christliches Kreuz=Kreuz des Südens?

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Solche Ideen wurden vor ein paar Jahren in einem "Zeitgeist"-Film präsentiert, der bei Youtube zu sehen war.

In diesem Film wird ein astrologischer Kommentar zur Geburt und Kreuzigung Jesu gegeben. Die dabei aufgestellten Behauptungen über Sterne und Sonne sind dummes Zeug. Um das zu sehen, genügen naturkundliche Grundkenntnisse, wie man sie im Schulunterricht erwirbt, und eine Sternkarte, wie sie in jedem Schüleratlas abgedruckt ist.

Ich zitiere und kommentiere diese Thesen so, wie sie in dem Film vorkommen:

Der Stern im Osten ist Sirius, der hellste Stern am Nachthimmel, welcher am 24. Dezember zusammen mit den drei hellsten Sternen des Gürtels des Orion eine Linie bildet. Diese drei Sterne werden noch heute so genannt wie sie in der Antike ganannt wurden: Die drei Könige. Und die drei Könige, zusammen mit dem hellsten Stern am Nachthimmel, Sirius, zeigen auf den Punkt des Sonnenaufgangs am 25. Dezember.

Der Sirius bildet mit den drei Gürtelsternen des Orion immer die gleiche Linie, egal an welchem Tag. (Dies kommt daher, daß sie Fixsterne sind, die diese Bezeichnung deshalb tragen, weil sie fixe Positionen zueinander haben - wäre es anders, gäbe es keine Sternbilder, also auch keinen Orion und keinen Gürtel desselben.)

Wohin am Horizont diese Linie nun "zeigt", das ist überall und nirgends, denn sie dreht sich natürlich, während die Uhr weiterläuft, mit der Fixsternkugel mit.

Es gibt ein weiteres sehr interessantes Phänomen, das sich am 25. Dezember bzw. der Wintersonnenwende ereignet. Von der Sommer- zur Wintersonnenwende werden die Tage kürzer und kälter, und aus Sicht der nördlichen Hemisphäre scheint sich die Sonne nach Süden zu bewegen und wird dabei kleiner und scheint seltener.

Die Sonne wird gegen Wintersonnenwende nicht kleiner, sondern größer. Die Erde durchläuft am 3. Januar das Perihel, den sonnennächsten Ort ihrer Bahn, mit 147 Millionen km Abstand zur Sonne. Den sonnenfernsten Punkt ihrer Bahn, das Aphel, mit 152 Millionen km Abstand, durchläuft die Erde am 4. Juli. (Angaben aus Westermanns Weltatlas, den das Land Hessen mir in den 70er Jahren als Schulatlas schenkte.)

Am 22. Dezember ist das Ableben der Sonne vollständig erreicht. Die Sonne war sechs Monate lang stetig nach Süden gewandert und hat nun ihren niedrigsten Punkt am Himmel erreicht. Hier passiert dann folgendes: Die Sonne hört auf, sich nach Süden zu bewegen, für mindestens drei Tage. Innerhalb dieser Dreitagespause befindet sich die Sonne in der Nähe des Sternbildes Kreuz des Südens, oder Crux. Nach dieser Phase, am 25. Dezember, bewegt sich die Sonne um 1 Grad, diesmal nach Norden, und läßt damit längere Tage, Wärme und Frühling vorausahnen. Und deshalb wurde gesagt: Die Sonne starb am Kreuz, war für drei Tage tot, und ist danach wieder auferstanden, beziehungsweise wiederbelebt worden.

Auch hier genügt ein Blick auf eine Karte des südlichen Sternhimmels, um das Gesagte als Bullshit zu einzuordnen. Das Sternbild Kreuz des Südens steht an der Himmelskugel auf dem 60. südlichen Breitengrad und bei ca 180 Grad auf der Längenskala. Die Ekliptik aber, auf der die Sonne entlangwandert, schafft es nur bis zum südlichen Wendekreis bei 23,44 Grad südlicher Breite. Der Winterpunkt, an dem sie den Wendekreis berührt, liegt auf der Längenskala bei 270 Grad.

Daß sich die Sonne also irgendwann "in der Nähe des Sternbildes Kreuz des Südens" befände, ist also, wenn man die Koordinaten vergleicht, etwa so wahr wie die Behauptung, Kalkutta läge an der schottischen Nordseeküste.

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