Welches Niveau brauche ich um Werke von Shakespeare im Original zu lesen?

4 Antworten

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Welche Bücher von Shakespeare sind denn dabei und bis wann müsst ihr die gelesen haben? 

Wie hoch dein Englischniveau sein muss, damit du Shakespeare lesen kannst, lässt sich pauschal nicht sagen. Es sollte schon so hoch sein, dass du Englisch mehr oder weniger fließend lesen kannst. Ich kenne da aber auch Leute (meine Freundin z.B.), die Shakespeare lesen konnten, bevor sie fließend Englisch konnten, weil sie Englisch quasi mit Shakespeare gelernt haben. Andererseits weiß ich auch von vielen englischen Muttersprachlern, die Probleme mit Shakespeare haben. 

Da dein Niveau ungefähr zwischen B1 und B2 liegen sollte, würde ich schon sagen, dass Shakespeare für dich anspruchsvoll sein könnte. Ich empfehle dir auf jeden Fall, dein Englisch zu verbessern. Ob du letzten Endes damit klar kommst, musst du selbst herausfinden. Lies dich doch einfach mal in Shakespeares Stücke ein (man findet fast alle online und kostenlos), dann siehst du ja, ob das was für dich ist. 

Ein paar Tipps zu Shakespeare …  

  • Wenn du nichts gegen Spoiler hast, lies eine Zusammenfassung des Plots im Voraus. Wenn du den Inhalt schon kennst, ist das Stück um einiges leichter. 
  • SCHAU DIR DIE STÜCKE AN! Das mein ich ernst, gerade wenn man noch nicht so gut in Englisch ist. Shakespeares Stücke sind nicht dazu gedacht, gelesen zu werden, sie wurden für die Bühne geschaffen. Klar, für die Schule muss man die Stücke analysieren, aber es ist extrem hilfreich, sie vorher mal gesehen zu haben. Es gibt mittlerweile so viele Verfilmungen und Versionen davon, da findest du bestimmt etwas, das dir gefällt. 
  • Besorg dir eine gute Version von Shakespeares Stücken. Für den Anfang finde ich es auch nicht schlimm, wenn man sich eine Übersetzung oder eine No Fear Shakespeare Version (Shakespeare in einfacherer Sprache) besorgt. Es ist natürlich nicht dasselbe wie das Original, aber es geht ja erst mal vor allem darum, das Stück zu verstehen. Für die Originaltexte kann ich z.B. die Arden-Reihe empfehlen. Da stehen unten auf jeder Seite Anmerkungen und Erklärungen zu Shakespeares Sprache. Auch eine Version, in der das englische Original und eine deutsche Übersetzung drin sind, kann nützlich sein. 
  • Lies das Stück mehrmals, damit du es auch verstehst. Dauert auch nicht so lange, die meisten Stücke lassen sich in wenigen Stunden durchlesen.
  • Benutz ein Wörterbuch, besonders für Verben, die du nicht verstehst. Damit verstehst du den Sinn der Sätze viel besser. 
  • Lern im jambischen Pentameter und anderen Versmaßen zu lesen (hier z.B. http://wortwuchs.net/versmass/). Shakespeare verwendet die nicht nur in seinen Sonetten. 

Was Empfehlungen angeht: Was möchtest du denn lieber lesen? Komödien oder Tragödien? 

Ich denke, die "einfachste" Tragödie für Leute, die mit Shakespeare noch nicht so vertraut sind, ist "Romeo and Juliet". Die meisten Menschen kennen die Geschichte, haben möglicherweise mal eine Verfilmung davon gesehen und sollten daher weniger Schwierigkeiten haben, sich mit der Story zurechtzufinden. Ansonsten kann ich dir auch "Macbeth" empfehlen, finde ich persönlich einfacher als "Hamlet" (und bald kommt auch ein neuer Film davon raus!) 

