Eigentlich sollen Mädchen und Jungen in der Schule gleich behandelt werden, sowohl was die Beurteilung des Verhaltens im Unterricht betrifft als auch hinsichtlich der Anwendung von Auswertungsschlüsseln für Klassenarbeiten und Klausuren. Auch in den Pausen sollen vor den Augen der Lehrkräfte alle Schüler/-innen gleich sein. Es gibt aber Aspekte, die das schwer machen.

1. Während Jungs, die aggressiv sind, sich meistens offen verbal oder körperlich aggressiv äußern (Beleidigungen, Schreien, Stoßen, Schubsen, Schlagen etc.), neigen aggressive Mädchen zu eher verdeckter Aggression, z.B. Lästern, Gerüchte Streuen oder soziales Ausgrenzen. Dadurch, dass offene Aggressionen sehr gut beobachtbar sind, verdeckte aber nicht, werden Jungs in der Schule von Lehrern/-innen tendenziell aggressiver wahrgenommen und häufiger gerügt, obwohl sie faktisch nicht mehr oder weniger aggressiv sind als ihre Mitschülerinnen. 

2. Mädchen sind im Durchschnitt verbal geringfügig stärker als Jungen, was dazu führt, dass sie im Durchschnitt die besseren mündlichen Noten bekommen. Für die Jungen gibt es aber leider keinen Ausgleich dafür. Zwar sind Jungen im Durchschnitt geringfügig stärker in mathematischen Aufgaben, aber dieser Unterschied verschwindet, sobald Mädchen keine Angst mehr vor Mathe haben. Wenn man Mädchen vermittelt, dass sie genau so gut in Mathe sind wie ihre männlichen Klassenkameraden, schneiden sie auch wirklich im Durchschnitt ebensogut ab.

3. Zu den gesellschaftlichen Normen, die man an Kinder heranträgt, gehören (zum Teil kann man sagen: leider) unterschiedliche Geschlechtsrollen. Man erwartet von Mädchen und Frauen, dass sie anpassungsfähig und harmoniebedürftig sind, während man von Jungen und Männern erwartet, dass sie sich durchsetzen können und sich behaupten. Das Schulsystem erwartet Anpassung, aber kein sich-Durchsetzen, was besser zu dem weiblichen Geschlechtsrollenstereotyp passt als zu dem männlichen.

4. Da deutlich mehr Frauen als Männer Erziehungswissenschaft studieren, existieren an den meisten Schulen mehr Lehrerinnen als Lehrer. Lehrer können sich in Schüler besser einfühlen als in Schülerinnen, Lehrerinnen können sich in Schülerinnen besser einfühlen als in Schüler. Die Mädchen werden also von mehr Lehrkräften verstanden und haben auch mehr gleichgeschlechtliche Identifikationsfiguren zur Auswahl.

Insgesamt bin ich also schon der Meinung, dass Mädchen es in der Schule etwas(!) leichter haben als Jungen (was sich ja auch durch die durchschnittlich besseren Schulleistungen zu bestätigen scheint). Das liegt aber nicht an den Lehrkräften oder der Schulleitung, sondern am Gesamtsystem. Jungen können das angesichts des geringen Unterschiedes auch problemlos kompensieren, indem sie "sich an die Spielregeln halten", während sie in der Schule sind. Denn hinsichtlich des Unterrichtsinhalts und der Klassenarbeiten kann man dem Schulsystem relative Fairness unterstellen.

Hallo!

Interesante Frage -----------> oft ist es so, dass es heißt der Stoff und die Unterrichtsgestaltung seien mehr auf die Bedürfnisse/die Stärken der Mädchen ausgelegt. Läge auch stark dran, dass in Grundschulen mehr weibliches Lehrpersonal aktiv ist, das vllt. auch die Jungs ganz einfach nicht so gut verstehen kann wie es männliche Lehrer - die eben selber mal Jungs waren & es daher eher wissen - können.

Auch ist es so, dass Jungs sich eher aktiv mobben, während Mädchen das eher passiv unter sich über Gerüchte, indirektes Mobbing wie Ausgrenzungen usw. "lösen" und dadurch im Grunde noch aggressiver und falscher sind, aber die Lehrer(innen) eben eher die Rangelei auf dem Schulhof mitbekommen als den Zickenkrieg bei Facebook oder auf über Gesten.

Ich (m, 25) hatte in meiner Schulzeit keinerlei Nachteile ggü. Mädchen, allerdings hatten wir auch ein sehr männlich geprägtes Lehrerkollegium. Da wurden eher mal tratschende Mädchen, die die ganze Stunde über rumgeschnattert haben des Zimmers verwiesen oder gerügt, während wir Jungs ein recht ruhiges Leben hatten.

Lehrer sind auch nur Menschen und ich bin mir sicher, dass es gar nicht mal auf das Geschlecht ankommt, sondern wie der "Draht" vom Lehrer zum Schüler ist. Da kann man beträchtlich Bonuspunkte sammeln, wenn man den richtigen Draht hat - da bin ich mir sicher. Klingt nicht fair und sollte auf keinen Fall so sein, aber kommt immer wieder vor. Probier es ruhig mal aus, die Lehrer gehen darauf ein - wetten? 

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