DDR - BRD Unterschied in der BILDUNG

4 Antworten

Bildung in der DDR hatte den allseitig gebildeten Menschen zum Ziele, der auch in der Lage war selbstständig zu denken, (wenn es nicht so gewesen wäre hätte es die Wende und die friedliche Revolution sicher nie gegeben). Bildung stand jedem Menschen offen, unabhängig vom Geldbeutel der Eltern. Die Bildung wurde zentralisiert gesteuert, was ein großer Vorteil war, weil in allen Schulen der gleiche Lehrplan galt und alle Schüler einer Klassenstufe die gleichen Schulbücher hatten. Dazu ein Beispiel, Mein Sohn (1978 geboren) ist 1985 in die Schule gekommen. In den ersten Jahren habe ich, wenn ich mehrtägig auf Dienstreise war in meiner alten Schule angerufen und meinen Sohn dort für ein paar Tage zum Unterricht angemeldet, er hat dann bei den Großeltern gelebt, nach der Wende war das nicht mehr möglich, da hatte diese Schule (obwohl im gleichen Bundesland) andere Lehrbücher als die Schule meines Sohnes und ich musste meine Mutter bitten zu mir zu kommen, da sie inzwischen Rentnerin war ging das, aber doof war es doch. Bis Ende der 70er Jahre gab es in der DDR die Polytechnische Oberschule (POS) mit Abschluss Mittlere Reife und die Erweiterte Oberschule EOS) die man von der 9. Klasse bis zum Abitur besuchte. Zum Abitur wurden etwa 10% der Schüler eines Jahrganges zugelassen, Eignungsvoraussetzungen waren der Notendurchschnitt und die gesellschaftliche Tätigkeit. Später wurden die Abiturienten erst ab der 11.Klasse in die EOS geschickt. Außerdem gab es bis AMitte der 60er Jahre noch ein Abitur mit Beruf (das war ein vollständiges Abi - über alle Fächer und eine Schmalspurberufsausbildung) Außerdem gab es noch eine Berufsausbildung mit Abitur (die gab es bis 1989), das war ein Fachabitur mit Berufsausbildung. Sicher war die politische Bildung in der DDR Bestandteil der Schulausbildung, aber zu dressierten Affen hat uns die Schule nicht gemacht. Und wenn Du Dir die PISA-Ergebnisse der Finnen ansiehst, dann kannst Du abschätzen was die DDR-Bildung ohne übermäßige agitatorische Ausrichtungbewirkt hat. Finland hat in den 70er Jahren das Bildungssystem der DDR studiert und als Land seine Schlussfolgerungen daraus gezogen.

In der DDR war der gesamte Unterricht stark ideologisiert. Es war immerhin "Kalter Krieg".

Nur ist es eben so, dass das, was da z. B. in politischer Ökonomie des Kapitalismus gelehrt wurde, damals sehr übertrieben klang, sich aber bis heute jeden Tag hier in der Realität nachvollziehen lässt.

Ich hatte 1995 das zweifelhafte Vergnügen, ein Geschichtslehrbuch eines w-deutschen Gymnasiums, gedruckt 1984, in der Hand zu halten. Danach ist es kein Wunder, dass die Schüler hier in den PISA-Studien permanent mittlere und schlechte Plätze belegen. Nach einer der letzten PISA-Studien besuchte übrigens eine Bundestagsdelegation Finnland, um Erfahrungen im Bildungssystem auszutauschen, da die Finnen beständig vordere Plätze bei PISA belegen.

Man war total erstaunt, dass das Bildungssystem dort an das Bildungssystem der ehemaligen DDR angelehnt war. So schlecht kann es also, wie hier einige selbst ernannte "DDR-Experten" darstellen, nicht gewesen sein.

Nachteilig wirkt sich in jedem Fall hier das Ländersystem aus. Meine persönliche Erfahrung mit meinen Kindern nach der sog. Wende war, dass meine Tochter in NRW in der zweiten Klasse das vermittel bekam, was sie ein Jahr vorher in der ersten Klasse in Berlin hörte. Mein Sohn musste nach unserer Rückkehr nach Sachsen sehr straff ca. 2 Jahre nachholen, weil in NRW in der 8. Klasse das gelehrt wurde, was in Sachsen bereits in der 6. Klasse auf dem Stundenplan stand. Ein System, das die UNESCO mal als "diskriminierend" bezeichnete.

In den zwei Jahren meiner Lehrertätigkeit nach der Wende, bereits im neuen Deutschland, konnte ich feststellen, dass die Methodik und eine ausführliche schriftliche Stundenvorbereitung mit Aufschlüsselung des Stoffes, verteilt über 45 Minuten, nicht mehr gefordert, geschweige denn erwartet wurde. Es wurden Angebote gemacht, ohne den Stoff vorher intensiv besprochen zu haben. Die Hausaufgaben wurden recht und schlecht erledigt, wobei Kinder von Eltern mit Bildungshintergrund natürlich die besseren Bedingungen hatten, eine brauchbare Arbeit abzuliefern. Bemerkungen dazu im Lehrerkollegium wurden entweder abgeschmettert oder "wohlwollend" ignoriert.

