine.

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Wie man in den Wald hinein ruft, so schallt es heraus. Als ich vor über vierzig Jahren zum ersten Mal mit dem LKW allein in Frankreich unterwegs war, hatte ich doch leichte Befürchtungen, dass ich Probleme bekommen könnte, wenn die Franzosen mich als Deutschen erkannten. NEIN: Ich wurde freundlich begrüßt, man zeigte mir die Rampe an die ich heranfahren sollte und gab sich Mühe, dass ich auch wirklich alles richtig verstehen konnte. Meine sprachlichen Fähigkeiten waren mit "rechts" und "links" sowie mit "telephon" auch schon an ihrem kläglichen Ende.

Ich würde nicht sagen, dass ganz allgemein gegenseitiger Hass besteht, aber ich würde vermuten, dass die Deutschen in Frankreich unbeliebter sind als die Franzosen in Deutschland.

Das liegt vor allem daran, dass die Deutschen sich oft sehr ungehobelt und besitzergreifend benehmen, von ihrer Kultur her, und das kommt in raffinierteren Kulturen, wo Höflichkeit und Umgangsformen einen höheren Stellenwert haben, nicht besonders gut an.

Kommt hinzu, dass der deutsche Akzent auf französisch schrecklich klingt, abgehackt, militärisch, es tut in den Ohren weh, während der französische Akzent auf deutsch von den meisten Deutschen eher als charmant und positiv bewertet wird.

Nein, habe ich noch nie erlebt. Ich wohne in Grenznähe.  Als Kind habe ich immer mit Kindern aus FR gespielt. Die hatten lange Ferien und waren bei Oma zu Besuch und ich war neidisch weil die solange frei hatten. Die Mutter war vorher Deutsche. Gibt es aber hier sehr oft. Viele arbeiten hier und umgekehrt natürlich auch. In den Straßen, Geschäften, bei Festen,  erkennt man sie an der Sprache, entweder elsässisch oder französisch. 

Ich denke die Zeiten, in denen sich Deutsche und Franzosen gehasst haben, sind lange vorbei.

Selbst in Elsass-Lothringen wo sich viele Ältere lange geweigert haben, deutsch zu sprechen obwohl sie es noch konnten, spürt man kaum noch was anderes als Freundschaft und europäische Verbundenheit.

Viele Franzosen arbeiten in Deutschland und pendeln aus den Grenzregionen. Aber über die gegenseitigen Bevölkerungsanteile, kann ich nichts sagen.

Wurzelstock 12.11.2017, 22:38

Jessy - die Elsässer fühlten sich lange als eigene Nation. Ob das heute noch so ist, weiß ich nicht. Es gab aber demensprechend auch Elsässer, die ihre Heimat verließen, als die Deutschen dort abzogen. Zwar war ganz Frankreich gespalten in Widerständler und Kollaborateuren, aber gerade im Elsaß war das sehr ausgeprägt.

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Die Nachkriegszeiten sind vorüber. Wer  sollte hier wen hassen ? für Geschehnisse, die mindestens 2 Generationen zurückliegen?

SIULB 12.11.2017, 13:26

Als ob Hass generell an Krieg geknüpft wäre.

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Wenn man in der Welt herum fährt und als Deutscher irgendwo einen Franzosen trifft, dann stellt sich sofort eine enge Verbundenheit ein.

Das ist das Ergebnis der politischen Bemühungen um eine Freundschaft. Sie ist Wirklichkeit geworden. 

Cavallerizza 12.11.2017, 13:35

Richtig. Wir sind uns bewusst dass wir zum gleichen Europa gehören.

Zum Thema Deutschenhass in Europa mal diesen Link:

https://www.cicero.de/aussenpolitik/das-deutschfeindlichste-land-europas/49363

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Wurzelstock 12.11.2017, 23:29
@HansH41

"Tja, die Schweiz ist eben nicht EU-Europa."

Es ist das autonome Herz Europas. Das ist auch gut so.

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abibremer 13.11.2017, 12:01
@Wurzelstock

Ein Herz VERSORGT aber den "restlichen Körper" mit Blut, während die Schweiz, bzw. deren Banken Geld von Europa abzapfen.

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Ich hoffe, dass es zwischen Franzosen und Deutschen keinen "Hass" mehr gibt. Der sollte nach 70 Jahren Frieden und der tragenden Mitgliedschaft beider Länder in der EU wahrlich überwunden sein.

Gegen Dummheit ist jedoch kein Kraut gewachsen, sagt man. Und so gibt es sicher auch heute noch eine Minderheit von Franzosen und umgekehrt Deutschen, welche sich gegenseitig nicht riechen können. Man kann dies jedoch nicht in einer Zahl festmachen.

