Gerechtigkeitstheorien in der Antike. Hilfe bitte!

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Platons Gerechtigkeitstheorie ist vor allem in dem Dialog Politeia, Buch 1,2 und 4 entwickelt (Sokrates führt Erörterungen mit Kephalos, Polemnachos, Thrasymachos, Adeimantos und Glaukon). Eine Auseinandersetzung mit sophistischen Auffassungen, vor allem einem beanspruchten natürlichem Recht des Stärkeren und einem Mehrhaben (Pleonexie; πλεονεξία [pleonexia]) als gewünschte vorteilhaftem Zustand enthält auch der auf die Redekunst (Rhetorik) bezogene Dialog Gorgias 454 b – 527 b (Sokrates diskutiert mit Gorgias, Polos und Kallikles).

Aristoteles hat seine Gerechtigkeitstheorie in seinem Werk Nikomachische Ethik, Buch 5 dargestellt.

Eine vollständige genaue Darlegung erfordert eine Abhandlung in Buchumfang. In diesem Rahmen ist nur eine Skizzierung von Grundzügen und eine Darstellung und Erläuterung von Kernaussagen möglich.

Mit aussagekräftigen Suchbegriffen daraus kann im Internet viele gefundene werden. Platon und Aristoteles haben in ihrer Gerechtigkeitstheorie eine Reihe von Gemeinsamkeiten.

Sie vertreten in ihrer Ethik einen Eudaimonismus. Glückseligkeit εὐδαιμονία [eudaimonia]) ist nach ihnen das höchste und letzte Ziel (Endziel; τέλος [telos]) menschlichen Handelns.

Sie vertreten eine Tugendethik. Mit Tugend wird eine vorzügliche Charaktereigenschaft bezeichnet. In einer Tugendethik geht es um das Anstreben des Guten (τὸ ἀγαθόν). Das griechische Wort für Tugend ἀρετή drückt Vortrefflichkeit aus (sehr wörtlich genommen steht es für etwas, das am besten ist – Bestheit). Damit ist auch Tüchtigkeit und Tauglichkeit gemeint, während das deutsche Wort „Tugend“ oft teils mit moralistischem Reglementieren, teils mit bloß funktionellen Qualitäten verbunden ist. Tugendethiken richten ihre Aufmerksamkeit auf das Gute bei Personen und deren innere Einstellung. Gerechtigkeit ist sowohl um ihrer selbst willen als auch um ihrer Folgen willen erstrebenswert.

Platon und Aristoteles verwenden ein Konzept des eigentümlichen Werkes/der spezifischen Funktion als Argument. Es gibt etwas, wodurch sich etwas besonders auszeichnet, was nur es leistet oder es am besten kann. Eine Tugend verwirklicht eine solche eigentümliche/ Qualität der Seele und die Entfaltung einer solchen Anlage führt zugleich zu Glück.

Nach Platons Standpunkt ist Wissen/Erkenntnis für Tugend notwendig (zur Gleichsetzung, dem „Tugendwissen“ vgl. Menon 87 c – 89 a, Politeia 348 c – 351 c, Gorgias 460 b, Laches 194 d, Protagoras 360 d). Fehlverhalten ist ein intellektuelles Versagen. Wer wirklich eine Einsicht (eine echte Erkenntnis) hat, handelt auch ihr entsprechend.

Aristoteles teilt dies Urteil grundsätzlich, allerdings modifiziert. Es kommt darauf, nicht nur etwas an sich zu wissen wie eine aufgesagte leere Formel, sondern tatsächlich von dem Wissen erfüllt zu sein und sich Einsichten konkret geistig vor Augen zu führen (Nikomachische Ethik 7, 1 – 11 zum Problem der Unbeherrschtheit/Willensschwäche, der Akrasie (ἀκρασία [akrasia]).

Gerechtigkeit bzw. das Gerechte ist eine Idee. Der Sache gilt dies, obwohl manche Darstellungen dies anders deute) für Aristoteles, auch wenn er sich zu einer Idee des Guten ablehnend äußert (Nikomachische Ethik 1, 4).

