wieweit können wir dem trauen, was wir mit unseren sinnen wahrnehmen?

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Was wäre denn, wenn dem nicht so wäre? Hättest Du eine Möglichkeit es herauszufinden? Demzufolge wäre ja alles, was Du wahrnimmst, nicht-existent, ohne dass Du eine Chance hättest, dies rauszufinden.

Wir können uns ja auch wieder vorstellen, Gehirne in einem Wassertank zu sein. Alles was wir wissen oder meinen zu wissen und zu erleben, hätte dann nie stattgefunden. Würde dann weiteres Forschen unter solchen Umständen Sinn machen? Wir könnten solche Dinge nicht herausfinden oder beweisen, von daher ist es am besten, erst gar nicht solche Hypothesen aufzustellen und man sollte davon ausgehen, dass alles real ist und auch wirklich genauso Abläuft wie wir es wahrnehmen. Sonst könnte man getrost auch alle physikalischen Gesetze und Theorien verwerfen, da sie nur Hirngespinste wären.

Unser Weltbild setzt sich zusammen aus Sinneneindrücken und deren Interpretation. Was die Sinneneindrücke angeht, haben wir nichts anderes. Sie sind der Input. Aber der Input allein enthält keine Aussage, wie er zu werten sei (hat bereits David Hume festgestellt). Mit der Evolution haben Lebewesen nicht nur die Sinne mitbekommen, sondern auch bereits Standards einer überlebensfähigen Interpretation. Diese Standards liegen bereits vor unserem "denkenden Verstand". Diese Standards sind in der Evolution so für jedes Lebewesen aussortiert, dass es bis dahin überlebensfähig die Umwelt wahrnimmt und interpretiert. Eine Fledermaus, die im Unterschied zu vielen anderen Tieren (Mensch incl) die Wahrnehmung von Ultraschall hat, hat mit Sicherheit auch andere Standards der Interpretation.

Wie aber ist es z.B. mit optischer Täuschung? Wenn wir einen geraden Stock ins Wasser halten, sehen wir ihn gekrümmt. Wie ist das jedoch bei Tieren, die z.B. diese optische Täuschung durch Lichtbrechung auch haben müssten? Würde z.B. ein Eisvogel auf die optische Täuschung der Lichtbrechung hereinfallen, würde er nie einen Fisch fangen. Er lebt aber bereits länger von Fischen als es wahrscheinlich Menschen gibt! Der Mensch dagegen als Fischer mit der Harpune ist auch als Fischjäger bereits erfolgreich, bevor er die optische Täuschung ERKLÄREN konnte. Umgekehrt haben wir heute viele Erklärungen und Theorien, ohne dass uns die ganze Wissenschaft etwas nutzt. Wir verhalten uns trotzdem nicht viel anders als die Neandertaler.

Ich persönlich würden denen, die gegenüber unseren Sinnen kritisch sind, empfehlen, lieber etwas mehr gegenüber unseren Interpretationen kritisch zu sein. Denn immerhin hätte es dann nach Kant, Goethe und Schiller keinen Nationalsozialismus geben dürfen. Muss man dieses nationale Versagen nun auf das Versagen der Sinne schieben oder eher auf das Versagen der Interpretationen?

Unsere Wahrnehmung ist das, was unser Geist aus den uns erreichenden Signalen macht. Deshalb können wir unseren Wahrnehmungen nur insoweit vertrauen, wie wir uns selbst vertrauen. Es ist also ein geschlossener Kreis.

Zu bedenken ist, daß wir immer deshalb etwas für wahr halten, weil wir ganz fest glauben, daß etwas wahr wäre. Dadurch ist das Werkzeug "Glauben" in unseren Wahrnehmungsfunktionen dominierend, oder anders ausgedrückt, unsere Welt und das von uns Wahrgenommene ist geglaubt und dann mit stimmig machenden Argumenten ummäntelt, von denen wir "glauben", daß sie logisch sind, damit wir uns selbst befähigen, ein Geschehen für wahr zu halten.

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