Dem Buddhismus beitreten

11 Antworten

Hallo,

ich habe mir gedacht, es ist ganz sinnvoll, ein paar Punkte zusammen zu tragen, die bei der Frage, ob und wie man Buddhist wird, hilfreich sein können.

Gibt es einen offiziellen Buddhismus?

Es gibt den Lehrer (Buddha), seine Lehre (Dharma) und die Gemeinschaft (Sangha). Alle Buddhisten haben mit der Person des historischen Buddha und seiner Lehre eine gemeinsame Grundlage.

Allerdings gibt es keine offizielle "Weltkirche" oder ein religiöses Oberhaupt aller buddhistischen Traditionen. Es gibt lediglich einige nationale und internationale buddhistische Organisationen, aber keine gemeinsame kirchliche Struktur

Wie sieht die Praxis des Buddhismus aus?

Der Buddhismus ist sehr vielseitig und besteht aus vielen unterschiedlichen Traditionen. Sie alle haben zwar die Lehren Buddhas als Grundlage, interpretieren sie jedoch anders, haben ergänzende Schriften und unterschiedliche Zeremonien und Rituale.

Weisst du, welcher buddhistischen Tradition du dich anschliessen willst?

Du solltest dich auf jeden Fall genau über die unterschiedlichen Traditionen informieren. Es wäre auch möglich, einige buddhistische Zenten zu besuchen, um zusätzliche Eindrücke zu sammeln.

Muss eine Zeremonie stattfinden, damit man Buddhismus praktizieren darf?

Ganz einfach: Nein.

Es gibt zwar förmliche Zeremonien, die sich je nach Tradition unterschiedlich abgehalten werden und in denen man zB einen "Dharma-Namen" erhält - aber sie sind absolut keine Voraussetzung um die Lehre Buddhas anzunehmen, als Lebensweg zu wählen und buddhistische Meditation zu praktizieren.

Wie sieht es mit Widerstand in der Familie aus?

In Deutschland herrscht Religionsfreiheit und mit 14 bist du religionsmündig, darfst deine Konfession selber wählen. Nur weil deine Eltern einer anderen Glaubensgemeinschaft angehören, können sie dir den offiziellen Beitritt zu einer Gruppierung nicht verbieten.

Vielleicht haben sie einfach Angst um dich und fürchten, dass du einer gefährlichen Sekte in die Hände fallen könntest. Vielleicht haben sie auch völlig falsche Vorstellungen vom Buddhismus.

Versuch mit ihnen ruhig darüber zu reden und ihnen zu vermitteln, dass du deswegen nicht in einem ockerfarbenen, roten oder schwarzem Gewand und kahlrasiertem Kopf durch die Gegend rennst und Schule und Ausbildung hinschmeisst, um in eine Höhle oder ein Kloster im Himalaya zu ziehen.

Ein Patentrezept hierfür kann ich allerdings nicht geben. :-)

Hoffe, die Aufstellung hat vielleicht ein paar Denkanstöße bieten können.

Du mußt Deine Eltern nicht überzeugen. Sie dürfen Katholiken sein, Du darfst Buddhist sein. Buddhist zu sein hängt aber nicht davon ab, irgendwo beizutreten. Buddhist ist man, wenn man die Lehre des Buddha studiert und sie praktiziert. Das kannst Du jederzeit tun, auch ohne Deine Eltern zu kränken oder sie in Sorgen zu bringen. Sie sind nämlich wahrscheinlich in Sorge, weil sie Deine Gedanken nicht verstehen und für sie das katholische Christentum die Religion ist, die ihnen gut tut und die sie für wahr halten. Du hast einen anderen Standpunkt und den darfst Du auch haben. Aber akzeptiere auch das, was Deine Eltern denken. Sie sind aus Liebe und vor dem Gesetz dazu verpflichtet, sich um Dein physisches wie psychisches Wohlergehen zu kümmern und das tun sie nach bestem Wissen und Gewissen.

Praktiziere das, was der Buddha gelehrt hat. Das kannst Du ganz einfach tun, ohne daß es Ärger gibt. Geh in das Zentrum Deiner Richtung des Buddhismus, die Du für Dich gewählt hast und studiere, was Du hörst und siehst. Arbeite an Dir im Sinne der Lehre. Dann wirst Du bald Fortschritte machen. Übe Dich in den Tugenden, besonders im Mitgefühl. Du wirst dabei lernen, in Frieden mit Deinen Eltern zu leben. Es ist für einen Buddhisten nicht wichtig, vor allem den eigenen Kopf durchzusetzen. Es ist wichtiger, Frieden zu halten und den eigenen Geist zu schulen, auch mit den kleinen Widrigkeiten, die das Leben bietet. Gruß, q.

Da der Buddhismus in Deutschland leider keine offiziell anerkannte Religion ist, kannst du auch nicht offiziell zum Buddhismus konvertieren. Mit 14 Jahren bist du allerdings religionsmündig, da heißt du darfst deine Religion selbst wählen. Sag deinen Eltern, dass du sie nicht überzeugen willst. Sie sollen lediglich respektieren, dass du jetzt deine eigene Religion wählen kannst. Welche das ist, ist schließlich deine Sache. Wie gesagt: sie sollen es lediglich respektieren, da ich nicht glaube, dass sie es akzeptieren.

Was möchtest Du wissen?