Denker der Gedanken oder Beobachter Gedanken, steuere ich oder werde ich ferngesteuert, Esoterikblödsinn oder verdrängte Wahrheit?

16 Antworten

Das Bewusstsein entsteht durch elektrische Aktivität und biochemische Prozesse in Gehirn und Nervensystem.

Das Gehirn schafft somit die Vorstellung eines "Ich", dass sich von anderen Wesen und Dingen unterscheidet. Wenn man beispielsweise bewusstlos ist, dann hat man kein "Ich" weil die entsprechende Hirnaktivität eingeschränkt ist.

Ähnlich wie es die Aufgabe des übrigen Körpers ist, Schweiß und Hormone abzusondern, produziert das Gehirn ständig Gedanken, die teilweise völlig ohne Bedeutung sind ("Tagträume" also Alltagstrancen).

Ich habe mal gelesen, unser Gehirn filtere angeblich bis zu 90 Prozent aller Sinneseindrücke, weil es sonst mit der Verarbeitung überfordert wäre. Man erlebt also nie die ganze  Realität, sondern immer eine subjektive.

Außerdem bewertet das "Ich" ständig alles mit Gedanken - wir sagen "Die Frau ist schön, das Essen lecker und das Auto supercool" - ganz so, als wären das absolute Wahrheiten.

Doch eine andere Person finden die gleiche Frau unattraktiv, hält die gleiche Speise für ungenießbar und findet das Auto uninteressant.

In Wirklichkeit ist die Frau weder schön noch hässlich, oder das Essen köstlich oder ungenießbar - sondern sie SIND einfach nur - alles andere sind Projektionen unseres Geistes.

Dennoch identifizieren wir uns in der Regel absolut mit diesem "Ich" und seinen Bewertungen.

Meditation ist ein Zustand entspannter Achtsamkeit und eine Möglichkeit, diese subjektive, ich-bezogene Haltung aufzugeben und den Moment als  Erfahrung der Gegenwart bewusst zu erleben.

Man empfindet sich nicht mehr als isoliertes "Ich", sondern macht die Erfahrung, das man in diesem Moment einfach Teil des Augenblicks ist - genau wie der Baum, der Vogel und der Wind, oder der Tisch, die Bürolampe und der Bildschirm.

Dann gibt es keine Trennung zwischen einem "Ich" das eine bestimmte Erfahrung macht, sondern man geht völlig in dieser Erfahrung auf.

Auch kann man durch Meditation zu einem Zustand der "Selbst-Beobachtung" gelangen - man lässt die Gedanken vorbeiziehen und wird somit zum "Zeugen" oder "Beobachter", der sich nicht mehr über diese ständigen Gedanken definiert.

Dadurch hat man die Möglichkeit, eigene Beschränkungen und Gedankenmuster, wie etwa Vorurteiler, von einer anderen Sicht aus zu betrachten und sie womöglich aufzugeben.

Wir leben also in einer ständigen Erfahrung des unbewerteten Seins in der Gegenwart, was jedoch durch die ständigen Gedanken gewissermaßen überdeckt wird.

Es geht also nicht darum, dass etwas außerhalb von uns ist, das uns lenkt oder gar denkt, sondern nur darum, dass wir meist ein sehr beschränktes Sichtfeld haben.

Irgendwelches Guru-Gesäusel a la "du bist reines Bewusstsein" oder "Sei einfach" machen das ganze unnötig abgehoben und kommen vor allem aus der hinduistischen Advaita-Philosophie.

Ich halte also nichts von Theorien über "kosmisches Bewusstsein", oder einen "göttlichen Wesenskern" der identisch mit dem "Göttlichen" ist.

Vielmehr sehe ich das Ganze eher auf einer individuellen "Erfahrungsebene" des Menschen (wobei das auch so ein Begriff ist, der aus der Eso-Ecke kommen könnte)

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Zu den direkten Aussagen

Du bist nicht der Denker deiner Gedanken.

Doch. Das Gehirn produziert Bewusstsein, darunter die individuelle Identität und die Gedanken.

Du bist der Beobachter.

Das ist eine Erfahrung der Selbst-Beobachtung, die man zB während der Meditation machen kann. Ob dieses "Gewahrsein" ein ständiger Zustand ist, wie manche Gurus behaupten, ist nach meinem Kenntnisstand völlig unbewiesen.

Man kann also zum Beobachter werden, aber ob man das auf irgendeiner Ebene immer ist, ist pure Spekulation.

