Wie ist eure Meinung zum Buddhismus?

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10 Antworten

Meine Meinung zum Buddhismus

Ich bin jetzt seit über 20 Jahren Buddhist und denke, dabei ein paar positive Nebeneffekte erfahren zu haben. Ich habe mehr über mich selbst gelernt und kann daher auch andere Menschen besser verstehen.

Auch habe ich ein gesundes Maß an Relativität entwickelt - ich nehme mich nicht mehr so schrecklich wichtig und dramatisiere Dinge nicht mehr so extrem. Das sind Effekte, die ich auf meine buddhistische Praxis zurückführe.

Allerdings ist Kritikfähigkeit in doppeltem Sinne - sowohl die Fähigkeit kritisch
zu denken, als auch die eigene Meinung zu hinterfragen - besonders
wichtig, wenn es um politische und religiöse Weltanschauungen geht.

Ich denke, dass der Buddhismus im Westen oft missverstanden und häufig zu stereotyp und idealisiert betrachtet wird, was meiner Meinung nach dem Buddhismus schadet.

Lifestyle-Buddhismus

Aufgrund prominenter Buddhisten wird er häufig als reine Lifestyle-Religion
missverstanden, oder als Vorwand für Weltflucht genutzt.

Aber das hat mit dem echten Buddhismus nichts zu tun, denn dessen Lehren haben nichts mit den Rosa-Wolken-Lehren irgendwelcher Lebenshilfe-Ratgeber gemeinsam.

Laut dem Buddhismus ist das Leben leidvoll, weil wir ständig Anhaftungen unterliegen, so dass wir nie dauerhaft glücklich werden.

Manche Menschen machen nichts anderes, als ihre Anhaftung an Anerkennung und Geld durch die Anhaftung an Harmonie und Frieden zu ersetzen - und glauben dennoch, alles "losgelassen" zu haben.

Auch das Anhaften an buddhistischen Lehrern, oder das unkritische Lesen
buddhistischer Texte ist vielleicht infantil, oder dumm - aber ganz
sicher nicht der ursprüngliche Buddhismus.

Buddhismus und Gewalt

Es heißt häufig, der Buddhismus sei friedlich - dabei war er eine der wichtigen
Grundlagen für den japanischen Faschismus im Zweiten Weltkrieg und die
aus dem Konfuzianismus und Buddhismus abgeleitete Bushido-Philosophie
faszinierte auch Nazi-Größen wie Heinrich Himmler.

Führende buddhistische Lehrer damals engagierten sich in Propaganda für die
Krieg der Japaner und die zahl der religiösen Widerständler war gering.

In jüngerer Vergangenheit gab es gewalttätige Konflikte in Myanmar, bei
der Buddhisten gegen eine islamische Minderheit mit Gewalt vorgehen.

Vor solchen Dingen darf man nicht die Augen verschließen, nur weil es nicht ins persönliche Idealbild dieser Religion passt.

Missbrauch im Buddhismus

Wie in praktisch jeder Gemeinschaft, gibt es auch im Buddhismus
verschiedene Fälle von Missbrauch - Machtmissbrauch, Drogenmissbrauch
und sexuellen Missbrauch durch buddhistische Lehrer.

Nur drei Beispiele:

Der verheiratete Priester Eido Tai Shimano hatte über 50 Jahre hinweg immer wieder sexuelle Beziehungen mit seinen Schülerinnen.

Taisen Deshimaru hatte offenbar ein Alkoholproblem, auch wenn seine Schüler das gerne immer wieder mal relativieren. Zumindest der Verdacht besteht.

Chögyam Trungpa soll neben seiner Alkoholsucht zudem auch Kokain konsumiert und dafür monatlich mehrere tausend Dollar ausgegeben haben.

Weder Buddhisten, noch buddhistische Lehrer, sind perfekte Menschen ohne jeden Charakterfehler und daher sollte man sie auch nicht auf irgendwelche
idealisierenden Podeste heben.

Machtpolitik

Innerhalb buddhistischer Traditionslinien gibt es auch immer wieder mal so
genannte Nachfolgestreits - etwa wenn im tibetischen Vajrayana darüber
diskutiert wird, welches von beiden Kindern denn nun die angebliche
Wiedergeburt des Lamas XY ist.