Neben einigen einzelnen Unterschieden weicht Aristoteles von Platon vor allem darin ab, einen Begriff der Gerechtigkeit als besondere Tugend mit Bezug auf andere Personen zu entwickeln und ausgiebig zu untersuchen, während Platon zwar manchmal auf solche Gesichtspunkte eingeht, aber in zentralen Aussagen das Wesen des Gerechten in einem allgemeinen Begriff einer richtigen Ordnung bestimmt und Bezüge auf Verteilung von Gütern sich dann eher als Folge dieser Ordnung ergeben.

Platon

In Platons Dialog Politeia wird von der Figur Sokrates der Versuch unternommen, die Gerechtigkeit zuerst am Staat als großem Modell (das gleiche Geschriebene in größeren Buchstaben und daher besser ablesbar) zu betrachten (368d – 369b) und anschließend im einzelnen Menschen nach einer Ähnlichkeit suchen. Er geht aus vom Vorliegen einer Entsprechung (Analogie, Isomorphie) zwischen Staat und Einzelmensch aus. Die Hoffnung ist, bei der Entstehung des Staates (in Gedanken) Gerechtigkeit und Ungerechtigkeit leichter entdecken zu können.

Gerechtigkeit (δικαιοσύνη) besteht nach Platons Auffassung aber nicht einfach darin, sich als Menschen in einem Staat zusammenzufinden, sondern in einer dabei verwirklichten richtigen Ordnung. Wenn diese Ordnung im Staat bzw. der Seele des einzelnen Menschen nicht verwirklicht wird, mangelt es an Gerechtigkeit.

Definition: Gerechtigkeit bedeutet nach Platon, das Seine zu tun (Politeia 433b τοῦτο τοίνυν, ἦν δ᾽ ἐγώ, ὦ φίλε, κινδυνεύει τρόπον τινὰ γιγνόμενον ἡ δικαιοσύνη εἶναι, τὸ τὰ αὑτοῦ πράττειν). Gerechtigkeit besteht in einem Haben und Tun des Eigenen und Seinen (Politeia 433 e – 434 a ἡ τοῦ οἰκείου τε καὶ ἑαυτοῦ ἕξις τε καὶ πρᾶξις δικαιοσύνη; Zusammenhang: Entscheidungen in Rechtssachen haben als Ziel, daß jeder weder Fremdes hat noch des Eigenen beraubt wird).

Das Erfüllen der eigenen Aufgabe (οἰκειοπραγία) jedes Standes und Tun des Seinen im Staat ist Gerechtigkeit und macht den Staat gerecht (434a – 434c). Die Gerechtigkeit im einzelnen Menschen besteht darin, daß die drei Seelenteile, das Vernünftige, das sich Ereifernde und das Begehrliche, das Ihre tun (441e – 442b). Ihr richtiges Zusammenwirken besteht darin, daß das Vernünftige leitet/herrscht, das sich Ereifernde es unterstützt und das Begehrliche sich leiten/beherrschen läßt.

Die Gerechtigkeit liegt nach Platons Auffassung in Wahrheit nicht im äußeren Tun, sondern im inneren Verhältnis zu sich selbst (Politeia 443 – 444). Sie schafft Einheit. Die Teile/Arten/Strebeformen der Seele dürfen in Bezug aufeinander nichts Fremdes tun und nicht vielerlei treiben (also nicht ihre Zuständigkeit überschreiten). Gerechtigkeit ist eine Gesundheit der Seele, ein Einklang mit sich selbst (Harmonie).

