Wie beschreibt man ein gesicht?

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Das Gesicht beschreibt man nur dann etwas genauer, wenn der "Beobachtende" nur etwa einen Meter entfernt ist und seine Beobachtung wirklich und ganz und gar wichtig ist für die momentane Handlung.

Ganz genau mit allen Runzeln, Furchen, Dimpeln, Härchen etc, nur bei höächstens 20 cm, also in einer (beinahe) Kusszene. Es ist also eine Frage der Perspektive. Es ist für die Handlung ganz gleichgültig und schnurz piep egal, welche Augenfrabe, Haarfarbe, Grübchen... jemand hat.

Alle solche Äußerklichkeiten sagen überhaupt und ganz und gar nichts über seinen Charakter oder sein Wesen aus. Blond und blauäugig ist nicht automatisch doof und ob die grünen Pupillen auch noch Goldsprenkel haben, interessiert bestenfalls in schmalztriefenden Liebesschnulzen.

Interessant wird das Gesicht nur, wenn es Emotionen spiegelt. Erschrocken sieht anders aus als amüsiert, nachdenklich oder ängsltlich. Auch jemand mit ganz, ganz vielen Llachfältchen kann tief traurig dreinblicken, ohne dass man solch einen Geschwurbel schreibt wie, 'seine Augen schienen in Tränen fortzuschwimmen'.

Erwähne wichtige Äußerlichkeiten oberflächlich, wenn du den Charakter einführst. "Sie war der Jeans und Sweatshirt Typ, kaum Make Up und die blonden Haare zum Pferdeschwanz gebunden stand sie vor mir. Gerade einmal bis zur Schulter ging sie mir, und so wie sie in ihren Turnschuhen auf den Zehen wippte, die eine Augenbraue hochgezogen, schien sie zu allem bereit." 

Jetzt kann es losgehen, fast egal wohin, nur nicht zum Schulball oder ins Theater. Das reicht dem Leser fürs erste. Aha, jung, sportlicher Typ, aufgeschlossen, bereit für neues... (auf jedenfall kein Girly, keine Barby-Tussi) Jetzt muss Action kommen.

Später kannst du immer noch dies und das fallen lassen, wenn es für die Handlung wichtig wird. 'Irgend etwas machte sie wohl nervös, denn schon zum zweiten mal in kurzer Zeit band sie ihre Haare neu und zupfte immer wieder an ihrem Pulli herum.' oder 'Ja OK - ich habe sie warten lassen. Aber 10 Minuten zu spät, ist kein Grund mich so giftig anzuknurren.' 

Lass eine Person das Gesicht und die Gesten machen, wie sie zu der momentanen Situation passen, und schwafel da nicht mit hergekramten Adjektiven  herum. Adjektive werden den Fortgang einer Story immer bremsen, weil sie statisch sind. Benutze treffende Verben, bechreibe Aussehen als "Bewegung, Veränderung...", denn nur Verben sorgen für Action.

Beispiel, sie ist erade auf jemand sauer: aus zusammengekniffenen Augen, vor der Brust verschränkten Armen und hochgezogenen Schultern mit durchborhendem Blick... / Zunächst hatte sie geschwiegen, ließ dann die Arme fallen, drehte sich zu mir herüber, nahm mich fest ins Visier und blaffte, "Weißt du was, du kannst mich mal!" Wo ist mehr Acton?

Meine Beispiele sind nur mal so 'out of the Cuff', aber du erkennst wohl schon, was ich meine. Lass dem Leser seine eigene Fantasie und ihn lieber atemlos der Handlung folgen.

Hier gibt es saugute Tipps zum Nachlesen:

http://www.schriftsteller-werden.de/

Ein spitz zulaufendes Kinn, hohe Wangenknochen, anliegende Ohren, eine fliehende Stirn, große weit auseinander liegende Augen, einen schmalen Mund, einen spitzen Mund, volle Lippen, ein Doppelkinn, ein breites Kinn, ein rundes Gesicht, eine flache Nase, eine spitze Nase, und so weiter und so fort.

Reicht?

Mit ganz vielen Adjektiven, wie zum Beispiel schmal, rund, länglich, aber auch verschlagen, offen, dümmlich, klug. Dann geht man auf die Einzelheiten ein. Man beschreibt die Lippen mit voll oder schmal, den Mund breit, die Zähne als wohlgeformt oder unordentlich wie ein Möbelkontainer. Die Haut in allen dir bekannten Tönen. Zähle alle Einzelheiten auf und beschreibe sie. Ziehe Vergleiche mit anderen Dingen die du kennst. Ohren wie Segel, Nase wie ein Erker...

Für schmalztriefende Liebesschmonzetten kommt das hervorrragend. Die Leserinnen von Groschenromanen à la Lydia werden dahinschmelzen, für ernsthafte Erzählungen ist das aber völlg unbrauchbar.

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