Komödien … schwer zu sagen. Meine erste Shakespeare-Komödie war "A Midsummer Night's Dream". Fand ich jetzt nicht so schwer und die Story ist auch ziemlich witzig. Ich denke, auch Stücke wie "As You Like It" sind für "Anfänger" relativ leicht zu verstehen. 

Ich würde dir auch hier vorschlagen, dir ein paar Kurzbeschreibungen/Zusammenfassungen einiger Stücke zu lesen und dann eines zu wählen, das dich anspricht. Es spricht auch nichts gegen "Hamlet", wenn dich das Stück interessiert. Für mich war "Hamlet" auch eines meiner ersten Shakespeare-Stücke und ich habe es verstanden. Aber das ist auch bei jedem anders, du musst also selbst herausfinden, womit du klar kommst. 

Viel Erfolg! :) 

Vielen Dank für die ausführliche Antwort!
Gelesen müssen wir sie ca. in einem halben Jahr haben, ich muss die Liste auch nicht unbedingt gleich morgen abgeben. Darauf stehen, die von dir genannten und auch noch "The Merchant of Venice".
Ich bin mir nicht unbedingt sicher, ob ich eine Komödie oder eine Tragödie lesen möchte, da alle Dramen bis jetzt Tragödien waren. Ausserdem find ich die Story wichtiger, überzeugt & gefällt die,  kommt es für mich weniger auf die Art an. Nur halt ob es machbar ist, da mach ich mir etwas Sorgen. Es gibt dann auch einen mündlichen Test über die gewählten Bücher und ja.
Ich werd mir auf jeden Fall mal etwas ausführlichere Zusammenfassungen der Stücke durchlesen. :)
Vielen Dank auch für den Tipp mit der Arden-Reihe, wir müssen den Text nämlich zwingend im Orginal lesen, wobei ich mir trotzdem wohl auch die deutsche Version kaufen werde. :D

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Wenn dein Englisch noch nicht so gut ist, würde ich dir von Shakespeare abraten, da hast du keine Freude dran.  

Ich habe zu Beginn meines Studiums mit Shakespeare angefangen und brauchte auch eine ganze Weile, bis ich mich halbwegs eingelesen hatte und mein Englisch war damals bereits sehr gut. Da ich die Sprache und die Zeit faszinierend fand, hab ich dann aber wirklich alles gelesen: einsprachige Ausgaben mit englischen Kommentierungen, zweisprachige Ausgaben mit Anmerkungen zur Übersetzung. Und eben wirklich immer den Text und die Kommentare dazu lesen, sonst bringt es nichts. Nach ca. 10 Stücken wurde es dann auch schon einfacher, aber ganz ohne Kommentare kann man trotzdem kein Shakespeare-Stück mehr lesen heutzutage, dazu sind wir sprachlich und historisch zu weit entfernt. Ich habe die Texte immer als Vorbereitung auf das eigentliche Theaterstück gelesen, damit ich dann als Nicht-Muttersprachler nicht komplett ahnungslos bin, gerade was die Vokabeln angeht. 

Danke für deinen Tipp und deine Erfahrungen.
Ich hab mir jetzt einfach mal ein Stück von ihm bestehlt, auf der linken Seite ist jeweils der Text in englisch und rechts auf deutsch. Es stimmt, nur mit dem englischen Text käme ich überhaupt nicht zu recht, die rechte Seite hilft mir da sehr, ebenso wie die Erklärungen am Schluss.
Aber gerade weil es so schwierig ist, hab ich jedes Mal das Gefühl nach der Lektüre auch etwas gelernt zu haben. Bis jetzt haben wir im Englischunterricht immer Bücher gelesen, bei denen man gut auch einfach weiterlesen konnte, ohne die Bedeutung jedes einzelnen Wortes zu kennen. Das war natürlich auch toll, weil man kann ein Buch in einer anderen Sprache lesen und versteht es sogar (ich find das ein tolles Gefühl^^).
Andererseits mag ich es auch Shakespreare zu lesen, weil ich so ganz viele neue Wörter nebenbei lerne und ich mags, wenn ich den Text ein zweites Mal lese und plötzlich weiss, was dieses oder jenes Wort bedeutet. Ich lieb's mir so quasi nebenbei Wissen anzueignen.

