Weinlese 2018?

7 Antworten

Ich helfe seit ca 10 Jahren zusammen mit anderen Rentnern in einem Familien-Weingut jährlich ca. 25 Lesetage.

Wir treffen um 8.00 Uhr auf dem Hof und erfahren, welche Sorte wir lesen und in welchen Weinbergen. Wir fahren dann max. 10 Leute gemeinsam mit Kleinbus, Schmalspurtraktor und Traktor mit dem grossen Lese-Anhänger zum geplanten Weinberg.

Unsere Mannschaft besteht schon jahrelang aus den selben Leuten und die sind alle zwischen 65 und 75 Jahre alt (ausser der Winzerfamilie), junge Leute gehen meistens nur einen Tag lang mit, am nächsten Tag finden sie einen Grund um nicht mehr zu kommen. Eine grosse Einweisung brauchen wir nicht, wir sind ja alte Hasen und die bewährte Stammmannschaft.

In den letzten Jahren haben wir nur gutes Wetter gehabt (meist 20 - 25 Grad warm), bei schlechtem Wetter lesen wir grundsätzlich nicht, unser Winzer ist Selbstvermarkter und er verarbeitet die Trauben selbst, daher ist er an keine Termine z.B. einer Genossenschaft gebunden.

Scheren, Handschuhe, Eimer, Getränke, Essen werden vom Winzer gestellt, das Zeug liegt im Bus.

Je nach Sorte, Zustand der Trauben legt unser Winzer fest, was er im Leseeimer haben möchte und was auf keinen Fall in den Eimer darf.

Pro Weinzeile werden zwei Leute eingeteilt (einer links, der andere rechts), besser ist wenn man um ca. 1 m versetzt arbeitet, dann schneidet man sich nicht gegenseitig in die Finger. Wir lesen meistens 4 Zeilen, der Schmalspurschlepper mit dem Traubentransporter fährt in der mittleren Zeile. Die vollen Eimer werden unter den Drähten durchgegeben und in der Schlepperzeile geleert. Also sind die beiden die beim Schlepper sind, am meisten gefordert die müssen von allen die Eimer entgegennehmen, leeren und wieder zurückgeben, dann sollten sie ja auch noch die Trauben in ihrer Zeile lesen.. Wir wechseln uns deshalb rotierend ab, damit jeder mal in die Schlepperzeile geht und nicht immer nur die selben Leute sich in den äusseren Zeilen bleiben.

Der leichteste Arbeitsplatz ist ja ganz aussen, da man ja nur seinen eigenen Eimer weitergeben braucht - dort kommen bei uns die "Neuen" hin.

Um 12 Uhr geht es auf den Hof und dort wird das Mittagessen eingenommen, um 13 Uhr fahren wir wieder zur Weinlese. Meistens endet bei uns der Lesetag zwischen 16 und 17 Uhr im Weinberg, dann helfe ich meistens dem Winzer noch bei der Verarbeitung der Trauben das geht dann noch bis ca. 21.00 Uhr.

Bei uns läuft die Weinlese wie im Akkord, von Idylle und Romantik ist da nichts zu erkennen, nach 25 Lesetagen sind wir sowieso platt. Nach Abschluss er Weinlese gibt es ein zünftiges und feuchtes Helferfest mit Hol- und Bringservice, damit wir ja kein Fahrzeug mitbringen. Wir bekommen pro Lesestunde 10 Euro ausbezahlt, pro Mann lesen wir je nach Sorte täglich ca. 1000 kg Trauben, das ist Hochleistung.

Als Kleidung empfiehlt sich gutes Schuhwerk, leichte Arbeitskleidung, Strohhut und eine leichte Jacke für die Vormittagszeit. Bei schlechtem Wetter brechen wir die Weinlese sofort ab bzw. wir gehen nur hinaus, wenn das Wetter trocken ist und bleibt.

Wir machen uns öfters mal Gedanken, wenn wir - weil wir zu alt sind - nicht mehr mitmachen können, wird wohl die "Handlese" beendet sein und der Vollernter wird wohl unseren Job machen. Der Vollernter arbeitet ja sowieso billiger wie wir, dafür landen alle Trauben im Ernter, die Qualität bleibt automatisch auf der Strecke.