Ich jedenfalls liebe Frankreich, die Sprache, die französische Lebensart und auch die meisten Franzosen mit denen ich bisher Kontakt hatte. Vielleicht kommt das aber auch nur daher, dass ich bereits in jungen Jahren in einer französischen Familie meine Sommerferien verbringen durfte und deren Söhne bei uns in Deutschland. Ich würde es jedenfalls allen jungen Leuten wünschen, weil es die Menschen auf die natürlichste Art verbindet. 

HohutiSorent 15.11.2017, 11:54

Ich jedenfalls liebe Frankreich, die Sprache, die französische Lebensart und auch die meisten Franzosen mit denen ich bisher Kontakt hatte. 

Das heisst aber nicht dass "die" Franzosen eine genauso schwärmerische Sicht auf Deutschland haben...

Ich vermute, dass gerade diese Liebe eher einseitig ist...

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Meines Wissens sind die Biodeutschen bei den Biofranzosen nach französisch-sprachigen Belgiern, Schweizern und Luxemburgern die beliebtesten Ausländer, noch vor den Briten. Und die Biodeutschen können die Biofranzosen auch gut leiden.

Bei den Neudeutschen und Neufranzosen ist die Beliebtheit natürlich überwiegend davon abhängig, ob einer Muslim ist oder nicht.

Ich hoffe, dass weder die Deutschen - wer sind denn Die Deutschen - die Franzosen hassen, noch umgekehrt. 70 Jahre nach dem Krieg sollte das nicht mehr nötig sein.

Und wie gesagt: wer sind Die Deutschen? WEr sind Die Franzosen?

Den Haß gibt es nur in deiner Phantasie. Vielleicht haßt ja du, dann allerdings allein.

Das ist heutzutage nicht mehr relevant.

Die deutsch-französische Freundschaft ist seit der Rede des damaligen frz. Präsiden Charles de Gaulle am 09.09.1962 erklärtes Ziel beider Völker.

Die sogenannte "Erbfeindschaft" ist erloschen und im Mülleimer der Geschichte gelandet.

Ich habe in Franklreich noch keinen Deutschenhasser getroffen und kenne hierrzulande auch keinen Franzosenfresser.

Welche Indizien gibt es für das eine oder das andere?

Es gibt keinen Hass mehr zwischen Deutschen und Franzosen. Die Politik der Aussöhnung und der Freundschaft, die Adenauer und DeGaulle initiiert haben, trägt Früchte. 

Schüleraustausch, partnerschaftliche Städteverbindungen, all das hat dazu beigetragen, diesen Erbfeindschaftsscheiss hinter sich zu lassen.

In Paris werden jetzt viele Wegweiser auch auf Deutsch aufgestellt, vor 30 Jahren wäre das noch nicht vorstellbar gewesen.

Zur Frage in der Überschrift: Ich habe nie verstanden warum sich Franzosen und Deutsche hassen sollten. Ich kenne das gar nicht. Meistens hat man nur mit den direkten Nachbarn "Probleme", und ich komme von der anderen Seite Deutschlands.

Nachdem ich mich etwas mit der deutschen Geschichte auseinandergesetzt habe, hatte ich zumindest Verständnis dass es mal so war. Das sollte aber Vergangenheit sein.

Zur Frage im Text: Das weiß ich nicht. Lässt sich aber sicher googlen.

Meines Wissens gibt es mehr Deutsche, die Französisch lernen, als Franzosen, die Deutsch lernen, mehr Frankreich-Freunde in Deutschland als Deutschland-Freunde in Frankreich, mehr Initiative und Engagement für deutsch-französische Freundschaft in Deutschland als in Frankreich.

Ob das aber tatsächlich mit "Haß" zu tun hat, mit Ressentiments oder schlicht mit Desinteresse, das ist eine andere Frage.

schmerberg 12.11.2017, 13:10

Der Vergleich mit der Sprache ist zwar richtig, aber etwas schräg. Die "Grande Nation" reklamiert für sich einen anderen Stellenwert und irgendwie meinen die, dass jeder Französisch sprechen muss, der sich mit ihnen unterhalten will.

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anniegirl80 12.11.2017, 13:20
@schmerberg

Ja, das ist leider so. Sogar in der französischen Schweiz kommst du mit Englisch noch besser an als mit Deutsch.

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schmerberg 12.11.2017, 13:23
@anniegirl80

Die sind auch Schweizer, die zufällig Französisch sprechen, aber im Kopf schon sehr multinational (und -lingual) sind

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OlliBjoern 12.11.2017, 13:23
@schmerberg

Sagen wir mal so: ich habe noch von keinem Deutschen gelesen, der sich darüber beschwert hat, dass er in England (oder den USA) Englisch sprechen muss.

