Präsentationsprüfung (Abitur) Ethik, HILFÄÄÄÄ!

2 Antworten

Vom Fragesteller als hilfreich ausgezeichnet

Vergiss PowerPoint, IPhones, Beamer und lustige Filmchen. Die dienen Prüfern nur dazu, doch noch die Note mit schwallbackigen Begründungen anzuheben, wenn der Rest Schrott war (12 Punkte für "Medienkompetenz"). In 10 Minuten kann man sich Alles merken, im Zentrum steht eine Frage, die anhand von gelesenen Texten beantwortet wird. Anderes als das gesprochene Wort kann nur bestimmten Zwecken (außer "Medienkompetenz"geschwalle) dienen. D.h. wenn Du meinst, dass Du an einem komplexen Punkt zu schnell bist oder man sich das nicht einfach vorstellen kann, dann und nur dann kannst Du eine Grafik einsetzen. Listen in PowerPoint-Präsentationen mit aufploppenden Unterpunkten dienen nur dazu, das Fehlen eines Zusammenhangs zu verschleiern.

Wichtig ist, dass Du einen Zusammenhang beim Übergang von einem Argument zum nächsten herstellst und am Anfang klar machst, worüber Du sprichst. Marx hat viel geschrieben, Du hast einen recht kurzen Text und schreibst keinen wikipedia-Artikel über Marx (sei vorsichtig, wenn Du Marx "vorstellst"): Was sagt dieser Text, welche Argumente hat, welche unausgesprochenen Annahmen macht dieser Text (d.h. auch, welcher Religionsbegriff scheint dem zugrunde zu liegen: Ob Kommunikation genau dann religiös ist, wenn sie Immenentes unter dem Gesichtspunkt der Transzedenz betrachtet [Luhmann] oder ob Hegel meint, dass Kant meint, dass Aristoteles meint, wenn ..., ist hier völlig wurscht), welche Lücken weist dieser Text auf, was kann man diesem Text entgegenhalten.

"Kreativität" hat nichts mit bunten Bildern und lustigen Filmchen zu tun, sondern damit, dass Du über Deinen Gegenstand verfügst und sinnvolle Anschlüsse herstellen kannst und (in diesem Fall Deinen Prüfern) vermittelst, dass Du den Text und sie Dich verstanden haben.

Du könntest (übernimm das nicht, es ist nur ein Beispiel) Teile des Ref's als Dialog aufziehen, indem Du einer Marx-Person Fragen stellst, die Antworten aus dem Text nimmst und am Ende Fragen formulierst, die auf Lücken/Unklarheiten verweisen. Dann musst Du aber aufpassen, dass Du es nicht als verkappte Liste formulierst (à la "was?" --> Zitat", "warum?" --> Zitat, "wann?" --> Zitat, "und dann" --> Zitat, "und dann?" --> Zitat ...) oder den Text einfach paraphrasierst, sondern das fiktive Gespräch aus einer Frage entstehen lässt und mehr oder weniger "natürliche" Anschlussfragen und Einwände stellst, also ein argumentatives Gespräch imitierst. Damit (folge nicht genau dem Vorschlag) würdest Du zeigen, dass Du die Argumente und die Argumentationsstruktur verstanden hast und kreativ damit umgehen kannst, d.h. die (logische und rhetorisch) Struktur nicht auf zeitliche Abfolge von Aussagen ("erst Punkt 1 und dann Punkt 2 und dann Punkt 3 ...") reduzierst, sondern Begründungszusammenhänge erkennst und dialogisch transformierst.

Ich verstehe das mit dem Religionsbegriff der da zugrunde liegen soll nicht ganz, kannst das nochmal erklären, bitte? Und das mit der Kommunikation und Immenentes und Transzendenz usw. war mir auch kurz zu viel :P

Okay, also allgemein soll ich mich NUR auf DIESEN Text beziehen und nicht abscheifen, sondern konkret auf ihn eingehen?

Wow, die Idee ist echt super! Aber wieso soll ich sie nicht so übernehmen? :P

DANKE!!

