Darf sich die Feuerwehr und der Notarzt den Weisungen der Polizei widersetzen, immerhin dürfen sie auch mit einem Sondersignal und dem Blauchtlicht fahren?

12 Antworten

Wie einige hier schon geschrieben haben, kommt es auf den konkreten Fall bzw. Einsatz an.

Handelt es sich um einen Polizeieinsatz, bei dem die Feuerwehr unterstützt, dann hat die Polizei weiterhin die Einsatzleitung inne. Allerdings ist der Polizei-Einsatzleiter dann nicht dem einzelnen Feuerwehrmann (SB) gegenüber weisungsbefugt, sondern muss sich an die Führungskräfte der Feuerwehr wenden, die dann wiederum Aufgaben an ihre Kräfte weiter deligieren.

Bei einem Feuerwehreinsatz hat die Feuerwehr (bzw. der Fw-Einsatzleiter) das Sagen an der Einsatzstelle und ist der Polizei dann erst einmal weisungsbefugt, kann z.B. die Polizei anweisen, bestimmte Gebiete oder Gebäude zu evakuieren, Straßen zu sperren usw.

Bei einem med. Einsatz hat der Notarzt oder der Einsatzleiter Rettungsdienst das Sagen.

In der Praxis stimmt man sich Organisationsübergreifend einfach ab, da gibt es eigentlich kaum "Streit" über die Zuständigkeiten.
Beispiel Verkehrsunfall mit verletzter und eingeklemmter Person: Streng genommen ist die Befreiung des eingeklemmten Fahrers Sache der Feuerwehr. Der Notarzt kann befehlen, eine langsame, personenschonende Rettung oder eine schnelle Crashrettung durchzuführen - ganz vom Zustand des Patienten abhängig. Wie die Feuerwehr dieses dann durchführt, ist einzig und allein Sache der Feuerwehr. Der Notarzt kann also nicht der Feuerwehr befehlen, die Beifahrertür oder das Dach zu entfernen oder dieses oder jenes zu tun. Dennoch stimmt sich bei der Rettung der Fw-Einsatzleiter immer mit dem Notarzt/Rettungsdienst ab...

Klar, es gibt auch immer wieder mal Ausnahmen... in einem Fall wollte die Polizei, wohl wegen des nahenden Schichtwechsels, während der Nachlöscharbeiten nach einem großen Gebäudebrand die Einsatzstelle beschlagnahmen - ohne, dass diese zuvor vom Fw-Einsatzleiter an die Polizei übergeben worden ist. Als der Fw-Einsatzleiter ihnen dann bewusst machte, dass damit sämtliche Feuerwehrleute sofort die Einsatzstelle zu räumen hätten und die Polizei die Nachlöscharbeiten dann selbst vornehmen müsste, haben es sich die Beamten sofort anders überlegt und ein paar Überstunden eingeschoben... in einem anderen Fall waren sich Polizei und Rettungsdienst nicht ganz einig darüber, ob der Patient tatsächlich verletzt wäre oder nur simulieren würde... letztendlich wurden die Polizisten "freundlich" aus dem Rettungswagen geschmissen und mussten dann dem RTW in die Klinik folgen, um die Personalien des Patienten aufzunehmen.

Im übrigen sollte alle Feuerwehrleute, vor allem auch die Führungskräfte, über grundlegende Dinge der Spurensicherung Bescheid wissen, so dass bei einem Einsatz darauf geachtet wird, mögliche Spuren nicht zu zerstören und damit für die Polizeiermittler zu erhalten.

Es kommt wie immer darauf an.

Die medizinische Einsatzleitung vor Ort hat der Notarzt bzw. Rettungsdienst.  Wenn die Polizei meint, medizinische Anweisungen geben zu wollen, müssen diese nicht befolgt werden. 

In größeren Schadenslagen, z.B. bei einem Zugunglück, liegt die Einsatzleitung bei der Feuerwehr, was die Organisation betrifft, die Medizin leitet wieder der Rettungsdienst. Organisatorisch wäre die Feuerwehr der Polizei weisungsbefugt ("ihr müsst mal die Straße da sperren, die brauchen wir"). 

Anders bei Terrorlagen. Da ist tatsächliche die Polizei die oberste Kommandostelle.  Sie kann also dem medizinischen Personal untersagen, in bestimmte Bereiche zu gehen. Wenn der Rettungsdienst einen Patienten am Wickel hat, kann die Polizei allerdings nicht vorschreiben, wie er versorgt wird. 

Stoppt die Polizei einen Rettungswagen auf Einsatzfahrt, hat der tatsächlich anzuhalten. Allerdings wird sich die Polizei im Zweifel strafrechtlich zu verantworten haben, sollte sie den Rettungswagen wegen einem unwichtigen Grund angehalten haben und dem Patienten passiert was, weil die Hilfe zu spät kommt. 

Grundsätzlich nein. Die Aufgabe der Polizei ist die Gefahrenabwehr. Diese hat Priorität vor der Versorgung einzelner.

Beispiel: Gefahrwnabwehr ist den Amokläufer ruhigzustellen. Bevor das nicht passiert ist, geht kein Rettungsdienstler an den Verletzten. Und wer in der Ausbildung geschlafen hat, bekommt es auch nochmal gesagt.

Auch die Feuerwehr hat den Auftrag der Gefahrwnabwehr. ZB beim umgestürzten Gefahrgutlaster.

In der Praxis stellt sich diese Frage auch eigentlich nicht. Alle Einsatzkräfte sind für ihren Bereich ausgebildet. Und so groß ist das Helfersyndrom auch nicht, dass man sich selbst in Gefahr begibt.

Darf der Rettungsdienst OHNE Arzt Zugänge legen?

hallo. ich hatte letztens einen medizinischen notfall, und aufmerksame passanten haben den RD gerufen. als die kamen, haben die mich in den wagen mitgenommen und dort unter die lupe genommen ( die waren zu dritt). Blutdruck war nicht messbar, mir war schlecht und schwindelig, Puls war bei 35/min und sättigung pendelte zwischen 89-93%. ich hab sauerstoff bekommen und der rettungsassistent meinte dann, er würde mir einen venösen zugang legen um eine infusion zu geben. nachdem er dies gemacht hat, gings dann mit sondersignal in das krankenhaus, was glücklicherweise nur etwa 1km entfernt war. so dass die fahrt nur etwa 2min dauerte. bei der übergabe an die ärztin sagte der rettungsassistent, dass er schonmal einen venösen zugang gelegt habe, da sie schließlich schneller im kh wären als der notarzt an der einsatzstelle. meine frage, war in diesem fall denn der notarzt nötig? habe blut gespuckt und o.g. beschwerden gehabt. bzw darf der rettungsassistent mir einen zugang legen ohne einen notarzt nachzufordern? gilt die begründung, es würde zu lange dauern bis der notarzt ankommt und bis dahin wären wir schon im krankenhaus? dass er es getan hat find ich nicht schlimm, sogar gut. mich interessiert die rechtliche lage?

P.S. wohne in einer großstadt, falls das auch wichtig sein sollte :)

danke für eure antworten! LG Cora ;))

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