Was ist der Zen Buddhismus?

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1 Antwort

Da ich Zen-Buddhist der Soto-Tradition bin, hoffe ich, eine verständliche Antwort bieten zu können.

Herkunft

Der Zen-Buddhismus beruft sich darauf, dass der Buddha seine wichtigste Lehre nicht mündlich, sondern durch das Drehen einer Blume zwischen den Fingern symbolisch an seinen Schüler Mahakashyapa weitergegeben habe, da er als einziger die Bedeutung verstand.

Durch den indischen Mönch Bodhidharma soll das Zen nach China gekommen sein, wo er mehrere Jahre vor einer Felswand meditierte. Dort soll später das Shaolin-Kloster gegründet worden sein.

Lehre

Der Zen-Buddhismus ist sehr praxisorientiert und sieht übertriebene Intellektualität und Kopflastigkeit als Hindernis an. Dennoch gibt es auch Zen-buddhistische Schriften, die wichtige Lehren weitergeben sollen.

Es gibt zwei Hauptströmungen im Zen - die Soto-Tradition und die Rinzai-Tradition. Eine dritte Traditionslinie, die Obaku, folgt letztlich der Lehre des Rinzai.

Soto-Zen: Es gibt kein Ziel der Meditationspraxis, denn man macht keinen Unterschied zwischen Praxis und dem Erwachen. Wer Sitzmeditation (Zazen) übt, verwirklicht das Erwachen (Satori).

Es gibt keine Trennung - Zazen ist Satori. Man verfolgt also kein Ziel, man übt absichtsloses Sitzen (Shikantaza). Es ist eine sehr nüchterne Praxis. Es gibt meist keine Koan-Schulung (siehe unten).

Rinzai-Zen: Im Rinzai gibt es die Vorstellung von plötzlichen Erfahrungen des Erwachens (Kensho). Diese spontanen Erfahrungen sind jedoch nicht das endgültige Erwachen (Satori).

Im Rinzai werden besonder Koan genutzt - paradoxe Rätsel, die mit dem Verstand nicht zu lösen sind. Sie sollen dazu führen, dass der Übende schließlich die Grenzen seiner beschränkten Erkenntnis überwinden kann.

Hierzu finden persönliche Gespräche (Dokusan) mit einem Lehrer statt, bei denen er den Schüler auf das Verständnis des Koan prüft.

Aufgrund dieser Extrovertiertheit, den Koan und dem teilweise exzentrischen Verhalten der Rinzai-Lehrer, die hierdurch die Überwindung der begrifflichen Grenzen demonstrieren, ist Rinzai im Ausland populärer als Soto-Zen.

Praxis

Hauptübung des Zen ist das Zazen - die Sitzmeditation, die idealerweise im Lotossitz durchgeführt wird. Dabei gibt es kein Meditationsobjekt wie etwa eine Visualisierung, oder ein Mantra.

Im Soto-Zen sitzt man einfach und bewahrt die vorgeschriebene Haltung, während im Rinzai-Zen das Koan zum Hilfsmittel wird.

Daneben gibt es noch Rezitationstexte und Zeremonien zu besonderen Anlässen. Allerdings ist Zen allgemein weniger auf Rituale ausgerichtet, als einige andere Formen des Buddhismus.

Man spricht daher teilweise auch vom "Meditationsbuddhismus"

Sonstiges

Die Übung des Zen ist auf die Gegenwart, das "Hier und Jetzt" ausgerichtet. Theoretische Überlegungen über philosophische Themen, wie etwa Karma und Wiedergeburt werden als vergleichsweise unwichtig angesehen.

Die Vergangenheit kann nicht geändert werden und die Zukunft liegt in der Ferne, vielleicht erreicht man sie nie, da man jetzt sofort tot umfallen könnte.

Die Praxis im "Hier und Jetzt" ist das Kernelement.

Schattenseiten

Während des Pazifikkriegs wurde die harte Disziplin des Zen und die Lehre von der geringen Bedeutung des "Ego" für militaristische Propaganda genutzt.

Praktisch alle buddhistischen Traditionen unterstützten den japanischen Nationalismus der damaligen Regierung.

Meines Wissens nach, hat sich bislang nur die Soto-Tradition formell für die faschistische Vergangenheit entschuldigt.

Solltest du noch Fragen haben, helfe ich gerne weiter.

Balurot 02.01.2016, 22:40

Enzylexikon schrieb: "Im Rinzai gibt es die Vorstellung von plötzlichen Erfahrungen des Erwachens (Kensho). Diese spontanen Erfahrungen sind jedoch nicht das endgültige Erwachen (Satori)."

Meines Wissens ist das nicht richtig. Meiner Erinnerung nach steht im Mumonkan: "Einmal durchgeschnitten ist ganz durchgeschnitten." Es gibt ein halbes Erwachen.

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Enzylexikon 02.01.2016, 22:42
@Balurot

Das ist interessant, ich hatte bislang den Eindruck, Rinzai sei eine Art Stufen-Zen...hier ein Kensho...da ein Kensho...immer etwas wacher - und irgendwann bestätigt der Lehre das endgültige Satori.

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Balurot 02.01.2016, 22:59
@Enzylexikon

Ich habe gerade einen Tippfehler entdeckt. RIchtig muss es heißen: Es gibt KEIN halbes Erwachen.

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jessiicaabooss 13.09.2017, 14:54

Also heisst zen einfach nur meditieren?

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Enzylexikon 13.09.2017, 15:01
@jessiicaabooss

Zen-Buddhismus ist mehr als nur "Zazen" zu üben - es gibt auch religiöse Schriften, Zeremonien, Gedenktage usw.

So gibt es zB auch die Zeremonie der "Zufluchtnahme", mit der man sich zu dieser Richtung und dessen Lehrern bekennt.

Bei uns im Soto-Zen geht eine mindestens zweijährige Schulung unter einem Lehrer voraus, während der man sein Rakusu näht.

Bei der Zeremonie erhält man dann das Rakusu (eine Art Stofflatz, der das Gewand Buddhas symbolisiert) und einen buddhistischen Dharma-Namen.

Zen ist also mehr, als nur schweigend vor einer Wand zu sitzen.

Wenn du aber nur die wörtliche Übersetzung haben willst:

"Zen" stammt vom Chinesischen "Chan", das auf das altindische Wort "dhyana" zurückgeht. Es steht für "meditative Versenkung".

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