Wie findet Ihr es, wenn jemand etwa 3 Mon. nach dem Tod des Partners wieder mit jemandem fest zusammen zieht?

19 Antworten

Es wäre grundfalsch, sich in seiner Trauer zurückzuziehen und die Einsamkeit zu suchen. der Verstorbene kommt dadurch nicht mehr zurück.

Den Kontakt zu anderen Menschen suchen bzw. halten ist der bessere, die Trauer zu verabeiten. Also auch die Entscheidung, wieder einen Menschen in sein Leben zu lassen, der (fast) ständig bei einem und für einen da ist.

Hallo zusammen... ich antworte hier mal als betroffene "neue" Partnerin.

Viele Antworten sagen das, was ich auch denke: es kommt immer darauf an und es liegt an dem Menschen selbst, wann die Zeit für eine neue Beziehung gekommen ist. Aber als neuer Partner muss man sich auch im klaren darüber sein, dass es einen grossen Unterschied zu einer Beziehung nach einer Trennung gibt gegenüber einer neuen Beziehung nach dem Tod eines geliebten Menschen. Das eine ist eine Entscheidung, die man selbst trifft, das andere wird einem genommen.

In meinem Fall war mein Partner der neue Lebensgefährte seiner Freundin für über 6 Jahre, nachdem sie durch Tod ihren Mann verloren hat (sie sind einige Monate nach seinem Tod zusammen gekommen), bevor sie letztes Jahr selbst verstorben ist. Ihre 2 Kinder sind nicht seine "biologischen" Kinder, er ist auch nicht ihr Vormund, jedoch eine Art bester Freund für sie. Die Kinder sind zwischen Teenie und Volljährigkeit. Beide sind nunVollwaise.

Ich war übrigens zu dem Zeitpunkt als wir uns kennen lernten schwanger und habe kurz später mein Kind verloren. Er hat meine Trauer verstanden, ich seine oder besser: ich versuche sie zu verstehen, nachzufühlen. Wir sind auf der einen Seite für den anderen da, wenn wir trauern, und doch leben wir beide endlich wieder – blicken in eine Zukunft die vorher zerbrochen schien.

Für mich war und ist es absolut "normal", dass ich von mir aus immer hinter der Familie zurück stecke, aber als Ansprechpartnerin da bin- aber nur wenn ich gefragt werde. Ja, das ist manchmal schwer, aber es gehört dazu. Ich hatte zu Anfang auch eine gewisse Angst vor dieser Beziehung – ich wusste nicht ob es „richtig“ sein kann – ob wir eine Chance haben, wie ich akzeptiert werde.

Ein verstorbener geliebter Mensch wird immer ein Teil des Partners sein, für den man sich entschieden hat.

Besonders schwer ist es immer zu Anlässen wie Geburtstag, Weihnachten,... ich stelle dazu nie Forderungen. Ich freue mich nur, dass ich von ihrer Familie bislang akzeptiert wurde und mag die Kinder wirklich gerne. Wenn eine neue Partnerin dies nicht akzeptiert - dann versteht sie nicht, wie weh ein solcher Verlust tut. Es ist auch nicht leicht – für keine der betroffenen Seiten – der Familie zu sagen, dass es einen neuen Menschen in dem Leben gibt. Das ist eine wirkliche Herausforderung – das wie und wann. Doch ich muss sagen, dass ich im nachhinein froh bin, dass wir auch diesen Schritt gut gemeistert haben und das es so gut gelaufen ist.

Für mich käme es nie in Frage, dort zu übernachten - das ist der Bereich, der ihrer Familie gehört. Das ist für mich eine Grenze, die ich aus respekt nicht überschreiten werde. Wenn, kommt er zu mir. Ich bin wenn „nur zu Besuch“ und fahre am Abend wieder.

Und ja, es tut mir auch manchmal weh, dass ich ihn zur Zeit noch nicht täglich sehen kann – aber auch das gehört einfach dazu. Vielleicht lässt das manchmal ein Gefühl von Zweifel aufkommen - aber das wäre verkehrt. Es gibt keine Zeit, die Trauer braucht. Der eine macht nach Wochen weiter und schaut in die Zukunft, andere brauchen Monate, Jahre... Es kommt in meinen Augen viel mehr darauf an, dass man die Kompromisse akzeptiert, zuhört, über Gefühle reden kann – uns es ist wichtig, zuzuhören und zu reden. Wir haben z.B. schon oft zusammen auf der Couch gesessen und geweint. Ein Gefühl welches immer wieder in mir aufkommt ist zum Beispiel, dass es unfair ist, dass ich wieder lieben "darf", weil den beiden ihr Glück verwehrt blieb.