0
@Barevzes

Zur Konzentration auf "diesen" Text rate ich unbedingt, wenn nicht Anderes mit Deinen Prüfern abegesprochen ist. Aus wikipedia zusammengeschriebene Referate zeigen grauenhaft. Natürlich ist es unmöglich, Alles auszublenden. Dass Marx kein aztekischer Tempelpriester war, sondern eine bestimmte sozialphilosophische Theorie entwickelt hatte, die Hintergrund auch für "diesen" Text ist, setze ich voraus. Und natürlich musst Du etwas darüber wissen und musst es einordnen können. Aber ich habe dringend davon abgeraten und rate weiterhin noch dringender davon ab, sich Wissen zusammenzugoogeln oder zu wikipedifizieren und dann die Punkte an einem zu bearbeitenden Text zu exemplifizieren, so dass man am Ende genau das aus dem Text rausholt, was man vorher ergoogelt hat. Im besten Fall hat man Standardwissen zusammengeklaubt und sagt dann, was sowieso in jeder Zusammenfassung steht, im übelsten Fall hat man irgendwelches obskures Zeug gefunden und der Prüfer fragt sich, was das nun wieder soll (habe ich zum ersten Mal vor über zehn Jahren in einem course on Greek and Roman mythology erlebt: Mein dringendster Appell war, dass die Studenten nächstes Mal die Hände von google lassen. Das haben sie auch!). Vielleicht ziehst Du noch einen anderen Text von Marx heran, wenn sich aus dem ersten Text Fragen ergeben. Oder Du fragst die Marx-Person, wie sie dieses oder jenes versteht, und sie sagt Dir dann, dass er woanders was dazu geschrieben hat, oder was weiß ich. Ich sage nur, was man z.B. machen könnte. Wenn Du am Text arbeitest, wirst Du eigene Gedanken haben.

Zum Begriff des Religionsbegriffs: "Religion" hat viele Facetten, jeder meint in verschiedenem Zusammenhang was Anderes. Das Finanzamt interessiert sich nicht für Glauben, sondern für die Mitgliedschaft in einer Religionsgemeinschaft, im Philosophieseminar interessiert nicht die Mitgliedschaft in einer Religionsgemeinschaft, vielleicht aber die luhmannsche Bestimmung religiöser Kommunikation, die Dich nun wieder weiter nicht beschäftigen soll. Den Reiseveranstalter interessiert bei der Fahrt nach Lourdes mit dem Hausfrauenverein ebenfalls nicht der Glaube der Teilnehmerinnen, während dem Kirchengemeinderat schon daran liegt, dass kirchliche und konfessionell klar zugeordnete Rituale begangen werden. Bei der Seelsorge für Sterbende ist die Frage nach dem (persönlichen) Glauben wiederum wichtiger, jedenfalls für den Sterbenden, der religiösen Trost sucht. Und wenn ich Klage gegen Glockenläuten einreiche, dann ist es dem Amtsgericht wiederum völlig egal, ob irgendwer im näheren Umfeld religiöse Wallungen beim Bimmeln hat. Es reicht, dass man ihm eine religiöse Bedeutung zuschreiben kann, so dass eine Ausnahme vom Immissionsschutzgesetz gesetzlich vorgesehen ist. Und was hat Marx vor Augen, wenn er hier von "Religion" spricht? Das musst Du in jedem Fall ansprechen.

Eine Frage an die Marx-Person: Setzen die Opiumlieferanten das Betäubungsmittel für Volk bewusst ein, um Herrschaftsstrukturen zu sichern? Noch eine Frage: Was ändert sich an der Lage der Arbeiter und Bauern und den Besitzverhältnissen, wenn sie an einer religiös inspirierten Revolution gegen ihre Unterdrücker teilnehmen? Mir fällt nur Eines ein: Ajatollah Ruhollah Chomeini. Suche Dir, wenn Du Zeit und Lust hast, bekannte Beispiele, Marx erwähnt in dem Text (Einleitung zu `Zur Kritik der Hegelschen Rechtsphilosophie') immerhin Luther, der an einer "Änderung der Besitzverhältnisse" nicht ganz unbeteiligt war.

0
@Oberfrosch

Natürlich muss Marx nicht immer nur einen und immer nur den gleichen Aspekt von Religion ansprechen, und natürlich sind nicht alle Aspekte ganz voneinander getrennt. Aber jetzt mach mal was.

0

Also ich find deinen Grundablauf schonmal gut. Du solltest natürlich immer grundlegende Sachen beachten, wie frei vortragen, nicht zu stark aufgeregt sein, sich schonmal eventuelle Fragen der Prüfer überlegen die man dann sicher beantworten kann. Irgendwas Kreatives fällt mir jz auch nicht ein aber viel Glück :D

LG Cryaq

Was möchtest Du wissen?