Was Indoktrination hier im neuen Deutschland betrifft: Die fand insofern statt , dass den Kindern ein Bild über die DDR vermittelt wurde, dass jeder Beschreibung spottet. Eine solche Indokrination, die jegliches Grundwissen über den anderen Teil Deutschlands quasi ausschließt, hat es in der DDR nicht gegeben. Selbstverständlich wurden die Kinder im Sinne ihres Staates erzogen, es wäre ja wohl ein Unding gewesen, sie im Sinne des Westens zu erziehen. Und trotzdem hat jedes DDR-Kind mehr über den anderen Teil Deutschlands gewusst als mancher Erwachsene aus dem Westen heutzutage über die DDR.

Dass muss auch niemand abstreiten, denn die Kenntnisse der heutigen Schüler über das eigene Land, die Fähigkeit sich zu artikulieren, die eigene Sprache in Wort und Schrift zu beherrschen, zumindest kindgemäß anwenden zu können, ließ und lässt viel zu wünschen übrig. Die Resultate haben wir hier tagtäglich auf GF.

Die Lehrer in der DDR waren angehalten, sich auch um die schwächeren Schüler zu kümmern und den Abstand zu den guten nicht allzu groß werden zu lassen. Das hatte zwar nicht immer, aber oft Erfolg. Was manche Eltern nicht gewährleisten konnten, bekamen die Kinder, bevor die in die Schule kamen, in den Kitas vermittelt, später bei den Hausaufgaben im Hort unter der Aufsicht von Erzieherinnen. Kein Kind blieb mit seinen schulischen Problemen allein. So ist es Normalität gewesen, dass Kinder aus einfachen Verhältnissen ihren Eltern bildungsmäßig über den Kopf gewachsen sind, was so auch gewollt war, vom Staat und auch von den meisten Eltern.

Im neuen Staat ist es so, dass Kinder bildungsferner Familien auch bildungsfern bleiben, was den Graben zwischen Ober- und Unterschicht immer schön breit hält. Misstrauische Menschen behaupten, dass das so gewollt sei, um "unter sich" bleiben zu können. Ich möchte das einfach nicht glauben, aber die Tatsachen sprechen für sich.

Ein Brief an die Eltern der Schulanfänger 1970:

Lassen sie etwa zu, daß die Feinde des Guten, die Vertreter des Krieges mit Hilfe der westlichen Fernseh- und Rundfunkstationen durch Lüge und Hetze versuchen, auf Sie und auf ihr Kind Einfluss zu gewinnen? Sie dürfen nicht zulassen, daß Ihr Kind diesem Gift ausgesetzt wird. Sie bringen es in große Konflikte, schaden damit dem Kind und seiner Entwicklung

(Unser Kind kommt zur Schule. Eiun Brief an alle Eltern der Schulanfänger 1970, Berlin Ost o.J. S.14f)

Der Imperialismus braucht die Verrohung und die Verdummung der Menschen, damit sie seine räuberischen und verbrecherischen Ziele unterstützen ... Die BRD ist ein Staat der Unmenschlichkeit, der geistigen Unfreiheit und der Unterdrückung des fortschrittlichen Denkens. In diesem Staat werden ständig grundlegende Rechte und Freiheiten der Menschen verletzt, um die kapitalistische Gesellschaft zu erhalten.

(Staatsbürgerkundebuch für die 7.Klasse 1979)

Ich kann noch mehr solcher Beispiele aufzählen:

Eine solche Indokrination, die jegliches Grundwissen über den anderen Teil Deutschlands quasi ausschließt, hat es in der DDR nicht gegeben.

Da kann etwas nicht stimmen, oder?

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@riara

Ich kenne solche Briefe nicht, dafür aber die Schuljahrgänge seit 1965, und zwar ununterbrochen. In der Tat, da kann etwas nicht stimmen. :) Außerdem bin ich durchaus überzeugt, dass Sie noch mehr solcher Beispiele parat haben. Kein Bedarf.

Eine weitere Diskussion hätte auch nichts mehr mit dem Bildungssystem an sich zu tun.

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@backagain

Wenn man etwas behauptet, dass sich ganz anders abgespielt hat, könnte man auf den Gedanken kommen, dass der ganze Beitrag einfach nicht der Wahrheit entspricht. Der Stabü-Schinken befindet sich übrigens in meiner Giftküche und würde sich über ein paar weitere Zitate sicher freuen...