Woher ich das weiß:
eigene Erfahrung

Es ist ein schönes Erlebnis, bei der Weinlese dabei zu sein. Auch wenn es recht anstrengend sein kann macht es viel Spaß. Meist sind viele nette Leute dabei, mit denen man sich den Tag über gut unterhalten kann. Ich bin jedes Jahr ein paarmal dabei und freu mich jetzt schon drauf.

Kleidungstechnisch ist der Zwiebellook empfehlenswert. Morgens kann es zur Lesezeit schon kühl sein, ein Pulli und evtl auch eine Jacke schaden nicht. Später, wenn die Sonne in die Steillage scheint, erwärmt es sich und ein T-Shirt reicht oft aus. Gut, wenn man sich nach und nach die wärmeren Klamotten ausziehen kann. Natürlich sind ältere Sachen anzuraten, denn es wird genügend Flecken auf der Kleidung geben, die nicht mehr alle rauszubekommen sind.

Rutschfeste Schuhe mit gutem Profil sind angebracht. Meist bewegt man sich im Gras, mal höher, mal niedriger. Nach einem Regenguss oder durch den Morgentau kann das eine feuchte Angelegenheit werden. Wanderschuhe oder gute Turnschuhe mit grobem Profil sind nicht schlecht. Für alle Fälle vielleicht auch mal Rohrstiefel mitnehmen, falls sie nötig sind.

Bei uns werden gerne die dünnen Einmalhandschuhe verwendet. Damit hat man mehr Gefühl bei der Arbeit. Die dickeren Teile aus Gummi finde ich persönlich nicht so gut geeignet, aber das muss man einfach herausfinden. Im Zweifel beide Varianten mitnehmen und ausprobieren.

Scheren kann man mitbringen wenn vorhanden, aber die Weinbauern haben in der Regel auch ein Sortiment an Scheren beisammen. Extra eine kaufen würde ich nicht. Dazu noch ein Tipp: auf die Schere immer sehr gut aufpassen und immer in der Hand, in der Tasche oder im vorgesehenen Behälter lassen. Niemals in einen Eimer legen, in den die Trauben geworfen werden. Einfach weil es eine große Katastrophe wäre, wenn so eine Schere irgendwo in einem Eimer zwischen den Trauben landet und später bei der Verarbeitung unbemerkt in eine Maschine gerät. Das kann große Schäden nach sich ziehen.

Um die Arbeit vernünftig zu erledigen ist es gut, anfangs jemandem zuzusehen, der sich auskennt. Die Trauben werden nicht einfach nur abgeschnitten, sie müssen ausgelesen werden, also faulige und schlechte Beeren aussortieren. Das ist kein Hexenwerk, aber es hilft, wenn man es erklärt und gezeigt bekommt.

Naschen ist ausdrücklich erlaubt und erwünscht, es gibt in der Regel auch Verpflegung für die Pausen in Form von einem guten Vesper oder sogar noch mehr.

Viel Spaß bei deiner ersten Lese, es wird sicher ein lohnenswerter Tag. Vielleicht gefällt es dir ja und du bist künftig öfter dabei. Vor allem in Steillagen sind die Weingärtner dankbar für jede helfende Hand.

Weinlese von Hand ist in Steillagen immer notwendig,da die Maschinen sonst umstürzen würden.Ansonsten in kleineren Betrieben immer noch normal.

Die Witterung kann von sommerlich bis herbstlich kühl sein.

Bei Regenwetter wird nicht gelesen.

Für eine Auslese,sehr reife Früchte erkennen und aus dem Stock schneiden,braucht man etwas Erfahrung.

Du kannst normale Kleidung anziehen.Für neblig-kühle Tage wäre eine atmungsaktive Jacke empfehlenswert.

Jeder Winzer ist verpflichtet auf den Arbeitsschutz zu achten.Mindestens festes Schuhwerk ,Profilsohle und Arbeitshandschuhe sind nötig. Dazu darauf achten,das man mit der Haltehand nicht zu nah an die Schneidhand greift.

Machs einfach so,wie die erfahrenen Kräfte,die jedes Jahr helfen.

Das macht Spaß und ist abgesehen von Auslesen recht einfach.

Da ist meist keine so schwitzige Angelegenheit,da Du keine Kiepen tragen musst.

Man kann sogar leicht frieren,da man wenig Bewegung hat und es doch schon recht feucht und kühl zur Lesezeit ist.Ein warmer Pullover und dicke Socken können da schon gut sein.

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