Darf man über Menschen "urteilen"?

17 Antworten

Einer meiner Grundsätze die ich mir angenommen habe ist auch nicht mehr über andere zu Urteilen. Nicht aus der Sicht des Glaubens oder Urteilen in sinne zu Verurteilen wie ein Richter. 

Ich Urteile deswegen nicht mehr über Menschen, weil ich nie ihre Situation wirklich einschätzen könnte. Ich bin nicht in deren Haut und könnte nie deren Gedanken verfolgen oder deren wirklichen Beweggründe erfassen. 

Ich Akzeptiere die Menschen so wie sie sind und ziehe daraus meine Schlüsse. So bin ich befreit von jeglichen Vorurteilen und kann mich voll und ganz auf die andere Person einlassen. Wenn diese Person mir nicht gefällt dann verbringe ich keine Zeit mehr mit ihr.

"Du bist der Regisseur des Theaterstückes deines Lebens und nur du kannst entscheiden wer darin ein Rolle hat."

Wenn man es schaft auch nicht mehr über sich selber zu Urteilen und seine Gefühle und Beweggründe zu ergründen und ihren Ursprung zu finden dann Lebt man weitaus friedlicher.

Bei dem schlimmen Beispiel von dir, muss man entweder handeln oder wenn es nicht geht es aus den Gedanken schaffen , denn es macht einen nur selber krank.

Mit Worten muss man vorsichtig umgehen. Und der genaue Gebrauch von Worten ist im Bereich der Esoterik nicht oberste Priorität. Davon, dass Worte assoziativ und schwammig gebraucht werden, lebt die Esoterik. Ein Richter urteilt nicht, ein Richter VERurteilt. Er spricht frei oder Verurteilungen, die mit Strafen verknüpft sind. Wir als Menschen urteilen und werten ständig, denn das ist ein Überlebensprinzip wie atmen und Wasser trinken. Wenn die Dame behauptet, dass Sie sich zum Richter aufschwingen würden, urteilt sie ja auch, ja sie VERunteilt sogar, weil das als negative Handlung dargestellt wird. Da ich persönlich noch keinen Gott vom Himmel aus habe Urteile sprechen hören, gehe ich mal davon aus, dass die Dame bei ihren Gottesurteilen auf andere Signale lauscht als unsereins. Nur ist sie es, die die Gottessignale als Urteile deutet und die ganze Gottesurteilssache ist lediglich eine Mogelpackung, für das eigene Urteil nicht verantwortlich zu sein.

Die - wenn wir schon die Sache philosophisch untersuchen - Frage ist sowieso, wie weit wir selbst unsere Wertungen und Urteile als endgültig und offen für Korrektur betrachten oder wie weit diese apodiktisch sind und unmittelbar zu Konsequenzen führen, also sich gleich eine VERurteilung anschließt? Offene Menschen urteilen in der Regel eher selbstkritisch und mit Ungewissheit, deren sie sich bewusst sind. Sie verurteilen nicht gleich, wenn die Situation oder das Verhalten nicht offen feinselig sind. Offene Menschen spielen sich in der Tat nicht ständig als Richter auf, indem sie ihres Urteils hundertprozentig sicher auch gleich verurteilen. Das sind zwei sehr wichtige Phasen, die man unterscheiden sollte: Urteilen und VERurteilen. Unsere Moral und Ethik ist insgesamt nichts anderes als eine Summe von Urteilen aus vergangenen Erfahrungen. Dazu gehört, dass man andere Leute nicht ohne Grund tötet. Dazu gehört, dass man als Vater nicht seinen Emotionen ungezügelten Lauf lässt und das Kind prügelt, obwohl die Verfehlung nur eine Kleinigkeit war.

Mit Menschen, die sich die moralischen Vorschriften als zehn Gebote und sonstige Gebote aus der Bibel oder sonstwoher abholen, kann man nicht über den Ursprung diskutieren. Wir, die wir unsere Orientierung aus den vergangenen Erfahrungen holen, können auch nie 100 % sicher sein, dass wir alles richtig machen. Am Ergebnis des Urteils bemisst sich die Akzeptanz. Wenn islamische Fundamentalisten ihren Koran so interpretieren, dass es allahgefällig sei, Ungläubigen den Kopf abzuhacken, dann ist es mir scheißegal, ob das im Koran steht, das ist nicht akzeptabel - fertig. In dieser Beziehung geht mir unsere deutsche Supertoleranz sowieso zu weit und wir füttern die Feinde unserer Toleranz. Das sage ich, obwohl es mir kein Gott geoffenbart hat. Im Alten Testament übrigens, wenn man die richtigen Stellen raussucht, stehen noch viel schärfere Sachen.