Die vier Haupttugenden sind nach Platon Besonnenheit (σωφροσύνη), Tapferkeit (ανδρεία), Weisheit (σοφία) und Gerechtigkeit (δικαιοσύνη). In einer Verbindung mit einer Seelenlehre/Psychologie sind diese Tugenden mit drei unterschiedenen Seelenteilen/ Arten der seelischen Ausrichtung/seelische Strebeformen (die alle Denken, Fühlen und Wollen umfassen) jeweils auf besondere Weise verbunden (auch wenn sie alle Vernunft voraussetzen): Die Besonnenheit mit einer Kontrolle über das Begehrende (τὸ ἐπιθυμητικόν), die Tapferkeit mit dem Muthaften/sich Ereifernden (τὸ θυμοειδές; gemeint ist nicht wütend sein, sondern eher etwas wie engagiert sein), die Weisheit mit dem Vernünftigen (τὸ λογιστικόν) und die Gerechtigkeit mit einer Übereinstimmung/Harmonie aller Seelenteile/Seelenvermögen. Das Vernünftige ist mit Erkenntnis verbunden, das sich Ereifernde mit Meinung und das Begehrliche mit Sinneswahrnehmung. Die Vernunft soll die Leitung übernehmen, eine kluge Fürsorge/Voraussicht (προμήθεια). Platon beschreibt das Verhältnis bei gutem Zusammenspiel (dem gerechten Zustand) als Freundschaft (φιλία), Übereinstimmung/Einklang (συμφωνία) und Harmonie (ἁρμονία).

Es gibt etwas noch Größeres als die Gerechtigkeit (504d). Der größte Wissensgegenstand ist die Idee des Guten (ἡ τοῦ ἀγαθοῦ ἰδέα μέγιστον μάθημα 505a). Durch sie wird das Gerechte brauchbar und nützlich.

Gerechtigkeit ist für die Seele das Beste (612b) und lohnt sich auf die Dauer (613 d - e). Ein Mythos zeigt Lohn und Strafe nach dem Tod (614a – 616a). Die schlechtere Lebensweise ist die, durch welche die Seele ungerechter wird, die bessere die, durch welche die Seele gerechter wird (618 d - e).

Ein Gedanke aus Platon, Nomoi 757 a – d: Es gibt zwei Arten von Gleichheit. Die eine, leicht zu handhabende, ist die Gleichheit nach Maß, Gewicht und Zahl. Zu ihr gehört die Verteilung nach Los. Die wahrste und beste Gleichheit dagegen ist nicht leicht zu erkennen. Sie mißt nach der Natur eines jeden, verteilt nach dem Verhältnis. Das Gerechte gibt Ungleichen jeweils das nach ihrer Natur Gleiche, nämlich Ungleiches.

Aristoteles

Das Gerechte ist das proportional Gleiche bei der Verteilung von zuteilbaren Gütern.

Gerechtigkeit gehört nach der von Aristoteles vorgelegten Gerechtigkeitstheorie zu den Charaktertugenden. Gerechtigkeit (δικαιοσύνη) ist die Haltung (ἕξις), aus der heraus die Menschen auf das gerechte Handeln gerichtet sind, das Gerechte tun und das Gerechte wollen.

Gerechtigkeit gibt es als:

A) allgemeine Tugend: Tugend in Bezug auf andere Personen (und in gewissem Sinn damit Gesetzlichkeit)

B) besondere Einzeltugend: Tugend in Bezug auf andere Personen, wo es um Einhalten einer Gleichheit geht (wer ungerecht ist, verletzt aus Gewinnsucht die Gleichheit); das Gerechte ist das Gleiche (τὸ ἴσον).

Gerechtigkeit wird von Aristoteles auf besondere Weise in seine Lehre von der Charaktertugend als Mitte eingeordnet: das Gerechte ist das proportional Gleiche und liegt zwischen zwei Dingen als Extremen, einem Zuwenig (Mangel) und einem Zuviel (Übermaß).

Eine Textstelle (Aristoteles, Nikomachische Ethik 5, 9, 1134 a 1 - 7) mit einer zusammenfassenden Bestimmung der Gerechtigkeit in einer Übersetzung von Eugen Rolfes:
„Näherhin ist die Gerechtigkeit jene Tugend, kraft deren der Gerechte nach freier Wahl gerecht handelt und bei der Austeilung, handele es sich nun um sein eigenes Verhältnis zu einem anderen oder um das Verhältnis weiterer Personen zu einander, nicht so verfährt, dass er von dem Begehrenswerten sich selbst mehr und den anderen weniger zukommen läßt und es beim Schädlichen umgekehrt macht, sondern so, dass er die proportionale Gleichheit wahrt, und dann in gleicher Weise auch einem anderen mit Rücksicht auf einen Dritten zuerteilt.“

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Die Gerechtigkeit als besondere Einzeltugend kann nach den Bereichen, auf die sie sich richtet, unterteilt werden.