Ich weiss, dass er sie geliebt hat und sie wird immer ein Teil von ihm sein. Das ist auch gut so. Es gibt für mich kein "Konkurrenzdenken". Ich kann und will niemanden ersetzen, nur ein neuer Partner sein.

Aber der Aufbau einer neuen Beziehung erfordert von beiden Partnern viel Kraft und Respekt vor den Gefühlen des anderen und der Familie. Im Grunde ist es die berühmte Frage nach dem „richtig“ und „falsch“ – aber die kann keiner abschliessend beantworten. Es gibt nur die Möglichkeit, seinen eigenen, individuellen Weg zu finden.

Ich persönlich finde es nicht so toll! Als meine Mutter nach dem Tod meines Vaters kurz darauf mit einem anderen Mann zusammengezogen ist, konnte ich ihr das nie Verzeihen!! Meine persönliche Meinung! Kann mir nicht vorstellen das man das so schnell verarbeitet hat! Im endeffekt muss es aber jaeder für sich entscheiden. Gruß Sandra

Es kann schon sein das es für dich nicht so schön war, aber Deine Mutter ist dadurch vielleicht schneller über den Tod Deines Vaters hinweg gekommen.

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@radar74

Eben nicht!! Das hat sich nach einigen Jahren dann herausgestellt!!

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@SandraBerlin

Die Einstellung klingt aber sehr egoistisch. Es ist das Leben Deiner Mutter. Nur weil man selbst etwas nicht verstehen kann, muss es auch noch lange nicht falsch sein. Wenn es Deine Mutter noch Jahre mit dem neuen Partner ausgehalten hat, kanns ja nicht so schlimm gewesen sein. Es gibt viele Beziehungen, die kaum ein paar Monate halten.

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@dock69

@Kai aus Berlin:Vor allem kann ich mir schwer vorstellen das Du Dir eine Meinung über diese Sache bilden kannst. warum bin ich egoistisch wenn ich sauer darüber bin wenn sich meine Mutter kurz nach dem Tod von meinem Vater einen neuen Typen ins Haus holt wenn der Tod noch gar nicht verarbeitet war. Klar war es das Leben meiner Mutter, aber es Gab auch Kinder die Verarbeiten müssen! Und Gleichzeitig müssen sie die neue Beziehung akzeptieren? Durch diese Beziehung ist es wie schon erwähnt NICHT besser gegangen wie unten aufgeführt!! Ich war also mit 21 Jahren Vollwaise!! Und Du nennst mich Egoistisch??!!

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Das kann meiner Meinung nach nicht gutgehen, weil absolut NICHTS verarbeitet ist - und das betrifft jede Art von Trennung!

..und es ist äußerst unfair dem neuen PartnerIn gegenüber..

Vielleicht bestand die Beziehung ja schon lange nur noch auf dem Papier, weil der jetzt Überlebende sich nicht trennen konnte oder Angst davor hatte oder weil er glaubte, das dem Anderen nicht antun zu können?

Worüber sollte er denn jetzt nach dem Tode noch trauern?

Hier wäre es dann doch höchste Zeit gewesen, sich einen neuen Partner zu suchen.

HÄ???

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@SandraBerlin

manchmal ist er schon recht wirr, der gute demosthenes !

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@solf1

@solf1:

Was war denn daran wirr?

Ich kenne einige "alte" Paare, die zwar aus Gewohnheit noch zusammenleben oder weil keiner sich traut, die Konsequenzen zu ziehen, die sich aber eigentlich von ganzem Herzen hassen.

Wenn hier einer stirbt, dann ist das doch für den Überlebenden eine Erleichterung - oder nicht?

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@demosthenes

Es geht dabei ja auch um Angehörige, sprich Kinder ! Ich finde es respektlos.. nach so kurzer Zeit ! Solf

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@solf1

@solf1:

Soll ein Mensch in höherem Alter darauf verzichten, SEIN Leben zu führen aus Rücksicht auf die vielleicht schon erwachsenen Kinder?

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