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Also ich habe mir mal ein paar Originalfassungen angesehen: Hamlet geht noch aber MacBeth ist brutal. Such dir am besten Leseproben und lies rein. Bei MacBeth kann ich zum Beispiel sagen, dass mir als Englisch Leistungskurs-Beleger der Kopf geschwirrt hat.

PS: Der Händler von Venedig (The Merchant of Venice) ist auch noch im Rahmen des Möglichen.

Ich spreche und dchreibe fliessend englisch und träume sogar manchmal noch auf english...Shakespeares habe ich ein paar mal versucht....ist mir zu "hoch" 😂

Ich habe auch schon gehört, dass viele englische Muttersprachler große Schwierigkeiten mit Shakespeare haben. Die oft komplizierten Sprachbilder des Dichters kann man man sehr oft auch in der deutschen Übersetzung kaum verstehen. Beim "Othello" und bei "Maß für Maß" musste ich bei etlichen Versen immer wieder von Neuem ansetzen, um den Sinn zu verstehen. Also: mach' dich auf Verständnisschwierigkeiten gerfasst.

Nebenbei: Hier liegt vermutlich auch der Grund, weshalb man von diesem "gigantischen" Dichter so wenig weiß. Im Globetheater versammelte sich das einfache Volk. Kein Mensch kann glauben, dass die Shakespearestücke dort in der Originalform gespielt worden sind. Das Publikum hätte wegen der schwierigen Sprache Reißaus genommen. Also hatte man (vermutlich) die Stücke in vereinfachter Sprache gegeben: Vom gewaltigen Genie Shakespeares hatte somit keiner was gemerkt. Erst als die Folioausgabe von 1623 mit den Originalstücken erschien, trat der wahre Shakespeare hervor. Aber da war es mit der großen Zeit des Elisabethanischen Theaters vorbei, die Theater wurden geschlossen, Shakespeares Aufzeichnungen wurden von seinen  Verwandten (vermutlich) weggeworfen, denn was war das schon, ein Theaterdichter? Damals nichts Erwähnenswertes.

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@Haldor

Wow, vielen Dank für den interessanten und informationsreichen Kommentar. (:

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@Haldor

Hier wage ich zu widersprechen:

Im Globe versammelten sich sowohl das einfache Volk als auch die höheren Schichten, für die gab es nämlich die Sitzplätze, die sich das "einfache Volk" überhaupt nicht leisten konnte. 

Deine These mit der vereinfachten Sprache finde ich sehr gewagt. Normalerweise sind in den Stücken neben komplizierten Sprachbildern auch sehr ordinäre, volksnahe Vokabeln und Formulierungen zu finden. Die Kunst war, für jeden und für jedes Bildungsniveau etwas dabei zu haben. 

Was man ebenfalls nicht vergessen darf: Vieles, was wir heute wahnsinnig komplex und geschraubt finden, war zur damaligen Zeit noch geläufiger, also auch deutlich leichter zu verstehen. Nur weil wir heute Schwierigkeiten mit bestimmten Formulierungen haben, heißt das nicht, daß das damals für die Leute genauso war. Zudem waren die Menschen damals viel stärker im reinen Zuhören geschult und geübt, man kann davon ausgehen, daß sie das Gehörte viel besser verarbeiten konnten als wir heutzutage. Deswegen finden wir es auch oft anstrengend ein Shakespeare Stück anzusehen. Damals sagte man sogar, man ging "to hear a play". 

Und zuletzt: Natürlich muß man Shakespeare-Stücke auf der Bühne sehen, denn dafür sind sie konzipiert und dann ist das Verständnis auch deutlich einfacher. 

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