1) Gerechtigkeit beim Verteilen (es ist auf die Personen zu achten, Gleiche werden gleich, Ungleiche ungleich behandelt; der Verteilungsgrundsatz ist also nicht strikt egalitär, Gerechtigkeit immer als Gleichheit zu bestimmen, bei der alle gleich viel bekommen.)

Diese Art gibt es bei Verteilungen von Ehren, Besitz und anderen teilbaren Dingen, bei denen es möglich ist, Gleiches und Ungleiches zu haben, an die Mitglieder einer politischen Gemeinschaft.

Das Gerechte entspricht der Würdigkeit/dem Wert/dem Verdienst [z. B. aufgrund von Leistung] (das griechische Wort heißt ἀξία; 5, 6, 1131 a 24- 29). Beliebige Vorzüge können nicht ausschlaggebend sein. Welches Kriterium dafür relevant ist, ermittelt die praktische Klugheit. Ein Beispiel an einer anderen Stelle (Politik 3, 12, 1282 b 14 – 1283 a 22) ist die Verteilung von Flöten, bei der die Fähigkeit im Flötespielen bei der Verteilung von Flöten ausschlaggebend ist, nicht Reichtum, Vornehmheit oder Schönheit

2) Gerechtigkeit beim Ausgleichen (z. B. in Bezug auf Austauschvorgänge, aber auch erlittene Nachteile; gleiche Behandlung gleicher Handlungen verschiedener Menschen, also ohne Ansehen der Person)

Gerecht ist das Wiedergutmachen entsprechend dem Schaden, bzw. bei einem Tauschgeschäft das Geben von Dingen in einem Verhältnis, bei dem das von jeder Seite Gegebene/Erhaltene den gleichen Wert hat.

Die Gerechtigkeit/das Gerechte beim Verteilen (τὸ διανεμητικὸν δίκαιον Aristoteles, Nikomachische Ethik 5, 6, 1131 b; eine traditionelle lateinische Bezeichnung ist iustitia distributiva) wird oft verteilende bzw. austeilende/distributive Gerechtigkeit genannt, die Gerechtigkeit/das Gerechte beim Ausgleichen (τὸ διορθωτικόν δίκαιον [das gerade machende/wiedergutmachende/ausgleichende/berichtigende/regelnde Gerechte]; verbreitete lateinische Bezeichnungen sind iustitia correctiva, iustitia directiva oder iustitia commutativa) ausgleichende Gerechtigkeit.

Die Wiedervergeltung als schlechthin gerecht zu verstehen (wie Z. B. die Pythagoreer), lehnt Aristoteles ab. Sein Einwände sind, Wiedervergeltung erfasse nur das Äußerliche und berücksichtige nicht den Unterschied zwischen freiwilliger und unfreiwilliger Tat (Nikomachische Ethik 5, 8, 1132b).

Beim Recht innerhalb einer politischen Gemeinschaft unterscheidet Aristoteles zwischen natürlichem und gesetzlichem Recht (Nikomachische Ethik 5, 10).

Bei Unrecht unterscheidet Aristoteles Abstufungen je nach Zurechenbarkeit.

Gerechtigkeit und Billigkeit (ἐπιείκεια: Das Billige (τὸ ἑπιεικές) ist eine besondere Art des Gerechten, eine Berichtigung des Gesetzlichen, wo der Wortlaut einer allgemeinen schriftlichen Gesetzesaussage einen Einzelfall nicht in der richtigen Weise erfaßt ((Nikomachische Ethik 5, 14).