Was Indoktrination hier im neuen Deutschland betrifft: Die fand insofern statt , dass den Kindern ein Bild über die DDR vermittelt wurde, dass jeder Beschreibung spottet.

http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-13499788.html

Dieser zeitgenössische Artikel räumt übrigens mit der 2. Behauptung auf, auch da kann ich nur zustimmen, vor allem in meiner Schule in Berlin hatten wir eher 'linke Socken' als Lehrer, die durchaus den einen oder anderen positiven Aspekt in der DDR zu referieren wussten. Ich erinnere mich noch gut an eine Klausur bei meinem PW (Politische Weltkunde) Lehrer den alle nur liebevoll "Bad Godesberger" nannten. Eine der entscheidenden Fragen drehte sich um die Vorteile eines vom Staat gesteuerten Marktes, die Preissteigerungen von Butter, Brot und Mehl bereiteten Ihm irgendwie Kopfzerbrechen, obwohl der Herr Godesberger nicht einmal ein Auto besaß, wodurch Ihm die enorme Preissteigerung bei Benzin und Flugreisen offenbar entgangen war...

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Der elementare Unterschied war die gezielte Indoktrination der DDR Kindergärten und Schulen, von den ersten Lebensjahren sollten die Kinder dem System einverleibt werden...

Hier ein kleiner Auszug aus dem Bildungshorizont real-existierender Indoktrination:

http://www.poolalarm.de/kindersuchdienst/ddr-schule.htm

Dazu muss man natürlich auch wissen, dass Bildung in der Bundesrepublik von Anfang an Ländersache war - heute eher ein Nachteil -, deswegen war die direkte Beeinflussung wie in der DDR überhaupt nicht möglich. Fachwissen wurde auf beiden Seiten der Mauer vermittelt, aber freies Denken, Individualität und Eigeninitiative waren nicht gerade die Eigenschaften, die man in der DDR gefördert hat.

Filtert man die politischen Einflüsse heraus, war die Bildung in der DDR sicher nicht besser oder schlechter als in der Bundesrepublik. in den Fächern Geschichte und Staatsbürgerkunde wurde allerdings ein Bild vermittelt, dass wir in keinem Geschichtsbuch finden dürften...

In den naturwissenschaftlichen Bereichen und in Bezug auf das Allgemeinwissen war die DDR-Bildung der in der BRD überlegen.

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@sabirke

Das Goethe-Gymnasium war und ist um Längen besser als jedes andere in Berlin, Salem dürfte eine der besten Schulen der Bundesrepublik sein, nun möchte ich mal wissen, wie man das vergleichen will, es ist durchaus anzunehmen, dass es in Dresden eine Schule gab die deutlich besser war als eine in Chemnitz...:-)

Ich hatte ein knappes Jahr eine Lehrposition an einer Fachhochschule in Manheim, da gab es sowohl Ossis wie Wessis, im Bereich Informatik gab es einige mit sehr guten mathematischen Fähigkeiten aus der ehemaligen DDR, dafür waren die besten kreativen aus dem Ländle...unterm Strich brauchst Du einiges mehr als pure handwerkliche Fähigkeiten, vergleichbar ist das nicht, denn ich kenne DDR-Bürger die nur Einser auf dem Zeugnis hatten und nichts auf die Reihe brachten, unser Primus beim Abitur (1) schaffte nie etwas im Leben, ein anderer schaffte eine '4' und ist heute CEO bei einer Technologie-AG...alles relativ

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@riara

Die DDR gibt es schon seit über 20 Jahren nicht mehr, da läßt sich heute keine Schulbildung mehr vergleichen. Aber das Allgemeinbildung bis zum Abitur geht und man nicht einfach Fächer abwählen kann das war die DDR. Aber dafür Arzt werden kann ohne Bio-Abi, das gab es nur in der BRD

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@riara

Warst Du schon mal an der Latina in Halle, oder in Schulpforte? Es gibt überall sehr gute Ausbildung und meistens ist sie davon abhängig ob die Lehrer für ihren Beruf brennen oder ihren Job machen!

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@sabirke

Ich hatte aus den 90ern berichtet, natürlich waren da noch viele mit DDR-Hintergrund, an Fachhochschulen bekommst Du ja auch Leute, die bereits einen Hochschulabschluss haben...

Wozu braucht ein Arzt Bio im Abi, ich hatte das zufällig als Leistungskurs, weder Anatomie noch medizinische Inhalte waren da gefragt, sondern Verhaltensforschung und Genetik...:-)

In anderen Bereichen war die Konzentration übrigens sehr gut, es ist aber auch entscheidender, dass man die Abiturienten gezielt auf das Arbeiten an der Uni vorbereitet, da ist es relativ egal ob Du das in Bio oder Physik machst, im Leistungskurs wird selbstständiges Arbeiten gefordert, da geht mit Pauken und auswendig lernen nichts mehr...

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@sabirke

Deswegen denke ich, es gibt kein Land, das ein einheitliches Bildungssystem anbietet, selbst die einzelnen Länder der Bundesrepublik sind sich da ja nicht einig, trotzdem gibt es selbst im schlimmsten Bundesland ein paar herausragende Schulen, eben wegen den Lehrern, die für Ihren Job brennen...

Ich habe auch für meinen Job gebrannt, auch wenn ich nach weniger als einem Jahr wieder ins Business zurückkehrte, danach habe ich 14 Diplomanden begleitet und ausgebildet, in meinem Büro gibt es immer Studenten, mehr kann man für die Zukunft gar nicht tun...

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