Das Licht.

Das ist nur ein Euphemismus für "das Göttliche" oder "das Ewige" oder "höhere Selbst" - für mich Eso-Schmeso.

Du bist nur Gewahrsein.

Siehe oben. Man kann Achtsamkeit und Gewahrsein praktizieren - aber als Dauerzustand? Großes Fragezeichen.

geschieht durch dich durch.

Das ist für mich blabla. Man ist kein willenloses Werkzeug des "Göttlichen" sondern trifft aufgrund kultureller und gesellschaftlicher Konditionierungen, Lebenserfahrung und Instinkte selbstständige Entscheidungen.

Du wirst gedacht.

Erneut reines blabla für mich. Nur weil das "Ich" durch das Gehirn erschaffen wird, braucht man nicht so zu reden, als gäbe es eine äußere Instanz.

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Für mich ist recht einfach "bewiesen", warum ich nicht Denker, sondern nur Beobachter "meiner" Gedanken bin:

Sobald ich auch nur einen Gedanken beobachte, entsteht eine Distanz zwischen mir als Subjekt und dem Gedanken als Objekt. Ich bin dann nicht mit dem Gedanken identifiziert, d.h. ich fühle mich damit nicht eins, ich BIN es nicht. Das ist so, wie wenn ich (als Körper) mit meinen Sinnen vorbeiziehende Wolken am Himmel beobachte oder vorbeirauschende Autos von einer Autobahnbrücke aus. Ich bin dann nicht die Wolken oder die Autos...

Und jetzt kommt der Clou: Das "Ich", das sich im gewöhnlichen Alltagsbewusstsein dür den Denker bzw. Macher und Kontrolleur hält, ist auch nur ein Gedanke, der beobachtet werden kann, wenn man sich mit ihm desidentifiziert, also "Selbstdistanz" gewinnt...

Deswegen muss ich aber nicht davon ausgehen, dass ich "ferngesteuert" werde. Die Gedanken (und andere Objekte) tauchen einfach aus dem Nichts auf und verschwinden wieder ins Nichts. Dieses Nichts ist "etwas", was der denkende Verstand nicht begreifen kann, weil er selbst ein Objekt ist, das vom Nichts beobachtet wird. Sogesehen bin ich selbst dieses Nichts bzw. wahrnehmendes, unbedingtes Subjekt und brauche keine Fernsteuerung von "außerhalb" zu befürchten. Alles erscheint "in mir", dem unbegrenzten Wahrnehmungs- und Beobachtungsraum...

Ich hoffe du verstehst jetzt noch weniger ;-)

Der Mensch hat ein Bewusstsein, weil es
ihn steuern soll, damit er sich zurechtfindet in dieser Welt, in der
Natur und im Umgang mit seinen Artgenossen, d.h. das ist auch die
Funktion seiner Gedanken. Deshalb haben Dir deine Eltern das Sprechen
beigebracht und mit der Sprache kam das gesellschaftliche Bewusstsein
in Deinen Kopf, das sich mit der alltäglichen Wahrnehmung stetig
erweitert. Marx sagt entsprechend, dass das gesellschaftliche Sein
das Bewusstsein bestimmt. Das Bewusstsein ist also das Ergebnis der
sozialen Interaktion wie auch der eigenen individuellen kulturellen
und biologischen Bedürfnisse des Menschen. Deine Gedanken denkt
niemand, nur Du selber tust das und bist voll dafür verantwortlich,
was Du denkst und wie Du denkst, ob rational, irrational oder
emotional.

Vom naturwissenschaftlichen Standpunkt
betrachtet, ist es einfach nicht möglich, dass Dein Denken durch
andere ferngesteuert werden könnte, weil Deine sozialen und
biologischen Bedürfnisse nicht aufzuheben sind aufgrund der dadurch
erfolgten Determination. Die CIA hat im letzten Jahrhundert
schreckliche Experimente u.a. unter dem Code „MK-Ultra“
durchgeführt und hat versucht, die Bewusstseinsinhalte bei etlichen
Probanden auszulöschen. Die Probanden wurden furchtbaren Qualen
ausgesetzt, um eine komplette Veränderung des Denkens im Sinne einer
Fremdsteuerung zu erzielen. Das wurde einer der grössten Flops in
der Geschichte der CIA. Die Probanden waren hinterher allerdings nur
noch menschliche Wracks, wenn sie die Experimente überlebten.

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