Zu den Gerechtigkeitstheorien, die Platon und Aristoteles vorgelegt haben, gibt es viele Veröffentlichungen. Ich nenne einige Bücher, die nützlich sein können, mit unterschiedlichem Umfang und wohl auch Unterschieden bei der Verfügbarkeit in einer nahegelegenen Bibliothek:

Günther Bien, Gerechtigkeit bei Aristoteles (V). In: Aristoteles: Nikomachische Ethik. Herausgegeben von Otfried Höffe. 3., gegenüber der 2. bearbeiteten, unveränderte Auflage. Berlin : Akademie-Verlag, 2010 (Klassiker auslegen ; Band 2), S. 135 - 164

Michael Erler, Platon. Originalausgabe. München : Beck (Beck`sche Reihe: bsr – Denker ; 573); 2006, S. 172 - 192

John-Stewart Gordon, Aristoteles über Gerechtigkeit : das V. Buch der Nikomachischen Ethik. Freiburg im Breisgau ; München : Alber, 2007 (Alber-Reihe Thesen ; Band 29). ISBN 978-3-495-48226-1

Otfried Höffe, Aristoteles. 3., überarbeitete Auflage, Originalausgabe. München : Beck, 2006 (Beck'sche Reihe : Denker ; 535), S., 228 - 234

Nam-Duh Kim, Die Gerechtigkeit und das Gute in Platons 'Politeia'. Pfaffenweiler : Centaurus-Verlagsgesellschaft, 1984 (Reihe Philosophie ; Band 2). ISBN 3-89085-029-4

Max Salomon, Der Begriff der Gerechtigkeit bei Aristoteles nebst einem Anhang über den Begriff des Tauschgeschäftes. Leiden : Sijthoff, 1937

Eckart Schütrumpf, Gerechtigkeit. In: Aristoteles-Handbuch : Leben - Werk – Wirkung: herausgegeben von Christof Rapp und Klaus Corcilius. Stuttgart ; Weimar : Metzler, 2011, S. 226 - 231

Simon Weber, Gerechtigkeit. In: Platon-Handbuch : Leben, Werk, Wirkung. Herausgegeben von Christoph Horn, Jörn Müller und Joachim Söder. Unter Mitarbeit von Anna Schriefl und Simon Weber. Stuttgart ; Weimar : Metzler, 2009, S. 275 – 284

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@Albrecht

WOW, vielen Dank dafür! Jetzt habe ich erst einmal was zum lesen hier xD

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Das Menschenbild der Antike war ein anderes als heute. Einmal war die Götterwelt allgegenwärtig und die Vorstellungen von dem, was sich gehörte, war stark durch religiöse Vorstellungen geprägt. Die Welt war KOSMSO, d.h. eine göttliche Ordnung. "Asebie oder Asebeia (ἀσέβεια) bedeutet „Gottlosigkeit", „Frevel gegen die Götter" oder „Unfrömmigkeit“ und war ein Straftatbestand im antiken Griechenland." (Wikipedia: asebie) Zum anderen war es eine offene Sklavenhaltergesellschaft, in der es zweierlei Menschen mit zweierlei Rechtsansprüchen gab. Am intensivsten hat sich Aristotoeles mit dem Thema "Gerechtigkeit" auseinandergesetzt in seiner Nikomachischen Ethik (googeln). Doch auch "Aristoteles (Von Tugend und Lastern, VII.2) nennt das „falsche Verhalten gegenüber den Göttern, den göttlichen Wesen (Dämonen), den Verstorbenen, Eltern und dem Vaterland“ Asebie." Das also muss man immer im Hinterkopf haben, wenn man den Gerechtigkeitsbegriff der Antike mit dem unsrigen, teils christlich, teils von der Aufklärung geprägten Begriff vergleichen will.

Man kann davon ausgehen, dass der Epikureismus wie die Stoa sich stark auf die Detaills der Nikomachischen Ethik gestützt haben, allerdings mit unterschiedlichen Grundannahmen. Im Epikureismus gibt es keinen Einfluss der Götter in menschliches Handeln und Gerechtigkeit, wie teils in der Nikomachischen Ethik beschrieben, ist eine Frage der Akzeptanz der Menschen einer Gesellschaft, auch eine Machtfrage. Für die Stoa gilt - wenn auch mono-pan-theistisch fundiert - wie bei den alten Griechen die Welt als KOSMOS, d.h. als eine Ordnung, vom Logos, der über allem waltet, eingerichtet. Für die Stoa beschreibt die Nikomachische Ethik einen Weg der Klugheit und Einsicht, dem Allwalten des Logos zu entsprechen. Der Lohn ist ein glückliches Leben.

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