Ähnlichkeit der Weltentstehungstheorie von Ovid mit der Bibel?

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Bestimmte Vorstellungen von der Schöpfung gehen noch viel weiter zurück, nämlich mindestens auf das Gilgamesch-Epos. Da wir wissen, dass es im Zweistromland schon lange vor der Entstehung der Schrift große feste Siedlungen gab, ist davon auszugehen, dass diese Vorstellungen von der Schöpfung bereits über viele Generationen mündlich überliefert worden waren, bevor sie erstmals schriftlich festgehalten wurden. (Man geht heute davon aus, dass erste Fassungen des Gilgamesch-Epos so ca. im 24. vorchristlichen Jahrhundert entstanden.)

Natürlich verbreiteten sich diese Überlieferungen dann weiter und wurden von anderen Kulturen übernommen und teilweise adaptiert. Daher finden wir Parallelen in der Bibel, aber auch in der griechischen und römischen Mythologie.

Ovid konnte also auf einen ganzen Pool alter Überlieferungen zurückgreifen, wird sich aber wohl an der griechisch-römischen Tradition orientiert haben, die ja ihrerseits auf die genannten älteren Quellen zurückgreift.

Der römische Dichter Ovid (41 v.Chr. bis 17 n.Chr.), schöpfte sein Wissen über die Weltentstehung wohl aus älteren, zum Teil verloren gegangenen Schriften, das er in seinen Metamorphosen niederschrieb. Mehrere antike Dichter und Historiker erwähnten z. B. die griechische Sage von "Phaeton" und berichteten über Einzelheiten, darunter neben Hesiod, Solon und Aischylos auch Euripides, Aristoteles und Plutarch.

Dennoch ist der Begriff Weltentstehung etwas weit hergeholt; denn d. g. Sage deckt nur einen kleinen Teil eines kosmischen Ereignisses mit tsunamiartigen Überflutungen- und gewaltigen Niederschlägen vor etwa 3200 Jahren ab. Die uns bekannte Erdkatastrophe mit Sintflut wurde im Gilgamesch-Epos, der ältesten Legende der Menschheit berichtet und die diente gleichermaßen der Bibel und anderen Schriften.als Grundlage. Nach neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen hat sich d. g. Sintflut demnach um etwa 5500 v.u.Z., also vor ca. 7500 Jahren ereignet, als ein Anstieg der Meereshöhe den Bosporus durchbrach und so das ursprüngliche schwarze Süsswassermeer mit Salzwasser überflutete. Weitere Details zum Thema unter nachstehendem Link und unter Antworten kommentieren!

http://www.eichner-dresden.de/phaethon/

Die Entstehung der Welt, wie sie Ovid in seinem Proömium darstellt, kommt eher einer modernen wissenschaftlichen Anschauung gleich.

Angefangen mit der Chaostheorie,

****..., da besaß die Natur im All nur ein einziges Antlitz, Chaos genannt, eine rohe ungegliederte Masse, ...


über die Kugelgestalt der Erde

.... Ballte er gleich zu Beginn die Erde ... zur Form einer riesigen Kugel.

bis hin zur kenntnisreichen Schilderung der Klimazonen.

****... es decken fünf Zonen die Erde. Wo die mittlere sich dehnt, verwehrt es die Hitze zu wohnen; zwei deckt tiefer Schnee, zwei hat er dazwischen geschoben und ihnen Milde verliehn ...


Gerade die Erwähnung der beiden Polkappen verblüfft den Leser.

Wen Ovid mit "ER" meint, hat er deutlich gesagt: ein Gott, eine bess´re Kraft der Natur

Die Zitate entnahm ich der Reclam ausgabe: Ovid, Metamorphosen, übersetzt von Wilhelm Breitenbach.

Ovid verfasste seine Metamorphosen vom Jahre 1 vor bis zum Jahre 8 nach Beginn der Zeitrechnung. Das bedeutet, dass er biblische Geschichten durchaus gekannt haben kann. Aber woher nahm er seine naturwissenschaftlichen und geographischen Kenntnisse?

Der Schauplatz des Rates hat was vom Palatin (dem Wohnsitz von Kaiser Augustus) Jupiter will das üble Menschengeschlecht vernichten. Zur Rechtfertigung führt er den anderen Göttern sein Erlebnis mit dem arkadischem König Lykaon an. Jupiter hat einmal in Menschengestalt die Erde besucht und trotz diversen göttlichen Zeichen hat Lykaon nicht geglaubt, dass sein Gast ein Gott sei; er hat sogar versucht, diesen im Schlaf zu ermorden. Außerdem hat dieser blutrünstige Tyrann einen beliebigen Gefangenen getötet, um dann sein Fleisch als Mahl für Jupiter zu verwenden. Als Strafe für diese Frevel hat Jupiter sein Haus zerstört und Lykaon in einen Wolf verwandelt. Dabei ist er in Wesen und Charakter gleich geblieben, nur seine Gestalt hat sich geändert, typisches Merkmal der Metamorphosen.

Da die Menschheit nun bis hin zu Gottesverachtung und Kannibalismus gesunken ist, stimmen auch die anderen Götter für die Auslöschung der Menschheit. ( Aus den geworfenen Steinen entwickeln sich lebendige Menschen.- Paradisvertreibung?) upiter hat die Vernichtung der Menschheit beschlossen und versucht dies zu erreichen, indem er die Erde mit gigantischen Wassermassen überflutet. Alle Pflanzen werdem weggeschwemmt und fast alle Tiere und Menschen ertrinken. Nur das Ehepaar Deukalion und Pyrrha überleben (Arche?) auf einem selbst gebauten Schiff die Sintflut. Gewissermaßen sind die beiden diebesten und frömmigsten Menschen, denn sie sind unschuldig an dem Fall oder Untergang der Menschheit und überleben deswegen. Da Deukalion und seine Frau nun einsam auf der Welt sind, sind sie sehr traurig und beten in ihrer Verzweiflung zu der Göttin Themis, die davon sehr gerührt ist. Sie befiehlt den beiden Eheleuten, Steine über ihren Rücken zu werfen, wobei Deukalions zu Männern und Pyrrhas zu Frauen werden. Somit sind Deukalion und Pyrrha die Eltern des neuen Menschengeschlechts.

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