Das ist nicht nur einfach eine spirituelle oder religiöse Frage, sondern dabei geht es auch darum, welche Gruppierung jeweils mehr Einfluss auf das künftige Oberhaupt haben wird.

Da brauchen sich also große buddhistische Organisationen mit ihren Intrigen nicht hinter dem katholischen Vatikan zu verstecken.

Betrüger

Bei einer aus Asien stammenden Religion ist es nicht immer einfach, die tatsächliche Legitimation des Lehrers zu erkennen.

Ein Asiate in einer Robe, der behauptet ein buddhistischer Lehrer zu sein
und irgendwelche unleserlichen Schriftstücke, oder sogar nur das "Gewand
seines Meisters" als Beweis für seine Lehrerlaubnis vorweist - wer kann
da schon sagen, ob er echt ist.

Aber auch westliche buddhistische "Lehrer" sind durchaus skrupellos und so gibt es  eine Reihe von Menschen, die sich kurzerhand selbst zum Lehrer ernannt haben und keine Legitimation vorweisen können.

Nachforschungen ergaben dann beispielsweise, dass der japanische Tempel, in dem Lehrer X angeblich in Ausbildung war, noch nie von ihm gehört hat.

Manche selbsternannte Lehrer übten eine Zeit lang gemeinsam mit einem
anerkannten Lehrer - erhielt aber selbst niemals die Lehrerlaubnis.

Es gibt sogar ganze Strömungen des Buddhismus, die man besonders kritisch sehen kann. So produziert beispielsweise die vergleichsweise junge Sanbo-Kyodan-Linie fast schon Lehrer am Fließband

Fazit

Meiner Ansicht nach ist der Buddhismus ein guter Weg für Menschen, die sich tiefer gehend mit Sinnfragen befassen wollen.

Dabei sollte man aber stets kritisch bleiben - und diese Forderung stammt
nicht etwa von einem westlichen Protest-Buddhisten, oder Rebellen,
sondern findet sich in den Lehrreden des Buddha.

Im "Kalama Sutta", Anguttara Nikaya 3.66 heißt es (verkürzt)

Aus diesem Grunde eben, Kālāmer, haben wir es gesagt: Geht, Kalamer, nicht nach Hörensagen, nicht nach Überlieferungen, nicht nach Tagesmeinungen, nicht  nach der Autorität heiliger Schriften, nicht nach bloßen Vernunftgründen und logischen Schlüssen, nicht nach erdachten Theorien und bevorzugten Meinungen, nicht nach dem Eindruck persönlicher Vorzüge, nicht nach der Autorität eines Meisters!

Wenn ihr aber, Kalamer, selber erkennt: 'Diese Dinge sind unheilsam,
sind verwerflich, werden von Verständigen getadelt,und, wenn ausgeführt und unternommen, führen sie zu Unheil und Leiden', dann, o Kalamer, möget ihr sie aufgeben.

Geht, Kalamer, nicht nach Hörensagen, nicht nach Überlieferungen, nicht nach Tagesmeinungen, nicht  nach der Autorität heiliger Schriften, nicht nach bloßen Vernunftgründen und logischen Schlüssen, nicht nach erdachten Theorien und bevorzugten Meinungen, nicht nach dem Eindruck persönlicher Vorzüge, nicht nach der Autorität eines Meisters!

Wenn ihr aber, Kalamer, selber erkennt: 'Diese Dinge sind heilsam, sind untadelig, werden von den Verständigen gepriesen, und,
wenn ausgeführt und unternommen, führen sie zu Segen und Wohl', dann, o Kalamer, möget ihr sie euch zu eigen machen.

Mehr habe auch ich nicht dazu zu sagen.

Von meiner Sichtweite her, das sich weitgehend vom Chan herleitet (andere
buddhistische Perspektiven kann ich nicht besprechen) ist der Buddhismus nur dort zu finden, wo ich im stillen oder aufgewühlten Bach, bei einer Tasse Tee, in einem Wolkenbruch, bei einem Haydn Quartett oder einem herabfallenden Ahornblatt etwas Unaussprechliches finden kann.