Jedoch beschweren sich viele darüber, wenn sie in Frankreich Französisch sprechen sollen. Das scheint mir nicht wirklich konsequent zu sein.

Was bei dem einen Land als Selbstverständlichkeit akzeptiert wird, wird bei dem anderen Land nicht akzeptiert.

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OlliBjoern 12.11.2017, 13:35
@schmerberg

Wieso "zufällig"?

Da könnte ich ja auch behaupten, es sind Franzosen, die "zufällig" in der Schweiz wohnen. Jedenfalls sieht man bei Volksabstimmungen, dass die Leute oft deutlich anders abstimmen als die Deutschschweizer.

Den "Röstigraben" scheint es schon seit dem 4. Jahrhundert vor Christus zu geben. Die heutigen Landesgrenzen der modernen Schweiz kamen später.

https://de.wikipedia.org/wiki/R%C3%B6stigraben

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Wurzelstock 12.11.2017, 22:48
@anniegirl80

"Ja, das ist leider so. Sogar in der französischen Schweiz kommst du mit Englisch noch besser an als mit Deutsch."

Das halte ich für ein Märchen. Ich habe ein Jahr lang in der Schweiz als LKW-Fahrer gearbeitet, und kenne sie kreuz und quer. Tatsache ist, dass die Deutschen von allen europäischen Sprachen oft nur Englisch sprechen - gerade im Unterschied zu den vielsprachigen Schweizern.

Deshalb kann es passieren - und nicht nur in der Schweiz - dass einer um jeden Preis Englisch mit einem Deutschen sprechen will; selbst dann, wenn der die Landessprache spricht.

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Wurzelstock 12.11.2017, 22:55
@OlliBjoern

Olli - hinzu kommt noch eine andere Eigenart: Die deutschen Fahrerkollegen scheuten sich oft, in den Restaurants Routier essen zu gehen und gaben sich dabei heimatverbunden stolz. In Wirklichkeit kamen sie mit der französischen Esskultur nicht zurecht. Das gaben sie spätestens dann verlegen zu, wenn ich sie einlud. Es hat dann aber allen gefallen.

Übrigens gab das einen interessanten Interessenkonflikt, als ich für einen spanischen Unternehmer fuhr, und wir zu zweit auf dem Kutschbock saßen. Der Spanier wollte möglichst in Spanien rasten wegen des Essens, und ich möglichst in Frankreich aus dem gleichen Grund. ;-))

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Diese provozierende Frage ist barer Unsinn. Die Deutschen haben in Europa keine besseren Freunde als die Franzosen.

schmerberg 12.11.2017, 13:12

und umgekehrt

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hummel3 12.11.2017, 19:32
@schmerberg

Ihr könntet beide recht haben! - Hass ist ein großes Wort, welches zwischen Franzosen und Deutschen keinen Platz mehr hat.

Dennoch müssen sich auf der rein menschlichen Schiene ja nicht alle "um den Hals fallen." Das gibt es auch bei anderen Nationen nicht pauschal.

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Wurzelstock 12.11.2017, 22:12
@hummel3

"Dennoch müssen sich auf der rein menschlichen Schiene ja nicht alle "um den Hals fallen."
Du irrst dich. Zwischen Franzosen und Deutschen ist das grundsätzlich so, seit die beiden großen alten Männer de Gaulle und Adenauer das vorgemacht haben.

Das ist damals auch nicht vom Himmel gefallen. Seit der Französischen Revolution gibt es eine starke Affinität zwischen Franzosen und Deutschen, die selbst durch die großen Kriege und den Nationalsozialismus nicht ausgelöscht wurde. Es war eine hochwirksame Gegenströmung, die in den Völkern verankert war. Im Gegensatz zur angeblichen "Erbfeindschaft", die es in dieser Weise nie gab - trotz aller Agitation einiger verbohrter Eroberungspolitiker.

Selbst während der Besatzungszeiten, deren eine ich selbst erlebt habe, war das Einvernehmen überwiegend bestens. So gut, dass meine lokale Muttersprache links des Rheins durchsetzt ist von Französischen Ausdrücken und Wendungen.

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Wurzelstock 12.11.2017, 22:16
@Wurzelstock

PS.: Der Düsseldorfer Heinrich Heine ist vor den Preussen davongelaufen - nicht vor den Franzosen!

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Das Wort ,,Hassen" in der Überschrift halte ich in diesem Zusammenhang für realitätsfremd.


Die hassen sich überhaupt nicht, aber einige Deutsche sind keine Franzosenfreunde und umgekehrt das ist doch total normal.

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