Erleichtert maßlose Übertreibung das Verständnis?

9 Antworten

Vom Fragesteller als hilfreich ausgezeichnet

Kann man nicht pauschal sagen, wie "jemand" reagiert. In der Sprachwissenschaft bezeichnet man als Hyperbel das rhetorische Stilmittel der Übertreibung. Sie beabsichtigt eine Steigerung des Ausdrucks durch Unter- und Übertreibung bei Charakterisierungen oder Gleichnissen.

Aber die Menge der Hyperbeln, die man hinter einander gebraucht, kann die Rede ganz frostig machen. Sie sind eine Würze, die mit sparsamer Hand einzustreuen ist. Eigentlich tun sie ihre Wirkung nur alsdenn, wenn die Wärme der Empfindung sie gleichsam erpreßt: sie müssen aus dem Herzen und nicht aus dem Verstande kommen; so bald man etwas gesuchtes dabei merkt, werden sie widrig. Diese schlimme Eigenschaft bekommen sie, wenn sie bei unwichtigen Gegenständen gebraucht werden. Es geht aber einigen Hyperbeln, so wie einigen Metaphern. Durch den allgemeinen Gebrauch verlieren sie ihr Eigenschaft und sinken in die Ordnung des gemeinen Ausdrucks herab.
(Sulzer, Johann Georg: Allgemeine Theorie der Schönen Künste, Band 1. Leipzig: Weydemann, 1771, S. 553)

LG

Wenn du damit pauschalisierung meinst: eindeutig ja! Ständig alle eventualitäten, nebenwege und ausnahmen berücksichtigen zu wollen würde bedeuten, dass man nur sehr schwer zu erkenntnis und klarer meinung kommt.

Manchmal ist das ja auch gewollt. Daher rührt etwa auch die typische politiker-ausflucht vor eindeutiger festlegung: "man muss das schon differenzierter betrachten!" :-)

Auch alle vereinfachte darstellungen in tabellen-, skizzen-, modell- oder schema-form etwa nutzen eine verständnisfördernde abstraktion...

Ja, in gewissen Situationen, aber dazu muss es nicht MASSLOS sein.

Meistens werden Übertreibungen jedoch unsachlich eingesetzt und verzerren so die Realität. Übertreibungen werden z.B. eingesetzt, um andere Leute schlecht zu machen, den eigenen Verdienst zu loben oder jemanden von etwas zu überzeugen. Hier schaden Übertreibungen dem Verständnis.

Was möchtest Du wissen?