Oder

Dort wo die Blätter sich verfärben und die Wiesen sich verhüllen, dort weht der „goldene“ Wind und zeigt Dir Dein ganzes Wesen.

Meinungen sind nicht so wichtig, weil sie so häufig sind.

Auch wenn keiner weiß, ob Napoleon größer war als Cäsar, haben trotzden viele eine Meinung dazu.
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OK, hier bei GuteFrage wirst du sicher nur Experten finden, die Meinungen nicht überbewerten, sondern Wissen und Erkenntnisse haben. Aber in der weiten echten Welt gibt es sicher Meinungen.

Und vielleicht war das ja ein dummes Beispiel, und die Körpergrößen sind belegt.
Bessere dumme Beispiele lassen sich aber finden.

Frag doch nach Tatsachen, Gedanken und Erkenntnissen.
Meinungen beruhen jedenfalls selten auf Gedanken und Erkenntnissen.

Religion jeglicher Art lehne ich eher ab. 

Wobei der Buddhismus noch das geringste Übel ist. Ist eher eine Lebenseinstellung als eine Religion. Also an sich nicht schlecht. Jedoch der Reinkarnationsgedanke ergibt für mich keinen Sinn

Die Ergebenen wurden auch >Shravaks< genannt, was >Hörer< bedeutet, das heißt Hörer des inneren Tonprinzips. Aber nachdem Lord Buddha gegangen war, traten allmählich die geheimen Lehren, die er den wenigen Auserwählten übermittelt hatte, in den Hintergrund.

 Der Buddhismus hatte dem großen Bedürfnis der Stunde gedient und ist wie alle anderen Religionen nur eine Ansammlung von Dogmen und Bekenntnissen geblieben, die dem Sucher nach Wahrheit wenig Trost bietet. Dieser ist nur von einer Seele zu haben, die die Wahrheit verwirklicht hat, von einem wahren Heiligen mit spiritueller Erleuchtung und innerer Erfahrung von der Wirklichkeit.

Solange man lebt, mag man dem Buddhismus mit seinen philosophischen Inhalten, seiner Praxis und Theorie der "vier edlen Wahrheiten" durchaus einiges abgewinnen.

Spätestens bei der Todesfrage muss sich der Mensch jedoch entscheiden. - Will er sich einem unter Umständen endlosen leidvollen Kreislauf von Geburt und Wiedergeburt unterwerfen, oder dem Glauben an ein einmaliges Leben auf dieser Erde, endend mit dem Tod und anschließendem neuen Leben im Jenseits, ewig und mit paradiesischen Zuständen im Angesicht Gottes, beispielsweise nach christlichem Glauben.

Das ist das Spannungsfeld in welchem der Mensch sich bewegt, wenn er sich mit dem Buddhismus auseinandersetzt.

ThomasJNewton 17.09.2016, 18:43

Gibt es eine "Entscheidung", was man glaubt?

Ist Glauben nicht genau das Gegenteil einer Entscheidung? Oder vielleicht besser einer Abwägung?

Und gibt es eine Religion, wo sich die Zukunft danach richtet, was man glaubt?
Die Zukunft wohlgemerkt, nicht das Schicksal Einzelner.

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Ich finde den Buddhismus sehr gut. Fühl mich in dieser Weltanschauung sehr wohl und zu Hause und möchte noch weiter in der Hinsicht wachsen. Am besten bis zur Erleuchtung.

ich habe eine freundin die dem buddhismus verfallen ist.

meiner meinung nach sieht man dadurch alles nur noch in wolke rosa und entfernt sich von der realen welt.

ich halte von sowas überhaupt nichts. aber wer es braucht soll es tun.

das einzig gute am buddhismus : es ist eine friedliche religion.

Tja, noch eine Märchensammlung, für die Menschen ins Kloster gehen und komische Sachen tun. Wenn's ihnen Spaß macht...

Wenn man in dieser Glaubensrichtung den ewigen Schöpfer (Jes.45,22) preist, der Seinen (erstgeborenen - Hebr.2,11) Sohn für unsere Sünden geopfert hat (Röm.6,23), um uns ewiges Leben zu geben, habe ich nichts dagegen...

ThomasJNewton 17.09.2016, 18:44

Du weißt aber schon, dass Buddhisten nicht Jesus als Gott kennen?

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