Also ich bin eigentlich nicht mal ein Mensch, der andere schnell verurteilt. Ich bin ein ziemlich offener Mensch. Ist so. Was Pädophilie beispielsweise angeht, ist meine Meinung, dass derjenige, den es betrifft, ja nichts dafür kann. Ihn als Person werte ich aufgrund der Tatsache, dass er pädophil ist, nicht ab. Ich werte es allerdings extrem ab, wenn er tatsächlich sexuelle Handlungen an Kindern begehen sollte. Das ist dann eine Entscheidung, die er treffen kann und hier kann ich dieses Verhalten dann sicherlich auch abwerten. 

Also eigentlich würde ich eher sagen, dass ein Pädophiler so ziemlich die "A-Karte" gezogen hat. 

Noch mal zu dieser "allgemein gültigen Aussage": Wenn man vorher bestimmte Definitionen klärt, dann kann man aber ganz sicher auch allgemein gültige Aussagen treffen. Zum Beispiel kann ich sagen, dass ein Vater kein guter Vater ist, wenn er seine Tochter vergewaltigt. Wenn man die Qualität eines Vaters daran bemisst, welchen Einfluss sein Verhalten auf die Psyche und das Leben seiner Tochter hat. 

Aber allein dieses "guter" Vater enthält doch bereits eine Wertung.^^ Dass der Vater, der seine Tochter vergewaltigt ganz einfach der biologische Vater bleibt, das wäre ja auch klar. Aber ein guter Vater (womit man ja, wie gesagt, schon wertet) ist er dann nicht. 

Habe nicht verstanden, aus welchem Grund diese Diskussion von dieser Person überhaupt gestartet wurde. 

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@CalendulaBlume

Man muss nicht alles verstehen! Man muss Tatsachen wie die Äußerungen der Dame auch mal hinnehmen und dazu ein eigenes Urteil haben. Um zu urteilen, dass ein Vater, der seine eigene Tochter vergewaltigt, kein guter Vater ist, dazu brauche ich keine Bibel. Jede Vergewaltigung, was ja nur eine spezielle Form von ungerechtfertigter Gewaltanwendung ist, ist zu VERurteilen. Das ist kein folgenloses Urteil mehr. Die Bürgerpflicht gebietet, in solchen Fällen, wenn möglich einzuschreiten. Nebenbei, alles oben gesagte ist auch durch die Bibel abgedeckt - d.h. da müsste es mit der Gottesdame gar keinen Streit geben.

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@berkersheim

Na, dann verstehen wir uns doch. Mir kam das eher wie ein "Brainwash-Versuch" dieser Person vor. Für mich eine wirklich sinnlose Diskussion. 

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Es ist eine gute Praxis, sich an die eigene Nase zu fassen und vor der eigenen Tür zu kehren. Wenn man es mit der Bibel begründen möchte, dann führt man sich den Spruch mit dem Splitter im Auge des anderen und dem Balken im eigenen vor Augen. Wenn du eine Funktion hast, wie z.B. die eines Staatsanwaltes oder Richter, dann ist es vernünftig, sich eine Meinung über anderer Leute Fehlverhalten zu bilden. Im Normalfall sollte man sich so wenig wie möglich in anderer Leute Leben einmischen. Das ist eine der Hauptursache für den Unfrieden in der Welt. Wenn du etwas zu tun hast, mit einem Menschen, dessen Lebenswandel dir nicht gefällt, wenn er z.B. fremdgeht oder die Steuer betrügt, kannst du den Kontakt ja abbrechen. Wenn ich es aber richtig erinnere, saß selbst Jesus mit Sündern zusammen (ohne sie ständig daran zu erinnern, dass sie Diebe, Hu_ren oder Steuereintreiber sind).

Mische ich mich in das Leben der anderen so übermäßig ein, wenn ich sage, dass man als Elternteil bestimmte Dinge eben einfach nicht macht?

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